Wakanda trifft Wanne-Eickel: 5 Dinge, die der Black Panther Film mit rassismuskritischem Veranstalten zu tun hat (Spoiler-frei) – Teil 2

Wöchentliche Blogartikel-Serie (5 Teile) mit konkreten Tipps zu diskriminierungssensibler Veranstaltungspraxis

Teil 2 von 5: Wer darf sprechen, und wann?

Es gibt ein paar Stellen im Film Black Panther, die großes Erleichterungsgelächter hervorrufen. Das sind die Stellen, in denen Figuren (stellvertretend für uns) Sachen sagen, die auszusprechen für PoC im echten Leben schwer ätzende Folgen hat, obwohl es unaufgeregte Wahrheiten sind.
Es ist außerdem wohltuend, mal zu sehen, wie afrikanische Menschen afrikanische Angelegenheiten besprechen und klären, ohne sich dabei Vorschriften oder dauernde „Lektionen“ anhören zu müssen. Das gibt es im echten Leben selten. Auf vielen Veranstaltungen verhandeln Europäer_innen afrikanische Themen oder sprechen in Deutschland Geborene als Hauptredner_in zum Thema „Flucht und Migration“. Das können, sollten wir ändern.

 

Wakanda Know-How für Wandsbek und Wanne-Eickel:

 

  • Wer zuerst auf die Bühne kommt, repräsentiert. Wer dort zuerst gegrüßt und angekündigt wird, ist offiziell wichtig™. Es ist nicht egal, wer zum Publikum das Grußwort sagt, und noch weniger egal ist es, wer auf der Veranstaltung das letzte Wort hat (Tipp: bitte nicht Karl-Günther). Hier können wir vieles anders als bislang machen und damit signalisieren, wessen Perspektiven [uns] wichtig sind. Das Publikum reagiert stark darauf, wer einführt, als Autorität gilt, und die Verabschiedung macht. Das alles spiegelt auch wieder, wer sich aus Sicht der Veranstaltenden überhaupt mit dem Event identifizieren können soll.

 

»Deutschland Schwarz Weiß« 2018: umfassend aktualisierte Neufassung erschienen


Die umfassend aktualisierte Neufassung von Deutschland Schwarz Weiß ist ab sofort als Taschenbuch und Ebook erhältlich. 

 

Bestellbar in jeder Buchhandlung sowie in allen Onlinebuchhandlungen. 

(Nur wo der rote Jubiläums-Sticker drauf ist, ist die aktualisierte Fassung drin.)

 

(BoD hat gerade Serverprobleme. Falls der Ebook-Checkout nicht funktioniert: – Print-Titel mit in den Warenkorb legen, Kaufprozess fortsetzen, Print-Titel entfernen. *keinMarketingtrick*)

 

 

Gratis Rezensionsexemplar für Journalist_innen/Blogger_innen bestellbar unter: presse@bod.de . (Die Spielregeln dafür stehen hier)

 

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Wakanda trifft Wanne-Eickel: 5 Dinge, die der Black Panther Film mit rassismuskritischem Veranstalten zu tun hat (Spoiler-frei) – Teil 1

Wöchentliche Blogartikel-Serie (5 Teile) mit konkreten Tipps zu diskriminierungssensibler Veranstaltungspraxis

Teil 1 von 5: Viele Konventionen (und Tabus) sind zum Brechen da

Manche Konventionen sind ganz nützlich, wie z.B. die, im Restaurant nicht laut zu pupsen. Die großen Cousins von Konventionen sind Tabus. Sie „untersagen“ uns bestimmte Impulse, bis sie selbst zum Impuls werden. Das soll das Leben für alle angenehmer machen. Das Problem: nicht alle Tabus und Konventionen dienen hehren Aufträgen, manche unterstützen in erster Linie die Unterdrückung bestimmter Gruppen.

 

Konventionen und Tabus sind etwas anderes als explizite Verbote. Sie sind Teil von Tradition und als solches Kultur. Sie funktionieren auf Autopilot und internalisiert, d.h. sie übertragen sich unüberlegt und automatisch und erzeugen in uns Hemmungen, die nichts mit unseren eigentlichen Wünschen oder Impulsen zu tun haben und uns sogar dazu bringen können, uns selbst oder humanitäre Ziele zu vernachlässigen. Gängige Konventionen sind z.B., Sexarbeiter_innen nicht zuzuhören und sie nicht ernst zu nehmen, die übertriebene Empfindlichkeit weißer Männer nicht zu problematisieren, den Wert von Frauen über ihre Körper zu definieren und den Wert Schwarzer Menschen über ihre Nützlichkeit.

 

Viele gesellschaftliche Konventionen bemerken wir erst in dem Moment, in dem wir zum ersten Mal wahrnehmen, wie sie gebrochen werden. Dafür ist Film ein probates Mittel: die Eröffnungsszene in der Serie „Empire“, in der die Party People auf der Luxusyacht alle Schwarz sind. Die teuren Ölgemälde von Kehinde Wiley, die Schwarze junge Männer in Hoodies zeigen. Die Schauspielerin Gabourey Sidibe, deren Rollen sich durchweg weigern hilflos, lustig oder dankbar zu sein, und die in einer erotischen Szene ganz selbstverständlich sexy ist (ja, das war wichtig, weil ihr Körpertyp bislang von der Filmindustrie nur gedemütigt, instrumentalisiert, ent-persönlicht wurde).

 

Black Panther bricht mit reihenweise Tabus und Konventionen, die mit Frauenbildern, Afrikabildern, postkolonialer Gegenwart und Schwarzen Politiken zu tun haben, und ist der erfolgreichste Kinostart, den es je gab.
Ist es der beste, gesellschaftspolitisch perfekteste Film aller Zeiten? Nein. Muss er auch nicht. Denn unser Thema ist:

Erfolgreich rassismuskritisch veranstalten – Mein Onlineseminar ist live!

Lang schon hatte ich es angekündigt und jetzt ist es endlich live: das Onlineseminar „Erfolgreich rassismuskritisch veranstalten“. Dabei ging es mir wie mit dem Schreiben von Deutschland Schwarz Weiß: Ich hatte nicht initial „Lust“, es zu machen. Das soll nicht heißen, dass der Prozess mir nichts gegeben oder ich die ganze Zeit schlechte Laune gehabt hätte. Im Gegenteil! Ich habe viel dabei gelernt und auch Freude gehabt (und Erleichterung). Was ich damit meine ist, dass die eigentliche Triebfeder einmal mehr war, dass ich etwas gebündelt öffentlich stelle, das ich ansonsten weiterhin immer wieder aufs neue erklären oder verhandeln muss, wenn ich möchte, dass schmerzhafte rassistische Situationen seltener werden.

 

[Impressionen aus dem Seminar]

 

 

Internet sei Dank ist das heute noch viel leichter möglich als vor zehn Jahren, als Deutschland Schwarz Weiß erschienen ist. Und ich bin inzwischen große/r Fan von autonomen Veröffentlichungen: Keine Gatekeeper, die die Dringlichkeit nicht nachvollziehen können/wollen. Keine Verhandlungen darüber, wie weit mensch sich zu Promotionzwecken in Talkshows erniedrigen lassen soll. Und vor allem die selbstbestimmte Monetarisierung von Widerstandswissen. Darum geht es nämlich durchaus auch.

Warum „fair“ problematisch ist

For the ENGLISH version of this video and transcript, click the flag icon in the menue to the left.     Transkript:   Meine Lieben,...

Warum nicht 100% der Menschen „mit Migrationshintergrund“ lust haben, zu wählen

aka Überlegungen zur Bundestagswahl, die Qual der Wahl und warum es Sinn machen kann, eine kleine Partei zu wählen, die keine Chance hat.

 

 

Video-Transkript:

 

Ich habe eine Anfrage bekommen von irgendeinem Vereins… Stiftungs… Dings, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration und Integration und defizitärlabelnde Ausgrenzungsgruppenkonstrukte – ich solle bitte ein Statement abgeben, dass die „Menschen mit Migrationshintergrund“