Sprachgebrauch in der Causa Özil: Über „Herkunftsdeutsche“ (argh) und „Migrationshintergrund“ (doppel-argh)

Aus gegebenem Anlass fasse ich mal ein paar Gedanken von mir zu einem Blogeintrag zusammen. Mit weniger Satzzeichen und viel mehr Ausrufezeichen hatte ich ähnliches schon über Twitter gepostet. Hier die lesbarere Fassung:

 

Übernehmt bitte nicht die Vokabel „Herkunftsdeutsche“.

 

So lang BPoC (= Menschen, die nicht weiß sind) nicht als deutsch akzeptiert werden, stützt „herkunftsdeutsch“ das rassistische Narrativ. Genauso wie auch das Unwort „Migrationshintergrund“, das komischerweise nie auf weiße Schwed_innen und Amis angewendet wird1.

 

Die Vokabel „Herkunftsdeutsche“ legitimiert außerdem die Un-Frage (weil keine Frage sondern freche Platzzuweisungs- Performance) „Und wo kommst du [wirklich/ursprünglich] heeeeer™??¿“, die Weiße immer BPoC aber nicht Sarrazin und De Maizière stellen.


  1. Überhaupt haben Weiße in erster Linie dann plötzlich einen Migrationshintergrund, wenn es darum geht, sich auf Stellen in Antidiskriminierungsbüros zu bewerben, oder PoC ihre Erfahrungen abzusprechen („Ich hab auuuch Migrationshintergrund, mein Papa ist Schweizer, ich kann das beurteilen“) aber das soll ein anderes Thema sein.

»Deutschland Schwarz Weiß« 2018: umfassend aktualisierte Neufassung erschienen


Die umfassend aktualisierte Neufassung von Deutschland Schwarz Weiß ist ab sofort als Taschenbuch und Ebook erhältlich. 

 

Bestellbar in jeder Buchhandlung sowie in allen Onlinebuchhandlungen. 

(Nur wo der rote Jubiläums-Sticker drauf ist, ist die aktualisierte Fassung drin.)

 

(BoD hat gerade Serverprobleme. Falls der Ebook-Checkout nicht funktioniert: – Print-Titel mit in den Warenkorb legen, Kaufprozess fortsetzen, Print-Titel entfernen. *keinMarketingtrick*)

 

 

Gratis Rezensionsexemplar für Journalist_innen/Blogger_innen bestellbar unter: presse@bod.de . (Die Spielregeln dafür stehen hier)

 

(-> Springe direkt zu „Was ist in der Auflage von 2018 neu?“)

 

Interview mit Sharon Dodua Otoo: »Schreiben im Community-Style«

Allen, die davon träumen, ein eigenes Buchprojekt zu realisieren, empfehle ich wärmstens den internationalen Schreibe-Support-Monat „NaNoWriMo“. Hier steht mehr darüber. Er naht schneller, als meiner Szenentabelle lieb ist (ich bin gern gut vorbereitet, ansonsten wird aus Heimatkrimi bei mir fix versehentlich Science-Fiction-Kochbuch-Sachtext-Bedienungsanleitungs-Splatter).

Anlässlich des vergangenen NaNoWriMo habe ich Sharon interviewt. Ihr wisst schon, die diesjährige Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin, Herausgeberin, Verlegerin und Community-Aktivistin! Wie das hektische Leben so spielt, ging die Zeit seither hinterrücks übertrieben schnell vorbei, Mea Culpa.

Jetzt habe ich mich aber zusammengerissen und das Interview endlich mal ordentlich für den Blog formatiert. Geht ja gar nicht, so etwas so lange zurückzuhalten (siehe letzte Frage).

 


 

N: Sharon, Du gibst Bücher heraus, betreibst eine Verlagsedition und schreibst auch selbst Kurzgeschichten und Erzählungen in Romanlänge. Hängen diese Tätigkeiten als logische Folge miteinander zusammen? Oder hat es sich für Dich zufällig oder aus anderen Gründen so ergeben?

 

S: Die hängen eindeutig zusammen. Das Ganze hat sein Ursprung in Aktivismus: ich will mit den Mitteln, die mir zu Verfügung stehen, mein Beitrag dazu leisten, dass es mir, meine (Wahl)Familie und meiner Community immer besser geht. Ich bin außerdem dem Rat von Toni Morrison gefolgt und schreibe die Geschichten, die ich

»Deutschland Schwarz Weiß« zu schreiben, war mein Trick. – Ein Einblick in persönliche Motive 8 Jahre nach Veröffentlichung

Ein Kernbestandteil von Rassismus ist, dass er ein System erschafft, in dem die, die unterdrückt werden, dazu angehalten werden, denen, die von dieser Unterdrückung profitieren, geduldig das Phänomen zu erklären. Tun wir es, wird dadurch unsere ganze Energie gebunden und wir arbeiten uns an anderer Leute Defiziten ab. Erklären wir nicht, werden wir für den Fortbestand der Unterdrückung ursächlich mitverantwortlich gemacht. Es ist eine Verhaftung, in der wir nichts zu gewinnen haben. Eines meiner Motive, damals »Deutschland Schwarz Weiß« zu schreiben, war, aus ihr auszubrechen.

Was kann ich von einer Literaturagentur erwarten? Worauf muss ich achten?

Was du über Literaturagenturen wissen musst – Teil 2 (Teil 1: hier)


 

Erwarten kann ich, dass sie meine Interessen konsequent gegenüber Verlagen vertreten. Und dass sie mich professionell beraten. Dabei sollten sie mich nicht als Profitmaximierungsroboter ansehen („schreib doch mal was besonders trauriges über deine schwere Kindheit, das haut bestimmt rein“), sondern als Person. Es gibt Agenturen, die das können.

*

 

So läuft es meiner Erfahrung nach ab

 

  • Zuerst wird gemeinsam am Exposé und Manuskriptauszug gefeilt. 

 

Die Agentur lektoriert und korrigiert die Leseprobe, in Sachen Struktur und Sprache, aber nicht fachlich.

Sie stellen mir ihre Fragen zum Verständnis und zeigen mir, wo/wie ich nicht klar genug bin in meiner Message, Information, Zielgruppe, Tonalität, Form…

Dafür braucht die Agentur sich in meinem Fach/Thema nicht besonders gut auszukennen. Im Gegenteil. Die Meisten Autor_innen schreiben Sachbücher wahrscheinlich, um etwas mitzuteilen, beizubringen oder zu erklären. Die Agentur kann ein guter „zugewandter nichtexpertischer Erstleser“ sein und ein toller Gradmesser dafür, wo der Text „erreicht“ und wo das noch optimierbar ist. Wenn ich fachlich nicht tight bin, habe ich ein Problem, bei dem mir eine Agentur vermutlich nicht weiterhelfen wird.

 

  • Dann besprechen wir Folgendes:

 

Was du über Literaturagenturen wissen musst – Teil 1

Seriöse Agenturen werden niemals Geld vorab verlangen. Sie bekommen einen Anteil vom Vorschuss und den Tantiemen, die der Verlag an dich bezahlt. Genau wie die Autorinnen, arbeiten auch die Agenturen auf eigenes Risiko.

 

Angestoßen von einer Frage, die mich per E-Mail erreicht hat, beginne ich somit eine kleine Artikelserie über das „behind the scenes“ von Buchveröffentlichungen.

 

„Ich will mein Buch alleine herausbringen und brauche keine Agentur.“

 

Herzlichen Glückwunsch. Über Selbstpublishing und autonome Projekte wird es hier demnächst auch gehen, ich darf Euch schon ein ausführliches Interview mit der großartigen Sharon Dodua Otoo ankündigen.

 

„Bei meinem Buch geht es unter Anderem um Diskriminierung. Ich suche eine Agentur, die sich in diesem Thema auskennt. Hast Du einen Tipp für eine solche Agentur?“

 

Agenturen, die sich auf bestimmte Sachthemen spezialisiert haben,

Perfektes Zeitmanagement-Werkzeug für Schreibprojekte – oder: Wenn Sisters Software Schreiben

Nur noch ein paar Tage bis zum Erzählungsschreibmarathon ab 1. November.

 

Ich habe ein tolles kostenloses Werkzeug gefunden zum Schreibziele setzen und durchhalten, nicht nur für Romane: den Pacemaker (zu deutsch „Schrittmacher“). Darin lässt sich das Ziel eingeben und ganz leicht eine Kalenderübersicht der notwendigen täglichen Fortschritte erstellen: http://pacemaker.press/

 

Ich möchte zum Beispiel in zwei Wochen 20000 Zeichen geschrieben haben, für einen Blogeintrag oder einen Abschnitt eines Fachartikels.

 

Renaming #Nanowrimo: No Alibi!

Dear #Nanowrimo non profit,

 

I’m a German author of non fiction (so far. Ha. This will change in November), much inspired by your challenge to write a complete novel first draft in one month. I’ll partake this year and am blogging about it.

 

I understand Nanowrimo has become an institution and household name. I wouldn’t want to change the acronym. But it took me over a year to produce interest in Nanowrimo for one single reason: I was turned off by the „national“. I’m glad I read more about it and found out it’s in reality international with many local groups and forums. I’m much motivated to take on the challenge. But my feelings about the „national“ aren’t gone, rather shifted from a „meh“ to „doesn’t make sense for what Nanowrimo is“.

 

Three reasons why sticking to the traditional name is counterproductive:

 

Eine Buchempfehlung über das Schreiben

Beitrag 4 in der Serie „Wir schreiben einen Roman in exakt vier Wochen“ (Beitrag 1 , Beitrag 2 , Beitrag 3)

 

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BEFORE THERE WERE BOOKS, we read each other. We still do, every minute of every day. We instinctively know everyone has an agenda, and we want to be sure that agenda isn’t to clobber us, either metaphorically or with a hammer. What we’re hoping for is kindness, empathy, and maybe a nice big box of chocolates. So it’s interesting to note that the term “agenda” often carries a negative connotation, implying something decidedly Machiavellian, as in duplicitous, manipulative, and cunning. Truth is, agenda is just another word for goal—making it completely neutral and utterly necessary to survival.

– Lisa Cron, Wired for Story

 

 

 

 

Es gibt so viel Literatur darüber, wie eine Erzählung zu schreiben ist, wie „man“ einen Krimi, Thriller, eine Liebesgeschichte, Teenagergeschichte, historischen Roman usw. zu erstellen hat, nach Patentrezept und Strickmuster, für garantierten finanziellen Erfolg™, nach unabänderlichen Strukturvorgaben, die schon die alten Griechen in die Kinos Theater trieb…., dass es schon allein Jahre dauern kann, sich durch die Ratgeberliteratur zu lesen, ein Hundertstel davon auszuprobieren und ein Schema nach dem anderen mit dem Aktenvermerk „versucht und verkrampft“ hinfortzusortieren.

 

Alle Ratgeber sind eben nicht für alle Menschen und alle Motivationen geeignet. Und DAS dramaturgische Format und Gerüst, ohne das eine Story nicht funktionieren kann, gibt es nicht. Das lässt sich ja sogar schon an Thomas Mann und Donnie Darko sehen. Das heißt nicht, dass ich glaube, ohne Regeln besser schreiben zu können, sondern, dass die Regeln nicht unzutreffend oder verkürzt sein sollten, nicht auf falschen Vorannahmen basieren und auch nicht Ursache und Wirkung vertauschen, wie zum Beispiel

Bücher von Bestsellerautoren über das Schreiben

 

Beitrag 3 in der Serie „Wir schreiben einen Roman in exakt vier Wochen“  (Beitrag 1 , Beitrag 2 )

 

Es gibt einige Sachbücher bekannter Bestsellerroman-Autoren über das Schreiben, die sehr oft empfohlen werden. Manche respektiere ich in ihrem Job als produktive Autoren, und ich glaube, dass sie sicher einiges Wissen über das Schreiben mitteilen können. Ihre Sachbücher habe ich allerdings bisher allesamt nach ein paar Kapiteln zur Seite legen müssen, aus denselben Gründen, aus denen ich auch ihre Erzählungen zur Seite gelegt habe: die meisten von ihnen verwechselten Absicht (Intention) mit Perspektive. Um ein Beispiel aus dem Leben zu nehmen: Der Autor James Wichtig hat die Absicht, etwas für Geflüchtete zu tun, also schreibt er einen Roman darüber, in dem das schwere Leben eines Geflüchteten beleuchtet wird.

Schreibübungen zur Vorbereitung: her damit!

Beitrag 2 in der Serie „Wir schreiben einen Roman in exakt vier Wochen“ (hier geht es zu Beitrag 1)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bild: Wunderschöne writing prompts von »write around town«.

„Du brauchst nicht auf Inspiration zu warten, um zu schreiben. Es ist leichter, inspiriert zu sein, während man schreibt, als während man nicht schreibt, also ist Inspiration nicht notwendig, um sich hinzusetzen und anzufangen.
Du brauchst nicht „in Stimmung“ zu sein. Ich glaube, du wirst davon profitieren, wenn du dir keine Sorgen über die Stimmung machst: zum einen wird es dir zur Gewohnheit werden, unter allen möglichen Umständen zu schreiben; zweitens, da das Schreiben dein momentanes Gemüt wiederspiegelt, wirst du viele verschiedene Gemütslagen in deinem Text haben. Die Vielfalt wird deinen Text interessanter machen. Du bist schlecht drauf? Gut, vielleicht kannst du eine niedergeschlagene Figur portraitieren. Hoch erfreut? Verschwende die Zeit nicht mit Feiern. Bring es auf die Seite.
Viele Texte leiden unter Stimmungslosigkeit; vielleicht sind ihre Autoren nur bereit zu arbeiten, wenn sie sich ruhig und ausgeglichen fühlen.“*

 

*

Seit ungefähr einem Monat mache ich jeden Tag eine Schreibübung. Dabei suche ich mir absichtlich auch solche heraus, die direkt Unwillen und Gegenwehr auslösen, denn das sind die Gebiete, vor denen ich mich bisher gedrückt habe. Normalerweise erledigt sich die Gegenwehr schon nach drei Sätzen und weicht der Erleichterung, dass es gar nicht so wild ist wie vermutet, und dass mich nichts zwingt, die blumigen Szenenbeschreibungen aus der Übung später auch in einem Buch so zu machen.
Die Übungen suche ich mir aus diversen Apps, Onlineseiten und Heftchen zusammen, am liebsten mache ich eine Serie von vorne bis hinten durch, um zu verhindern, dass ich bei der Auswahl unbewusst trickse.

 

Manche Übungen (englisch: writing prompts) haben eine Zeitvorgabe, ich gehe allerdings nach der gemischten Methode vor: pro Übung eine bis drei Seiten, und maximal 20 Minuten, dabei den Fokus auf Klarheit, Präzision und Genauigkeit, nicht auf Eleganz/Style. Es ist nicht ganz leicht, alleine zu überprüfen, ob die Übung erfolgreich war, dafür sind Schreibgruppen und -Workshops sicher gut, aber die sind leider nichts für mich, also habe ich eine Methode der Eigenrevision:

 

NaNoWriMo – für mehr Vielfalt in deutschen Erzählungen – eine Anregung

Nano- was bitte?

 

NaNoWriMo nennt sich der US-amerikanische „National Novel Writing Month“, zu deutsch: „nationaler Romanschreibemonat“. Davon erfahren habe ich zum ersten mal im letzten Jahr. Ich war von dem „national“ schon so abgeturnt, dass ich kein weiteres Interesse daran aufbringen konnte. Vor ein paar Wochen landete ich dann noch einmal über Umwege auf einer Homepage, die sich damit beschäftigte, und habe es mir diesmal genauer angesehen – aus gutem Grund: Ich habe nämlich vor, eine neue Erzählung zu schreiben, und finde es schon schwer, für dieses Vorhaben überhaupt erst einmal einen ernstzunehmenden Zeitplan hinzubekommen.

 

Je mehr ich dann also im zweiten Anlauf doch noch über den NaNoWriMo las, desto mehr lust hatte ich, das zu machen, allerdings außerhalb von deren Forumplattform. Wenn die Idee und das System grundsätzlich als Inspiration dienen können, warum nicht? Ganz pragmatisch habe ich daher kurzerhand entschieden, den November als Schreibemonat zu adoptieren und die Informationen der Seite zu nutzen. Die Langfassung des Namens muss ich aber umbenennen, damit ich das Ganze ohne schlechte Laune betreiben kann.

 

NaNoWriMo heißt bei mir daher im folgenden: No-Alibi! Novel Writing Month. („Kein Alibi! Romanschreibemonat“)

 

 

November als Schreibemonat – Wie geht das und was soll das bringen?

 

Am NaNoWriMo teilzunehmen, bedeutet, ein Buch in einem Monat zu schreiben. Und zwar im November.

 

Warum das nicht zu 100% absurd ist, sogar machbar und sinnvoll sein kann, im Kurzüberblick: