Zwischenmeldung: Veranstaltungsfails und -Erfreulichkeiten aus dem echten Leben

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Inhaltsverzeichnis:

  1. nicht gut
  2. gut

 

 

Nicht gut war:

 

Dass ich jetzt schon wieder erleben musste, wie nicht-Schwarze Mitarbeitende in rassismuskritischen Projekten diejenigen Elemente verhindern (wollen), die unmittelbar der Heilung dienen (würden).

 

Wenn ich angefragt werde zu einem Vortrag, weise ich normalerweise darauf hin, dass es gut wäre, einen Programmpunkt zu haben, der der Bestärkung gewidmet ist. Manchmal ist das inform eines Kolloquiums of Color, manchmal als Schwarzes Vernetzungstreffen, manchmal als BPoC Meditationsstunde… ganz nach Veranstaltungsart und Wunsch der Communities vor Ort.


In vielen Fällen, wenn es weiße Mitarbeiter_innen sind, die diese Korrespondenz mit mir oder meinem Büro führen, wird dieser Punkt von ihnen einfach ignoriert. Sie tun so, als habe es nicht in der Mail gestanden, gehen auf alle anderen Punkte ein, nur auf diesen nicht. Bei nochmaliger Nachfrage antworten sie oft immer noch einfach gar nicht darauf. Es kommt leider regelmäßig vor. Deshalb „spreche“ (schreibe) ich es jetzt an. Viele Menschen, die beruflich an „Antirassismusprojekten“ arbeiten, verstehen anscheinend nicht, dass Empowerment nicht als nerviger Mehraufwand gesehen werden kann, sondern die Kernaufgabe dessen ist, was eine rassismuskritische Veranstaltung bezweckt..

 

Besonders traurig finde ich das, wenn dann auch noch das Publikum voraussichtlich mehrheitlich aus weißen Menschen besteht. Den das bedeutet, dass der ganze Aufwand der Veranstaltung für die Organisierenden anscheinend völlig in Ordnung geht, wenn es um die Interessen und Fortbildung weißer Leute geht, aber nicht, wenn es um die primären Interessen der durch Rassismus Belasteten geht. Und das, mit Verlaub, geht in diesem Kontext nun mal nicht (mehr).

 

Ich zitiere mich mal wieder selber, aus der Vorlesung in Wien:

 

Kampf gegen Unterdrückung wird vielerorts sogar als die „natürliche Aufgabe“ der Unterdrückten wahrgenommen, was wiederum hochproblematisch ist und Viele in den Aktivismus-Burnout drängt..

 

Konkreter Tipp für Veranstaltende: Plant von vorn herein gleich selbst genügend Raum ein (auch zeitlich) für Austausch und Empowerment für die, die von Rassismus negativ betroffen sind.

 

 

Gut war:

 

Vor und nach meiner Wiener Vorlesung gab es lauter großartige Programmpunkte: Harri Stojka hat Gitarre gespielt, dass ich vollkommen ausgeflippt bin (wirklich vollkommen, ich war heiser vor lauter Jubeln), und die nicht minder großartige Kollegin Marissa Lobo (u.a. aktiv im autonomen Zentrum von und für Migrantinnen, Maiz) hat in einem Video tolle queere migrantische Widerstandsprojekte vorgestellt, die an Kreativität und Scharfsinn kaum zu überbieten waren.

 

Als besondere Überraschung holte Marissa Lobo die Dichterin und Aktivistin Grace Marta Latigo auf die Bühne, die ihrerseits den ganzen sehr vollen Raum mit heftigen und notwendigen Ansagen beschenkte.

  • Heftig, weil es in ihrer Performance um die Menschen ging, die den Alltagsrassismus nicht überlebt haben.
  • Notwendig, weil es eine überfällige Erdung war, ganz unmittelbar nochmal erinnert zu werden, worüber wir eigentlich alle sprechen und wozu wir zu der Veranstaltung gekommen sind. Weil es bei diesem „Thema“ keine Theorie gibt. Zu Rassismus kann es nichts rein Abstraktes geben, und keine Bildung, Fortbildung oder Verhandlung, ohne dass dabei präsent ist, wer von Rassismus getötet wurde. Zu jeder Zeit steht dabei unsere Unversehrtheit auf dem Spiel.
  • Beschenkt, weil die Dichterin viel gegeben und viel geteilt und uns Input auf einer anderen, sehr wichtigen Ebene gegeben hat. Hier ist ein Link zu ihren Büchern

 

Danke auch an Claudia Unterweger, die großartig moderiert und uns Mitwirkenden dadurch allen ein positives und sicheres Gefühl gegeben hat.

EDIT: Und an die Brunnenpassage sowie den Verein Schwarze Frauen Community tausend Dank für das Veranstalten von sogar zwei Empowerment Entspannungsyoga-Sessions!!

 

Für mich hat der Versuch funktioniert. Eine alteingesessene absolut bourgoise Vorlesungsreihe, die normalerweise im Rathaus stattfindet, wurde in die Stadt und zu den Menschen der Stadt getragen, und es wurde uns zugehört anstatt über uns zu sprechen. Und wir nutzten die Gelegenheiten.

 

War alles 100% perfekt und astrein? Nein. Wurden die wichtigsten programmgestalterischen Punkte vorher gut durchdacht? Ja. Gibt das Hoffnung? Absolut. Nicht darauf ausruhen, sondern den Schwung mitnehmen und als guten Startpunkt betrachten, wäre mein Vorschlag.

 


 

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Den Vortrag kann ich auch gern mal in Deutschland halten (Aber nur wenn dann auch Harri Stojka spielt! Spaß. Der ist evtl zu beschäftigt.) Der Vortragstitel ist „Agieren versus Reagieren – couragiert aktiv in schwierigen Zeiten“.

 

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Um Veranstaltungen aller Art gleich von vornherein tight zu planen, empfehle ich das Onlineseminar „Erfolgreich rassismuskritisch veranstalten„.

 

 

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