Neuer Kurs! Berufs-Empowerment für Freiberufliche mit Diskriminierungserfahrungen

Ein neuer Onlinekurs von mir ist soeben gestartet. Er ist dafür da, bei Jobs gleich von vornherein akzeptabel behandelt zu werden und die Nerven zu schonen.

 

Für alle, die Workshops geben, auftreten, moderieren, vortragen oder sonstige Jobs für Honorar machen.

 

Ich wurde in den letzten 30 Jahren freiberuflicher Tätigkeit auf jede erdenkliche Art abgezogen, die es gibt. Daraus habe ich viel gelernt, unter anderem, dass gewöhnliche Verträge mich nicht vor Nachlässigkeit und diskriminierender Benachteiligung von Auftraggebenden schützen. Im Laufe der Zeit entstand in Zusammenarbeit mit verschiedenen Jurist_innen mein eigenes Vertragswerk. Es reifte und wurde geschliffen wie ein Kiesel in der Strömung :-) – und es funktionierte so gut, dass irgendwann Rechtsabteilungen mich um Rat für bestimmte Umsetzungen fragten. Der Vertrag, den ich für Jobs verwende, ist auch kürzlich nochmal von juristischer Seite1gründlich durchgecheckt worden. Jetzt mache ich ihn öffentlich zugänglich, damit alle, denen es genauso geht wie mir, davon profitieren können.

 

Früher wurde erwartet, dass wir sogar noch dankbar dafür sein sollten, wenn wir unser Befreiungswissen oder unsere Überlebenskunst mal bei einer öffentlichen Veranstaltung teilten.

Die ersten, die dafür Geld verlangten, wurden gierig und unsolidarisch genannt – zumeist von weißen Linken in Ché Guevara T-Shirts. Vorgespult: Heute ist bekannt, dass ein Panel zum Thema Teilhabe, Gesellschaft, Zukunft … ohne Personen of Color nichts relevantes produzieren kann. Vereine bekommen Förderungen in Millionenhöhe, um Hilfestellung beim Implementieren von Diversität zu geben. (Was diese Vereine dafür qualifiziert und wie sich ihre Leitungsposten und Festanstellungen kulturell zusammensetzen, sei bitte gründlich analysiert, aber darum soll es hier mal kurz nicht gehen.) Was bei der erfreulichen Entwicklung auf der Strecke blieb, ist einmal mehr die Bildung und Fortbildung der Einzelkämpfer_innen: der Freiberuflichen. Dieselben Schwarzen, Behinderten, Queeren, Nichtbinären, etc. etc. jedenfalls Personen mit reichen intersektionalen Erfahrungen, die reichhaltige Bildung, Wachstumsanregungen und Denkanstöße für die Mehrheitsgesellschaft bieten, werden allein gelassen, wenn es darum geht, welche Umstände es wären, in denen wir diese Arbeit überhaupt zumutbar tun könnten:

 

Wir werden zu „kontroversen Diskussionen“ eingeladen, auf denen irgendwelche Nazis das Mikro bekommen.

 


  1. Besten Dank an dieser Stelle für Rechtsanwalt-Brother Lukas Kempkes!

Activist-Burnout ist real! Ein Rat (und flame) für Schwarze Aktive und Aktive of Color

 

In den letzten Wochen haben mich vermehrt junge Schwarze politisch Aktive und solche of Color auf dasselbe Thema angesprochen oder -gemailt: Sie werden in den weißen linken Gruppen, die sich als „antifa“ oder „antirassistisch“ verstehen, nicht ernst genommen. Aber lest selbst. Ich stelle mit der Erlaubnis der Person, die mir schrieb, auszugsweise die Mail und meine Antwort online.

 

Vorsicht bei Empowerment für Kinder und Jugendliche: „Mit Selbstbewusstsein Rassismus entgegentreten…“ (aka: „Hör nicht auf die. Sei stark.“)

Vorab: Dieser Artikel bezieht sich auf das ‚Fördern‘ von Selbstbewusstsein. Es gibt auch Selbstbewusstseinsarbeit, die sich mit augenscheinlich übersteigertem Selbstbewusstsein (entitlement) beschäftigt, hierum dreht sich dieser Text nicht.


 

 
Es ist eine tolle Sache, Kinder und Jugendliche in ihrem Selbstbewusstsein zu unterstützen.

 

 

Hier ein paar ganz raue Regeln für alle, die etwas zu ‚Selbstbewusstsein‘ von Kindern und Jugendlichen of Color organisieren wollen. Kein Anspruch auf Vollständigkeit I-:

Edutainment Attacke: TOUR TAGEBUCH 19.02. Döbeln

Wir verlassen Marburg Richtung Osten. Wie immer läuft bei der Bahn alles – bald auch wir. In Erfurt steigen wir um und geniessen die Fahrt in vollen Zügen. Check-in im Hotel in Leipzig. An der Rezeption werden unsere Zimmerkarten nicht aktiviert und wir kommen nicht in unsere Zimmer rein. Noah ruft sauer auf dem Flur vor ihrer verschlossenen Zimmertür stehend per Handy an, dass sie schnell jemanden zum Tür öffnen hoch schicken sollen. Leider ruft sie beim gleichlautenden Hotel in Dresden an. Aus purer Service-Orientiertheit und um den wichtigen Gast nicht zu düpieren, schicken die in Dresden den Kevin nach Leipzig und der öffnet Noah dann 5 Stunden später die Tür.

Gleich danach werden wir von zwei Frauen „Leipziger Linker Lieferservice“ nach Döbeln gebracht. Döbeln ist in der Nähe von Wurzen und Mügeln. Die AktivistInnen von Treibhaus e.V. halten dort eisern und bewundernswert die Stellung; wir denken an die Landkartensituation von Asterix und Obelix, nur dass das Dorf in diesem Fall das Haus von Treibhaus e.V. ist. Nun ja. Zur Sicherheit hatten wir auch nen Golfschläger eingepackt: BY ANY MEANZ NECESSARY!

Angekommen, wissen wir, wie Christina Aguilera sich fühlt, wenn sie für Truppen Unterhaltung macht: gut. Nur dass es bei uns äh politisch .. anders ist. Die Leute im Café Courage /Treibhaus e.V. sind nicht nur very charmant und dufte sondern auch erstklassig organisiert: Bühne ist bereits voll aufgebaut und Beamer und alles steht, sogar kabellose Mics…

Aber Mutlu denkt sich, ey, hier in Döbeln, so im tiefsten Sachsen, ob da viele Leute kommen?

Edutainment Attacke: TOUR TAGEBUCH 18.02. MARBURG

Die Barack-Burger waren der absolute Knaller. Danke Tomse! Danke auch für die jute Luftmatraze, Die war so hart wie mein Waschbrettbauch. Aber das war auch nur machbar mit der laut-ächzenden Double Action Pump. Noahs Comment: Klingt wie ne Penispumpe. Aber wir sind beide total angeschlagen. Bei Mutlu läuft die Nase und Noah hat Halsschmerzen. Egal, Hauptsache Tomse hat noch alle PBV-Tassen im Schrank.

Dann sitzen wir im Zug nach Marburg. Noah lacht sich über Mutlus Führerscheinbild schlapp, zur Einstimmung auf die Show hören wir Afro-Hesse. Angekommen chillen wir im Hotel. Zimmer sind gebucht auf unsere Vornamen. Hallo, Paul und Sabine machen das auch immer so.
Soundcheck im KFZ läuft easy. Große Bühne, große Location. Mutlu fragt sich wieder: Oh, ob das voll wird? Die Wirtin im KFZ, Gertie, stimmt uns auf die Location ein. Im Backstagebereich finden wir alles was das Herz begehrt. Bio-Brot und Käse, Gurken und jetzt kommst janz dicke – Hinterländer-BioBier (Es schmeckt besser als der Name es erahnen lässt und Noah muss das Etikett unbedingt falsch vorlesen und „Hinterlader“ verstehen).

Wir sind bereit – für die Übernahme der Regierungsverantwortung und tragen uns direkt ins Gästebuch ein.

Das Haus ist voll, die Show beginnt und Marburg wird edutainmentmässig attackiert – wir zeigen kein Erbarmen. Und haben einen überraschenden Durchbruch: Eine ehrliche Marburger Bürgerin outet sich als ABBA-Fan und hat jetzt eine rosa PBV-Kappe. Angeblich gibt es ja in Marburg keine Modern Talking Fans. Kann das wirklich sein? Vielleicht weil´s ne Universitätsstadt ist.

Nach der Show dann noch ein nettes Interview mit einigen Marbuger JournalistInnen. Und Gespräche mit den POCs vor Ort: DER TAG DER REVOLUTION IST NAH! Noah & Mutlu werden aber auch von einem Verwirrten belästigt. Der hatte wohl die Show mental verpasst und fragt Noah doch glatt, wo sie her komme bzw wo ihre echten Wurzeln seien. Nach dem ersten „hahaha“ wird klar, dass er es ernst meint. Ist der auf Drogen? Noah schickt ihn einfach weg. Doch dann verfolgt er Mutlu. Und erzählt dann noch, er könne gar nicht rassistisch sein, weil er ein Patenkind in Afrika hat. Noah und Mutlu erleiden einen ideologischen Zusammenbruch. Erste spontane Gedanken: WIR HABEN VERSAGT! ES IST NICHTS ANGEKOMMEN! WIR HÖREN AUF!

Ist das das Ende der Edutainment-Attacke? Gibt es das nächste Tourtagebuch etwa aus dem Sanatorium?

Edutainment Attacke: TOUR TAGEBUCH 15.-17.2. HAMBURG

15/02/2009

Mutlu kommt aus Berlin angereist. Aber in Hamburg fährt die U2 nicht. Voll lahm ey. Naja, dann muss halt der Schienenersatzverkehr herhalten. Der türkische POC Busfahrer rettet dann die Ehre der Hamburger. Aber hey, könnte schlimmer sein. Hätten ja auch Außerirdische den Bahnhof in einen gigantischen Schoko-Käsekuchen verwandeln können. Hmm, lecker.

Noah arbeitet immer noch wie eine verrückte an der Produktion. Die digitale Technik is voll am spinnen. Am Ende steht aber das Programm. Noah: Ey, diss es soviel arbeit, die Tour wird voll der Urlaub!

16/02/2009
Die Generalprobe in der Werkstatt 3 in Altona geht so dermaßen in die Hose, dass Mutlu total Muffensausen bekommt. Er hofft, es kommen nur zwei Gäste und wir können uns dann alle mit Vornamen ansprechen.