Sprachgebrauch in der Causa Özil: Über „Herkunftsdeutsche“ (argh) und „Migrationshintergrund“ (doppel-argh)

Aus gegebenem Anlass fasse ich mal ein paar Gedanken von mir zu einem Blogeintrag zusammen. Mit weniger Satzzeichen und viel mehr Ausrufezeichen hatte ich ähnliches schon über Twitter gepostet. Hier die lesbarere Fassung:

 

Übernehmt bitte nicht die Vokabel „Herkunftsdeutsche“.

 

So lang BPoC (= Menschen, die nicht weiß sind) nicht als deutsch akzeptiert werden, stützt „herkunftsdeutsch“ das rassistische Narrativ. Genauso wie auch das Unwort „Migrationshintergrund“, das komischerweise nie auf weiße Schwed_innen und Amis angewendet wird1.

 

Die Vokabel „Herkunftsdeutsche“ legitimiert außerdem die Un-Frage (weil keine Frage sondern freche Platzzuweisungs- Performance) „Und wo kommst du [wirklich/ursprünglich] heeeeer™??¿“, die Weiße immer BPoC aber nicht Sarrazin und De Maizière stellen.


  1. Überhaupt haben Weiße in erster Linie dann plötzlich einen Migrationshintergrund, wenn es darum geht, sich auf Stellen in Antidiskriminierungsbüros zu bewerben, oder PoC ihre Erfahrungen abzusprechen („Ich hab auuuch Migrationshintergrund, mein Papa ist Schweizer, ich kann das beurteilen“) aber das soll ein anderes Thema sein.

Zwischenmeldung: Veranstaltungsfails und -Erfreulichkeiten aus dem echten Leben

*

Inhaltsverzeichnis:

  1. nicht gut
  2. gut

 

 

Nicht gut war:

 

Dass ich jetzt schon wieder erleben musste, wie nicht-Schwarze Mitarbeitende in rassismuskritischen Projekten diejenigen Elemente verhindern (wollen), die unmittelbar der Heilung dienen (würden).

 

Wenn ich angefragt werde zu einem Vortrag, weise ich normalerweise darauf hin, dass es gut wäre, einen Programmpunkt zu haben, der der Bestärkung gewidmet ist. Manchmal ist das inform eines Kolloquiums of Color, manchmal als Schwarzes Vernetzungstreffen, manchmal als BPoC Meditationsstunde… ganz nach Veranstaltungsart und Wunsch der Communities vor Ort.

Die 21-Tage-ohne-Proklamieren–Challenge

Megafon, durchgestrichen

Wie in der Wiener Vorlesung versprochen, hier die Challenge zum Teilen und Mitmachen.

 

 

Challenge-Anleitung:

  • – Challenge vor Zeug_innn (online oder offline) annehmen

 

  • – Homepage und Social Media Profile untersuchen und ändern (z.B. „bei mir hat Diskriminierung keine Chance“ ändern in „ich versuche, wach zu bleiben“ oder „überzeugter superwoke Feminist“ ändern in „dude übt“… Kreativität ist gefragt!)

 

  • – 21 Tage lang on- und offline nicht durchsagen, wogegen oder wie undiskriminierend oder wie anderweitig gesellschaftspolitisch überwoke wir sind, sondern stattdessen Assistenz und Ressourcen anbieten (read: hinüberschaufeln) den Menschen und Organisationen, die existenziell(er als wir) kämpfen; ihre Verlautbarungen teilen, und das alles, ohne Kekse und Aufmerksamkeit zu verlangen. (Ich seh das, wenn Leute tweeten „haben unseren Raum gratis für Empowermentprojekt vergeben und sogar die Küche aufgeräumt, yeah *feier* *schulterklopf* *aufs-Tshirt-druck*“.)

 

Wiener Vorlesungen, 19. April: „Agieren versus Reagieren – couragiert aktiv in schwierigen Zeiten“

Das alteingesessene Format der Wiener Vorlesungen wird aufgefrischt; die Veranstaltung findet erstmalig im Kunst-/Aktivismusraum Brunnenpassage statt.

 

Ich würde mich daher besonders freuen, wenn die Communities das Angebot in Betracht ziehen würden und dem Ganzen Relevanz verleihen (-:    –>> Bitte weitersagen und auch unbedingt rechtzeitig kommen, es wäre möglich, dass es voll wird.

 

Das Motto des Abends lautet „Zivilcourage“, und der Titel meiner Vorlesung:
Agieren versus Reagieren – couragiert aktiv in schwierigen Zeiten.

 

 

Donnerstag, 19. April 2018, 19.00 Uhr
Brunnenpassage, Brunnengasse 71, Yppenplatz, 1160 Wien

 

 

Wiener Vorlesungen am Brunnenmarkt

 

Impulsreferat:
Noah Sow

 

Moderation:
Claudia Unterweger,  Journalistin (ORF) und Buchautorin zur Geschichte Schwarzer Menschen in Österreich („Talking Back“)

 

Wien Perspektive: Marissa Lobo – Künstlerin, freie Kuratorin, Dozentin / Robert Misik – Journalist und Sachbuchautor

 

Wakanda trifft Wanne-Eickel: 5 Dinge, die der Black Panther Film mit rassismuskritischem Veranstalten zu tun hat (Spoiler-frei) – Teil 5

Wöchentliche Blogartikel-Serie (5 Teile) mit konkreten Tipps zu diskriminierungssensibler Veranstaltungspraxis

Teil 5 von 5: Am Anfang großer Veränderung steht die Vision.

 

Visionen bedingen nicht zwingend Veränderung, aber sie erleichtern sie. Einen Schwarzen US-Präsidenten gab es erst im Film, dann in der Wirklichkeit. Ein schmaler Pfad taucht plötzlich auf, wo vorher nur Geröll war. Es werden nicht alle blitzschnell diesem Pfad folgen, aber es schadet schon mal nicht, wenn es ihn gibt.
Ich bin davon überzeugt, dass der Film Black Panther den Schwarzen Kindern und Jugendlichen, die ihn sehen, neue Inspirationen für ihre eigene Haltung und ihr Selbstverständnis liefert. Und dass Filmschaffende in der Zukunft es leichter haben werden, ehrlicher und unmittelbarer die Allgegenwart von Kolonialismus und seinen Folgen anzusprechen. Inspiriert von einem Disney-Film (ich kann es doch selbst nicht glauben), ernsthaft. Weil er einen Pfad geschaffen hat:
– Unbequeme gesellschaftliche Wahrheiten müssen auch im großen Sci-Fi-Unterhaltungskino nicht ignoriert werden.
Das Publikum ist weder doof noch zu fragil, um es auszuhalten, wenn die Rollen mal vertauscht sind.
– Weiße Menschen können Spaß dabei haben, Afrika als nicht rückständig zu erfahren.
– Schwarze Menschen müssen in Filmen nicht wohldosiert als Clowns, Opfer oder Sexfolie eingesetzt werden, sondern können die ganze verdammte Leinwand mit diffizilen und originellen Charakteren füllen.

Und siehe da: es lässt sich sogar ein Haufen Geld damit verdienen.
Win-Win-Win.

 

Wie bringen wir den Style aus Wakanda nach Wanne-Eickel?

 

Wakanda trifft Wanne-Eickel: 5 Dinge, die der Black Panther Film mit rassismuskritischem Veranstalten zu tun hat (Spoiler-frei) – Teil 4

Wöchentliche Blogartikel-Serie (5 Teile) mit konkreten Tipps zu diskriminierungssensibler Veranstaltungspraxis

Teil 4 von 5: Repräsentation ist super wichtig


Repräsentation ist, wenn ich zehn Jahre alt bin und in meinen Büchern und Serien sind Kinder mit ähnlichem Aussehen und ähnlichem Background, die dort nicht nur als „Problem“ oder Exot_in auftauchen.
Repräsentation ist, wenn ich Menschen sehe, die machtvoll sind (Lehrer_in, Richter_in, Politiker_in, Chirurg_in), die mein gender und meine Körperfarbe haben.
Repräsentation ist, wenn die Gesellschaft mir spiegelt, dass ich ein Teil von ihr bin. So ermöglicht Repräsentation auch überhaupt erst gegenseitige Identifikation.

 

Wenn ich nicht repräsentiert werde, sagt mir das, dass die Gesellschaft sich wünscht, ich wäre nicht mittendrin, sondern höchstens am Rand oder kurz zu Besuch. Das ist exakt die Botschaft von „Wo kommst du wirklich heeer?“ und von fehlender Schwarzer Repräsentation im deutschen Film..

Wakanda trifft Wanne-Eickel: 5 Dinge, die der Black Panther Film mit rassismuskritischem Veranstalten zu tun hat (Spoiler-frei) – Teil 3

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Wöchentliche Blogartikel-Serie (5 Teile) mit konkreten Tipps zu diskriminierungssensibler Veranstaltungspraxis

 

Teil 3 von 5: Wir können uns ganz gut selbst retten (wenn wir nicht dauernd unterbrochen oder unterdrückt werden)

 

Im Black Panther Film sind ein paar Szenen, die klischeehaft anfangen und überraschend empowernd weitergehen. „Argh!“, habe ich mir beim ersten Ansehen gedacht, „die werden doch nicht…“ und wurde schnell beruhigt. Das ist echt nicht leicht, ohne Spoiler darüber zu schreiben, ich sag’s mal so: In Gruppen, die wir bislang in noch überhaupt keiner einzigen filmischen Repräsentation als handlungsfähig präsentiert bekommen haben, finden sich Individuen, die genau das sind: handlungsfähig, powervoll, wehrhaft. Ist natürlich im echten Leben auch so, nur bekommen wir das nie zu sehen, sondern immer nur das Gegenteil.

 

Was heißt das für Veranstaltungsplanung in Wanne-Eickel?

»Deutschland Schwarz Weiß« 2018: umfassend aktualisierte Neufassung erschienen


Die umfassend aktualisierte Neufassung von Deutschland Schwarz Weiß ist ab sofort als Taschenbuch und Ebook erhältlich. 

 

Bestellbar in jeder Buchhandlung sowie in allen Onlinebuchhandlungen. 

(Nur wo der rote Jubiläums-Sticker drauf ist, ist die aktualisierte Fassung drin.)

 

(BoD hat gerade Serverprobleme. Falls der Ebook-Checkout nicht funktioniert: – Print-Titel mit in den Warenkorb legen, Kaufprozess fortsetzen, Print-Titel entfernen. *keinMarketingtrick*)

 

 

Gratis Rezensionsexemplar für Journalist_innen/Blogger_innen bestellbar unter: presse@bod.de . (Die Spielregeln dafür stehen hier)

 

(-> Springe direkt zu „Was ist in der Auflage von 2018 neu?“)

 

Warum nicht 100% der Menschen „mit Migrationshintergrund“ lust haben, zu wählen

aka Überlegungen zur Bundestagswahl, die Qual der Wahl und warum es Sinn machen kann, eine kleine Partei zu wählen, die keine Chance hat.

 

 

Video-Transkript:

 

Ich habe eine Anfrage bekommen von irgendeinem Vereins… Stiftungs… Dings, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration und Integration und defizitärlabelnde Ausgrenzungsgruppenkonstrukte – ich solle bitte ein Statement abgeben, dass die „Menschen mit Migrationshintergrund“

10 Jahre AGG – Eine Entwicklungshilfe

Dieser Text von mir erschien im Dossier „Alles schon fair? Mit Recht zu einem inklusiven Arbeitsmarkt!“1, hrsg. von IQ Fachstelle, VIA Bayern e.V.

 

 

 

Deutschland mag nicht von »Rassen« lassen. Entwicklungshilfe zum AGG.

 

Der unten stehende [im Dossier abgedruckte] Text ist entnommen aus dem Kapitel Noch lange nicht passé: »Rasse« und Rassismus in Deutschland der (aktualisierten) E-Book-Version des Buchs »Deutschland Schwarz Weiß«1. Er entstand im Jahr 2007 und wurde erstmals 2008 veröffentlicht. Ein kommentierter Nachdruck erfolgt in diesem Dossier, weil der nun schon zehn Jahre alte Text bis dato nicht an seiner Gültigkeit verloren hat.

 

Interessensverbände der ethnischen Minderheit, die Schwarze Menschen in Deutschland bilden, waren in die Vorbereitungen des AGG nicht eingebunden und zu diesen Zwecken nicht angehört worden. Der Dialog bestand daraus, dass wir – sofern uns Entwürfe und Protokolle über Umwege erreichten – diese revisionierten und die Ergebnisse und Erläuterungen auf unseren eigenen Plattformen veröffentlichten: auf Veranstaltungen, in Dossiers und im Internet. Eine direkte Kommunikation mit der Bundespolitik gab es nicht. Der Dialog, sofern er denn als solcher bezeichnet werden kann, glich der Situation, Zettel unter einer geschlossenen Tür durchzuschieben. Auf den „Zetteln“ befand sich Wissen, das wir verkürzt und vereinfacht zu vermitteln versuchten, während ungewiss blieb, ob die Menschen auf der anderen Seite der Tür dieses Wissen zur Kenntnis nehmen, durchdenken oder direkt in den Papierkorb werfen würden. Recht bald stellte sich heraus, dass wohl letzteres der Fall war. Viele Gespräche in den Communities drehten sich darum, wie traurig und ironisch es sei, dass ein Antidiskriminierungsgesetz ohne Einbindung Schwarzer Forschung und Organisationen ausgearbeitet werden sollte.

 

Institutionelle rassistische Diskriminierung war und ist noch immer eine schwerwiegende Bedrohung und Menschenrechtsverletzung – und ein globales Problem, das unmittelbar mit deutschen Politiken verknüpft ist. Auf der Berliner Konferenz 1884 teilten die Kolonialmächte Afrika unter sich auf, freilich in Abwesenheit afrikanischer Menschen. Für Deutschlands Genozide an den Herero und Nama übernimmt die Bundesrepublik bis heute keine Verantwortung.


  1. Ja, die Vokabel ‚fair‘ ist problematisch.

Berlin, 8. Juli: mein Satire-Hörspiel im Kino

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aus Afrodeutscher Inside-Perspektive!

 

am Freitag, 8.7.2016 um 18 Uhr im Babylon Kino Berlin , Rosa-Luxemburg-Str. 30

 

Nominiert für »Das lange brennende Mikro« beim 7. Berliner Hörspielfestival (2016)

 

In Noah Sows Hörspiel »Radio Meta« werden auf unterhaltsame Weise verhandelt: linke Widerstands-Fehlleistungen (peinliches Interview zu Occupy und einem Angela Davis T-Shirt), mediales Kulturgemackere („Radio Monokultur“), kulturelle Aneignung (u.a. mit einer Bono-Parodie, dem „Cultural Appropriation Reggae“ und dem Rapper MC Mimikry), und die Belanglosigkeit der bürgerlichen Indie-Band (Hymne: „wir sind Teil des Problems“).

Hamburg, 27.04.2016: Vorlesung „Decolonize Your Veranstaltungsplanung (aka: verantwortlich Veranstalten)“

Im Rahmen der öffentlichen Vorlesungsreihe »Jenseits der Geschlechtergrenzen« der AG Queer Studies

Mittwochs 19 - 21 Uhr, Raum 0079, Von-Melle-Park 5, Hamburg

 

Epic Fails und Bessere Praxis für die Planung transformativer Projekte: Einführung und Grundlagen

Es gibt viele Traditionen, wie in Deutschland kommuniziert und veranstaltet wird. Diese Traditionen – und oft auch unhinterfragten „automatischen“ Abläufe, Besetzungspolitiken und Programmpunkte – sind genauso gewachsen wie die gesellschaftlichen Zustände, die wir verändern wollen. Wenn wir herkömmliche Regeln und Traditionen befolgen, ohne sie zu hinterfragen, verlaufen selbst transformativ beabsichtigte Veranstaltungen oft nicht vorteilhaft – und die politische veranstalterische Konzeption und Praxis sabotiert ihre eigenen (vorgeblichen) Absichten.

24. April: Nominierung und Aufführung von „Radio Meta“ beim 7. Berliner Hörspielfestival

Freude. Mein Musik-und Radiosatire-Hörspiel „Radio Meta“ läuft beim Berliner Hörspielfestival und ist nominiert in der Kategorie »Das lange brennende Mikro«...