Memos und Checklisten für diskriminierungsärmere Veranstaltungen

In letzter Zeit habe ich mehrere Anfragen bekommen, für Einrichtungen zu Beginn ihres Öffnungsprozesses Veranstaltungsreihen zu konzipieren und/oder ihnen Checklisten für diskriminierungsfreie Veranstaltungen zu erstellen. Hier meine offene Antwort.

 

 

Liebe [Person von Bildungsstätte, Museum, Kulturzentrum … die mich gefragt hat, ob ich Checklisten für Diskriminierungsabbau bei Veranstaltungen hinsichtlich Barrieren, Rassismus, Diversität und Inklusion… schicken oder erstellen kann],

 

Ich freue mich, dass ihr euch Öffnung und Diversität wünscht.

 

Von einer externen Konzeption mit Checklisten halte ich allerdings ehrlich gesagt nicht so viel. Keine externen Personen können eure Einrichtung und eure Talente so gut kennen wie ihr selbst.
Checklisten und externe Konzepte tragen in sich das Gefahrenpotenzial moralischer Auslagerung.

Auch wenn es gar nicht so intendiert war, können sie leicht dafür sorgen, dass das ‚erleichterte Gefühl, es richtig gemacht zu haben‘ die wichtigen Hürden-Momente im Prozess überschreibt. Checklisten in Diversitäts- und Öffnungsarbeit sind mE kein geeignetes Tool ohne einen längeren, tieferen, theoretisch-praktischen Prozess.

 

In meinem Onlineseminar gibt es Checklisten, aber nur begleitend zu den ausführlichen Vorlesungen, Inputs, Anregungen zur Diskussion für das ganze Team, usw. Ich wäre auch vorsichtig bei Checklisten oder „Expertise“ zu dem gesamten Themenkomplex „inklusiver, vielfältiger, barrierearmer Veranstaltungen on- und offline“ aus einer Hand (von einer Person oder Gruppe), weil das praktisch nicht seriös machbar ist. Kein Mensch hat ausreichend Praxiserfahrung in Rassismusabbau und Barriereabbau, für sichtbare und unsichtbare Behinderungen, Abbau von [Cis]Sexismusnormativität und wie das alles realistisch umzusetzen sei online und offline, praxiserprobt. Wer das anbieten würde, würde sich mE selbst überschätzen (und sollte deswegen auf dem Gebiet nicht konzipieren). Auch Vereine und Selbstorganisationen, eingeschlossen intersektionale, haben nicht diesen 360 Grad Fokus. Es bräuchte zuerst mal einen konzertierten und konzentrierten Austausch dafür. Der wäre durchaus fällig, ist aber leider noch nicht erfolgt*.

Der Ausgangspunkt kann hier meiner Meinung nach nicht die „Expertise von Extern“ sein, sondern eure eigene Kenntnis von eurer Einrichtung. Ihr kennt sie und die Herausforderungen – was gut lief und wo es immer hakt. Von hier ausgehend als Team sich in den Prozess zu begeben, um den bisher womöglich vernachlässigten Zielgruppen bessere Angebote zu machen, ist glaube ich das richtige. Eventuelle Unsicherheiten zu umgehen sollte nicht wichtiger sein, als sich selber für die Zukunft möglichst folgerichtig handlungsfähig zu rüsten.

 

Aus dem Grund empfehle ich, dass ein paar eurer Mitarbeitenden mein Onlineseminar belegen. Es ist so ausführlich und tiefgreifend wie es notwendig ist. Es bietet als Zusatz ausführliche Checklisten und eine Timing-Hilfe für die Planung – und viele Inhalte sind übertragbar auf diverse Diskriminierungsformen. Es ist intersektional gehalten, spezialisiert sich aber auf Rassismusabbau als Ausgangspunkt. Ich denke, es wird sich als zeitliche Investition lohnen, weil dieses Wissen dann fürderhin bei euch liegt (und ihr danach vielleicht euch auch mit anderen ähnlichen Einrichtungen austauschen könnt!), und nicht bei einer anderen Person, die nach dem Übersenden eines Konzepts wieder verschwunden ist. Es wäre damit auch ein solider Anfangspunkt gesetzt, von dem aus der Rest des Weges für euch viel, viel übersichtlicher sein wird. Selbst wenn ihr euch danach entscheiden solltet, Externe für eure Veranstaltungskonzepte zu beauftragen, könnt ihr das mit viel mehr Klarheit tun, mehr Wissen aus dem Prozess ziehen, seid involvierter und auch wesentlich sicherer bei der Einschätzung und Evaluierung eurer Projekte vor, während und nach der Durchführung.

 

 

Viele Grüße,

 

Noah Sow

 

 

PS: Das Onlineseminar ersetzt kein persönliches Antira-Coaching. Es macht viele Dynamiken verständlich, aber lasst euch bloß nicht aufhalten, durchaus auch an Trainings, Coachings oder Workshops teilzunehmen. Die gehören zum Öffnungsprozess dazu. (Ich biete keine Tranings an, aber viele Kolleg_innen tun das.)

 

 

Jetzt ihr: Was habt ihr für Erfahrungen gemacht bei euren Veranstaltungen/Projekten, mit Konzepten von Extern oder mit dem Öffnungsprozess in der eigenen Einrichtung, hinsichtlich (angewandter) Diskriminierungssensibilität? Freue mich, wenn ihr sie in den Kommentaren teilt.

 

* Orgas, Gruppen, Spezialisierte in Diskriminierungsabbau: sofern ihr Kapazität und Interesse habt, praktisches Wissen um diskriminierungsärmeres Veranstalten aus vielen intersektionalen Perspektiven zusammenzutragen, kontaktiert mich gern, ich wäre dabei.

 


 

verwandter Beitrag:

 

Lieber Verlag mit großer Kinder- und Jugendbuchabteilung, der mich für einen Workshop/Impulsvortrag zu „gendergerechter und diskriminierungsfreierer Sprache“ eingeladen hat…

 

 

generell zum Thema diskriminierungsärmeres Veranstalten:

 

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