Wakanda trifft Wanne-Eickel: 5 Dinge, die der Black Panther Film mit rassismuskritischem Veranstalten zu tun hat (Spoiler-frei) – Teil 2

Wöchentliche Blogartikel-Serie (5 Teile) mit konkreten Tipps zu diskriminierungssensibler Veranstaltungspraxis

Teil 2 von 5: Wer darf sprechen, und wann?

Es gibt ein paar Stellen im Film Black Panther, die großes Erleichterungsgelächter hervorrufen. Das sind die Stellen, in denen Figuren (stellvertretend für uns) Sachen sagen, die auszusprechen für PoC im echten Leben schwer ätzende Folgen hat, obwohl es unaufgeregte Wahrheiten sind.
Es ist außerdem wohltuend, mal zu sehen, wie afrikanische Menschen afrikanische Angelegenheiten besprechen und klären, ohne sich dabei Vorschriften oder dauernde „Lektionen“ anhören zu müssen. Das gibt es im echten Leben selten. Auf vielen Veranstaltungen verhandeln Europäer_innen afrikanische Themen oder sprechen in Deutschland Geborene als Hauptredner_in zum Thema „Flucht und Migration“. Das können, sollten wir ändern.

 

Wakanda Know-How für Wandsbek und Wanne-Eickel:

 

  • Wer zuerst auf die Bühne kommt, repräsentiert. Wer dort zuerst gegrüßt und angekündigt wird, ist offiziell wichtig™. Es ist nicht egal, wer zum Publikum das Grußwort sagt, und noch weniger egal ist es, wer auf der Veranstaltung das letzte Wort hat (Tipp: bitte nicht Karl-Günther). Hier können wir vieles anders als bislang machen und damit signalisieren, wessen Perspektiven [uns] wichtig sind. Das Publikum reagiert stark darauf, wer einführt, als Autorität gilt, und die Verabschiedung macht. Das alles spiegelt auch wieder, wer sich aus Sicht der Veranstaltenden überhaupt mit dem Event identifizieren können soll.

 

 

Fazit: Wir können nicht veranstalten, um von allen Menschen gemocht zu werden, sondern sollten es dafür tun, positive Veränderung vorzuleben und zu verhandeln. Wenn wir bestimmen: „jetzt reden mal die, die wirklich Ahnung haben, und auch die, die nicht überall angehört werden“, mag das Karl-Günther verkrampft machen, aber das muss wirklich sein Problem bleiben. Wir schützen damit die Menschen, die unter seinem Geschwafel seit eh und je leiden. Im Zweifelsfall den gesamten Rest des Publikums.

 

Ich hinterlasse den Raum einer Veranstaltung gern zugewandt. PoC sollen mit einem guten Gefühl nach Hause gehen. Für Diskussion ist hinterher ausreichend Zeit im Foyer oder an der Theke oder an kleinen Gesprächstischen im Anschluss. Das Publikum war anfangs darüber etwas verwundert, aber seit es immer mehr Vortragende und Veranstaltende so halten, ist es Usus geworden. Und das Feedback, das ich regelmäßig dafür bekomme, keine Geiselnahmen-Open-Mic-Runden abzuhalten, ist durchweg positiv. Eine Veranstalterin, die es zuerst eher zähneknirschend akzeptiert hatte, hat mir hinterher gesagt: „Das war ganz anders als bisher. Ich fühl mich auch besser. Und ich habe gar nichts vermisst.“

 

Viel mehr dazu, mit praktischen Tipps, Deeskalations-Checklisten, Argumentesammlungen und Vielem mehr gibt es im Onlineseminar „Erfolgreich rassismuskritisch veranstalten“ für alle, die es ernst damit meinen, kulturell oder kulturpolitisch zu veranstalten. Und für gut gemacht statt gut gemeint.

 

 

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1 Comment
  • Keith
    Antworten

    „und auch die, die nicht überall angehört werden“, mag das Karl-Günther verkrampft machen, aber das muss wirklich sein Problem bleiben.“ – Das ist nicht immer einfach für einige von uns die „Harmonie-Bedürftig“ sind. Aber das hier gibt Mut… :D
    Ich warte auf den nächsten Karl-Günther…

    6. März 2018 at 20:27

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