Meine neue Buchveröffentlichung: Afrodeutscher Heimatkrimi »Die Schwarze Madonna«. Detektivin Fatou ermittelt in Bayern.

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Es erscheint gleichzeitig als Taschenbuch und gebundene Ausgabe. Und als Ebook:

Ebook-Aktion: Ab sofort bis 21. Oktober das Ebook reduziert für nur 2,99 € ! In den meisten gängigen Onlineshops. Fürs Epub Format empfehle ich den BoD-Shop. Kindle Format gibts auf Amazon (argh).

 

Story: Die Hamburger Kaufhausdetektivin Fatou Fall fährt mit ihrer elfjährigen Tochter Yesim in die katholische Wallfahrtsstadt Altötting in Oberbayern. Das Mädchen soll dort „ihre anderen Roots“ kennenlernen. Als sie die Kapelle der Schwarzen Madonna besuchen, werden sie Zeuginnen eines Vandalismus mit islamistischen Parolen. In der angespannten Stimmung des Regionalwahlkampfs macht sich zunehmend fremdenfeindliche Stimmung breit. Doch Fatou glaubt nicht daran, dass die Täter Fremde waren. Sie folgt ihrer Intuition und beschließt, den Vorfall aufzudecken. Mit Unterstützung der örtlichen Refugee-Gruppe ermittelt sie in mono- und multikulturellen Milieus und parteipolitischen Parallelgesellschaften – und ist der Lösung zum Greifen nahe, als ein weitaus schwereres Verbrechen geschieht.

 

Journalist_innen und Blogger_innen/Influencer_innen können ein kostenloses Rezensionsexemplar bekommen. Wie es geht, steht unten.

Meine Motivation, das Buch zu schreiben

Ich wollte einmal ein ‚leichtes‛ Buch aufschlagen, das in meinem eigenen Kulturkreis spielt, und in dem ich nicht befürchten muss, als finstere Bedrohung, hungrig, hauptberuflich hilflos oder exotisches Sexobjekt repräsentiert zu werden.

Ich möchte, dass Menschen, die strukturell belastet werden, die Ruhepause, die Cosy-Krimis von einem schweren Alltag bieten, ebenso bekommen können wie alle anderen.

Der Cosy-Krimi wird bei uns oft als ’seicht‘ belächelt. In ihm wird dem Persönlichen, dem kleinen Vorkommnis, genausoviel Bedeutung beigemessen wie dem Verbrechen. Ich sehe das nicht als Manko, sondern als Mittel der Verbindung.

In der Vereinzelung und Enträumlichung, die dadurch entsteht, gesellschaftlich, medial und literarisch nicht repräsentiert und nicht adressiert zu werden, musste ich mich schon als Teenager an Autor_innen aus dem Ausland wenden, um halbwegs lebensnahe Geschichten zu lesen. Später habe ich durch meine politische Arbeit gelernt, dass das nicht etwa ein ‚Schicksal‘ ist, sondern ein Phänomen, das viele millionen Menschen in Deutschland betrifft.

Ich habe in der Vergangenheit viele Bildungs- und Kulturinstitutionen bei Öffnungsprozessen beraten. Und festgestellt, dass die steilste Lernkurve darin besteht, Menschen und Perspektiven zuzulassen, die sich nicht ausschließlich an Fragestellungen der Dominanzkultur aufreiben, sondern aus mehrdimensionalen (und intersektionalen) Betrachtungswinkeln sich selbst in der Gesellschaft verorten. „Warum nehmen die unsere Angebote nicht wahr?“, fragen sie mich immer. „Weil ihr ihre Lebensrealitäten nicht zulasst“, sage ich dann. Als nächstes äußern sie für gewöhnlich Angst davor, dass diese ‚Themen‛ doch aber bestimmt selbstreferentiell und kulturseparatistisch seien. Ich denke, allen, die einmal ein Buch von Kerouac oder Bret Easton Ellis in die Hand genommen haben, kann dämmern, dass das in der Literatur kein Argument ist.

 

Dabei könnte es so einfach sein. Die Gesellschaft wird durch das Erlauben traditionell verhinderter Blickwinkel ja nichts verlieren.

 

Deutsche haben nicht gelernt, Kulturen of Color mit Offenheit und Sympathie zu begegnen, wenn diese Kulturen sich eben nicht als „Fremde“ sondern als deutsch verorten.

Der Kanon, mit dem wir aufwachsen und der normalisiert ist, erzählt uns eine ganz andere Realität als die Städte, in denen wir uns bewegen.

 

Für mich ist der herkömmliche europäische Krimi durchweg Fantasyliteratur.

Er ignoriert oder vereinfacht karikaturhaft gesellschaftliche Differenzen und deren sehr reale Auswirkungen auf Millionen sehr reale Leben. Für mich als Leserin hat solche Literatur keine Relevanz. Wenn die Protagonistin im herkömmlichen Krimi Bus fährt, ist sie in Gedanken mit ihrem Fall oder Freund beschäftigt, und fährt eben Bus. Meine Busrealität sieht so aus: Ich muss mich vergewissern, dass ich wirklich ein Ticket habe, weil ich sonst nicht nur 80€ zahlen, sondern mir dazu noch rassistische Witze über „Schwarzfahren“ anhören muss. Ich muss aufpassen, wo ich mich hinsetzen kann, damit mir keine übergriffigen Saftnasen in die Haare fassen. Ich muss dem Nazi vor der hinteren Tür ausweichen, und ich muss mich von den casual Konversationen à la „das Boot ist voll“ seelisch und mental abschirmen. Anschließend bin ich entweder selbst einigermaßen verhornt – oder deprimiert, und habe in jedem Fall bereits viel zu viel Energie aufwenden müssen, die mir für meinen restlichen Tag fehlt. Für etwas, das für Privatdetektivin Hildegard einfach gar kein Thema ist.

Wie das Buch entstanden ist

Das Buch spielt ca. 2015. Damals habe ich es auch geschrieben. Danach lag es in der Schublade, aus folgenden Gründen: Beim Besprechen des Titels mit einer der größten deutschen Literaturagenturen (von der ich mich seither natürlich nicht mehr vertreten lasse) musste ich mir in dieser Reihenfolge anhören: „toll, aber müssen die denn unbedingt immer black music im Auto hören?‟, „Es ist nicht gut, dass nur so wenige deutsche Figuren in dem Buch sind‟ (zur Info: die sind fast alle deutsch. Nur eben nicht weiß), „Da fehlt noch eine biodeutsche [uarrghh] Hauptfigur‟ und noch einige weitere Klopper, die ich nicht hier hin schreibe, weil sie Spoiler wären und außerdem Rassismus reproduzieren. Die Agentur wollte es aber direkt Verlagen anbieten, sah sehr gute Chancen, und war recht beleidigt, als ich die Notbremse zog.

 

Eine andere Agentur fand die Geschichte ebenfalls sehr vielversprechend, aber eine Sache dann doch nicht gut, bzw änderungswürdig: besser wäre es nämlich, wenn die Hauptperson zwar afrodeutsch wäre, aber das Schwarzsein für sie im Alltag gar keine Rolle spielen würde. Sie wollten den Titel ebenfalls Verlagen anbieten und sah sehr gute Chancen.

 

Das hat mich deprimiert, weil es mir symptomatisch aufgezeigt hat, mit wie viel Abwehr und Sabotage wir als marginalisierte Stimmen rechnen müssen, heute noch, selbst im eigenen Team. Der Grund für mich als Autorin, mit Agentur und Verlag zusammenzuarbeiten, ist ja zunächst einmal, dass ein Team aus Profis mit mir daran arbeitet, dass das Buch so gut wie möglich wird (nicht: so gefällig für ihre zerbrechlichen Egos wie möglich). Wenn dann aber die, die eben noch Profis waren, auf einmal an ihrer kognitiven Dissonanz zerschellen oder daran, dass sie es nicht verkraften, ein einziges Mal nicht zu 100% als Hauptperson repräsentiert zu werden (was sollen wir Schwarze Deutsche denn da sagen? Wir werden in der Literatur so gut wie nie positiv repräsentiert), wird mir der wichtigste literarisch-handwerkliche ‚Wachstumsfaktor‛ verwehrt. Wenn das eigene Team hauptsächlich mit der territorialen Verteidigung der eigenen Identität beschäftigt ist, oder etwas „unrealistisch‟ findet, was für Millionen Schwarze Menschen und PoC in Deutschland zur Lebensrealität gehört, habe ich von einer Zusammenarbeit mit Agentur und Verlag doch nur Zumutung und keinen Nutzen.

 

Ich dachte mir also „ok, dann halt nicht“, denn ich wusste auch kein freiberufliches dramaturgisches Lektorat, das genug Durchblick hat. Feedback bei einer Lesung auf der queeren Buchmesse q[lit]*clgn ergab aber, dass die Geschichte offensichtlich Leuten gefiel. Ich berichtete dort (und andernortes) vom Problem mit der Sabotage/Leistungsverweigerung.

 

Konsequenz Selbstpublishing

Der mehrjährige Abstand (und die nötige Erholung) haben gut getan. Ich kann mir inzwischen gar nicht mehr vorstellen, nochmal mit einer Leonie darüber zu diskutieren, wie viel oder wenig unterschwelliger Rassismus existiert, also – natürlich Selbstverlag. Für die Leser_innen unterscheidet sich der Titel in nichts von herkömmlichen Buchtiteln, bzw. ist eher besser lieferbar (-: . Und ich als Autorin kann selbstbestimmt agieren.

 

Natürlich ist ein Lektorat wichtig und notwendig! Das kann ich mir beim Selbstpublishing alleine aussuchen und eine Person finden, die ich nicht erst darin fortbilden muss, dass Frauen of Color andere -und komplexere- Erfahrungen machen als andere Gestalten, wenn sie –wie z.B. in Fatous Geschichte– einen Termin mit einem bayrischen Oberbürgermeister haben. Ein Lektorat zu finden war aber leichter gesagt als getan. Erst 2019 lief mir die woke Lektorin Judith Vogt vor die Flinte, in einer Phase, in der gerade unverhofft bei mir und ihr die Zeit für Lektorat und Fertigstellung da war. Ich habe es als Zeichen genommen, es jetzt, mit etwas Abstand, doch noch anzupacken.

 

Das klingt alles sehr konzeptionell und ist es auch. Aber die Story ist keine Konzeptkunst (-: sondern ein Urlaubskrimi. Fatou Falls Erster Fall ist -sofern es mir hoffentlich gelungen ist- eine gemütliche Story, mit der ich hoffe, ein paar Momente Kichern, Erholung, Rache, Nostalgie, Community-Vibe und Abtauchen aus dem Alltag anbieten zu können. Es ist die erste Erzählung, die ich veröffentliche und sicherlich nicht an der Spitze des belletristischen Olymp angesiedelt. Wer auch immer sich beim Lesen denkt „das kann ich besser‟, hat wahrscheinlich recht und soll bitte unbedingt inspiriert sein, genau das zu machen: Hinsetzen, aufschreiben, loslegen, sich trauen, es selbstbestimmt zu machen.

 

Nicht-Spoiler-alert: in diesem Buch kommen vor:

– Gespräche über Cornrows beim heimlichen Ermitteln im Burschenschaftshaus
– 4. Klasse-Debatte: Gynmnasium vs Stadtteilschule
– Maffé! Fufu! Thieb! Kinkeliba!
– keinmal wird Stoiber erwähnt
– dafür aber Willow Smith, die Sugababes, TLC und Janelle Monae
– Refugee Vereinssitzung im Biergarten
– Haarpolitiken
– Bergwanderung (meta: Afros reclaiming Berchtesgaden)
– Bürgermeisterkandidaten am Rande des Nervenzusammenbruchs
– kitschige Verkleidungen
– innerere Dialoge, die viele kennen

 

cw: bayrische 1980erJahre hostility, Politiker, transkulturelle Adoption, white Überforderungs-tears, Klassismus, uncoole Personen, ätzende Wahlplakate, Bayerische Mannsbilder am Stammtisch, Kindesentführung, regionales ‚Kulturfest‘ (argh!), orthodoxe Christ_innen, Terrorverdacht, Spannung, Burschenschaftler, Verfolgung, Blutwurst, Schlägerei, Alltagsrassismus, 1x hält ein Mann eine Frau (ganz kurz aber nur) am Arm fest und überlebt es, Schusswaffen, außerdem ist es ein Krimi, also … #Verbrechen.

 

content Entwarning, enthält nicht: Nwort oder sowas, detailliert geschilderte Übergriffe, AFD, heterosexuelle Verwandte, Sex, nicht jugendfreies Material

 

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Journalist_innen und Blogger_innen bestellen ein kostenloses Rezensionsexemplar bei presse@bod.de ; Spielregeln stehen hier. Blogger_innen, die sich auf ausschließlich (!!) Schwarze Literatur und Literatur of Color spezialisiert haben, müssen nicht unbedingt die in den Spielregeln angegebenen Klickzahlen erfüllen. Blogger_innen/Influencer_innen-Rezensierende, die anonym oder ohne Preisgabe einer Anschrift bleiben müssen, können von ihrer lokalen Buchhandlung ein Leseexemplar anfordern und sich aushändigen lassen. Dazu müsste die Buchhandlung unter buchhandel@bod.de ein Leseexemplar bei BoD bestellen, und das dann an die anonyme Person (oder von ihr beauftragte Abholende) weitergeben.

 

Bitte habt Verständnis, dass ich zum Buch derzeit keine Interviews geben werde. Ich finde, bei Cosy Fiction muss es unbedingt um die Story und Figuren gehen, und keinesfalls um die Person, die es nur aufgeschrieben hat.

 

Schlusswort

„What, then, does it mean to not see yourself reflected in your nation’s stories? This has been the ongoing debate of my career as a writer stretching back nearly 40 years, and we black British women know that if we don’t write ourselves into literature no one else will.“

 

Was dann bedeutet es, wenn du dich nicht wiederfinden kannst in den Geschichten deines Landes? Dies ist die durchgehende Debatte meiner fast 40jährigen Karriere als Schriftstellerin, und wir Schwarzen Britischen Frauen wissen: wenn wir uns nicht in Literatur einschreiben, wird es niemand tun.

– Bernadine Evaristo

 

 

Verwandter Beitrag:

„Diaspora Dynamics: Shaping The Future Of Literature“ – Audio und Artikel von mir (Englisch).

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