Festival du Racisme in Fulda

*

Aufruf an weiße Antiras und Organisator_innen des ‚Festival Contre Le Racisme‘ in zivilisierten Städten: klärt das mal.

„Hallo,
Unsere Hochschule in Fulda möchte gerne zum Festival contre le racisme eine Veranstaltungreihe machen. Darunter würden wir sehr gerne eine Lesung mit Noah Sow geben.“

so die Einladung.

27.10. Ich werde von der Organisatorin des Fuldaer ‚Festival contre le Racisme‘ (!) zur Location gebracht. Sie ist eine weiße Studierende, anfangmitte Zwanzig, schwarz gekleideter antifaesker Look, Mitglied bei der Grünen Jugend, duzt mich, entschuldigt sich dafür, duzt mich weiter. Sie sagt mir wie wichtig es ihr gewesen sei, diese Lesung gegen Rassismus zu organisieren.

S: leider ist heute auch noch ne andere Veranstaltung, zu Abschiebung, genau gegenüber. Das ist schade, hab ich erst letzte Woche mitgekriegt.

<ein Wüstengrasbüschel rollt vorbei>

Ich: Wieviele PoC sind denn an der Uni hier?

S: PoC? was ist das? Kenn ich nicht.

<noch ein Wüstengrasbüschel rollt vorbei>

S: vielleicht erklärst du’s mir ja?

Ich: <fröstel>

Wir kommen ins Café Chaos der Uni Fulda.
Dort steht auf dem Lesepodest diese Lampe [Achtung; Bild nicht gewaltfrei]

Ich:  <- – – >

Hier lese ich nicht.

S: wieso?

Ich: Bitte? Die Lampe da!

S: und?

Ich: blöd stellen hilft hier auch nicht weiter.

S: was? warum?

Ich: wollt ihr mich verarschen?

S: sollen wir die wegstellen?

Ich: ich geh jetzt. aber vorher mache ich noch ein Foto.

S: das können wir doch lösen. Ich kannte ja das Café vorher gar nicht.

Ich: <mache noch ein Foto>

S: und jetzt?

Ich: Ihr holt eine Frau aus Hamburg um gegen Rassismus was vorzulesen und präsentiert diese Scheiße hier, ihr habt ja sperrangelweit den – -<führe den Satz nicht zuende>Wie gewaltvoll das für die PoC Studierenden hier ist, ach so, du weißt ja nicht, was das ist, ihr seid ja nicht mehr ganz dicht.

S: also, inhaltlich hast du völlig recht

Ich: das kannst du gar nicht beurteilen und auch nicht kontextualisieren.

S: das ist jetzt aber ignorant von dir! Du kennst mich doch gar nicht!

Ich: <gehe raus und fahre nach Hamburg zurück>

*

Aufruf:

– Liebe weiße Antiras und Organisator_innen des Festival Contre Le Racisme in anderen Städten!

Bitte erklärt diesen Menschen, was ihr Problem ist, denn ich bin zu müde dazu und muss mich damit beschäftigen, den Terror zu verdauen.
Bitte erklärt doch auch präventiv dazu, warum die AStA meine Fahrt und Übernachtung trotzdem bezahlen muss.

Kontakt:

AStA der Hochschule Fulda
asta@hs-fulda.org

Café Chaos der Uni Fulda
(sie haben sogar Bilder von dem Ding online)
contact@cafe-chaos-fulda.de

72 Comments
  • Sarah W.
    Antworten

    Sehr geehrte Frau Sow,

    ich verstehe, dass Sie aufgebracht sind und die HS Fulda sich solch einen Fauxpas nicht hätte leisten dürfen. Zu absurd präsentierte sich die ganze Situation. Dennoch hätten Sie meiner Meinung nach auch anders reagieren können. Ist nicht eines Ihrer Ziele, die Bevölkerung auf latenten Rassismus aufmerksam zu machen? Sie hätten diese absurde Situation doch als Aufhänger für Ihre Lesung nützen können und anhand dieses konkreten Beispiels einen konstruktiven Beitrag in Form einer Diskussion leisten können. Aber nein, Sie glänzen mit Ihrer Abwesenheit; hauen einfach ab und lassen eine Gruppe enttäuschter Studenten zurück, die sich sehr auf Ihren Vortrag gefreut hatte. Ist das eine professionellere Reaktion? Der Abend war für mich jedenfalls ein voller Reinfall und ich finde nicht, dass man nur eine Seite dafür verantwortlich machen kann. Sie haben zwar ein klares Statement gesetzt, doch hätte man diesen Abend definitiv konstruktiver nützen können.

    Für Ihre weiteren Lesungen wünsche ich Ihnen alles Gute.

    27. Oktober 2011 at 22:37
  • … es tut mir so unglaublich leid, und ich krieg gerade noch nicht mal irgend eine angemessene Reaktion hin (ich weiß nicht mal, was ok wäre zu schreiben) bis auf – ich melde mich bei den Leuten. Und/oder jemand Ruhigeres von uns.

    27. Oktober 2011 at 22:48
  • Meine Mail an die. Sachliche Fehler => meine Kappe.

    Liebe Menschen,

    im Zusammenhang mit dem Festival contre le racisme wolltet ihr auch die in antirassistischen Kreisen recht bekannte Hamburger Künstlerin und Aktivistin Noah Sow einladen. Grundsätzlich ne gute Idee, denn ihr Buch „Deutschland Schwarz-Weiß“ bietet einen spitzenmäßigen Einstieg ins Thema Rassismus.

    Nach dem, was Noah Sow auf ihrem Blog ( http://www.noahsow.de/blog/2011/10/27/festival-du-racisme-in-fulda/ ) schreibt, haben die Leute, die für euch oder in eurem Umfeld organisieren, keine antirassistische Grundbildung. Auf dieser Grundlage ist keine antirassistische Arbeit möglich, und diese Leute sollten das schnellstens nachholen. Hier mal das aller-aller-nötigste zu eurem Fall in Kürze.

    PoC – ( = People of Color) ist ein Begriff, der von allen, die von rassistischen Zuschreibungen betroffen sind, verwendet wird, um sich selbstbestimmt zu definieren, anstatt durch rassistische Vokabeln gewaltvoll definiert zu werden.

    Bei „gewaltvoll“ und „definiert werden“ sind wir dann beim zweiten Punkt, der euch wahrscheinlich nicht direkt, wohl aber das Café Chaos betrifft – kolonialrassistische Deko mit PoC als Objekt (die bekannten „Dienerfiguren“) gehen GAR nicht. Wer sich sowas in die eigenen, noch dazu öffentlichen Räume stellt, lässt rassistische Klischees weiterleben – und macht die Anwesenheit in diesen Räumen für PoC zu einem Erleben von Gewalt. Denkt mal an das Bild, das so eine Statue von Schwarzen rüberbringt – hübsche exotische Diener, die unsere Lampe halten? Ehrlich, das ist doch widerlich…

    Zuletzt noch – es ist nicht die Aufgabe der PoC, uns Weißen beizubringen, was wir über Rassismus wissen müssen, und noch viel weniger können wir das erwarten, wenn wir gerade dieses Scheißspiel auch noch (wie unwissend oder gegen unseren eigentlichen Willen auch immer) mitgespielt haben. Rassismus ist unser Problem, nicht deren, denn auch wenn sie den Nachteil davon haben – wir sind die Akteur_innen.

    Den ganzen Rest, auch Sachen, die euch jetzt als Antwort auf mich einfallen könnten, könnt ihr euch in Noahs Buch reinziehen – oder auch auf http://www.derbraunemob.de und den dort auffindbaren weiterführenden Tipps.

    Frohe Aufklärung wünsche ich!

    Ben K, Jena

    P,S,: Das hier ist für mich öffentlicher Mailverkehr. Das bedeutet, dieser und evtl. eure Antworttexte können auf AntiRa-Blogs landen.

    27. Oktober 2011 at 23:26
  • Tom
    Antworten

    Zu Eintrag 1. von Sarah W.:
    Wie bitte?
    Frau Sow ist jetzt diejenige der Vorwürfe zu machen sind? Ich glaube ich lese nicht richtig.
    Hört sich fast so an als wenn die Referentin ihnen doch dankbar sein sollte das sie A) es überhaupt ermöglichen das sie auf Rassimus aufmerksam machen „darf“ und B) so eine „Steilvorlage“ doch eine Grundlage sei um Beispielhaft zu diskutieren……
    Ich glaube sie müssen da noch mal ganz tief bei sich graben und sich fragen warum sie so eine Realitätsumkehr hier bloggen……

    Meinen sie das wirklich ernst? Ich zitiere: „Aber nein, Sie glänzen mit Ihrer Abwesenheit; hauen einfach ab und lassen eine Gruppe enttäuschter Studenten zurück, die sich sehr auf Ihren Vortrag gefreut hatte“

    Sie wollen allen ernstes „aufklären“ wie man sich besser verhalten könne und betrachten sich dabei kein Stück slebst!

    Selbstreflexion?

    27. Oktober 2011 at 23:35
  • Andreas
    Antworten

    ..das bemerkenswerte an alldem ist doch vor allem diese Selbstverstaendlichkeit mit der die OrganisatorInnen des Festivals offenbar glaubten, sie wuerden dort nichts erfahren was sie nicht ohnehin schon wuessten (‚du kennst mich doch gar nicht‘), denn anders laesst sich diese unglaubliche Arroganz (oder auch Ignoranz), die offenbar dazu fuehrte, dass man nicht einmal das Buch der eingeladenen Autorin zuvor auch nur *querlas* nicht erklaeren (geschweige denn offenbar irgendein anderes Buch zum Thema). Uebrigens halte ich das nicht fuer ein isoliertes Phaenomen, es gibt diese Tendenz unter weissen ‚Antiras‘, sich mit PoC-AktivistInnen zu schmuecken und am ende nicht einmal die blog-Artikel, die diese kurz vorstellen, angemessen zu editieren (d.h. zu lesen)..

    Eine andere Erklaerung waere uebrigens Vorsatz, war es simplerweise Vorsatz, dann ist es weniger Arroganz als offene Gewalt.

    27. Oktober 2011 at 23:41
  • Sarah W., ich bezweifle nicht, dass eine Veranstaltung über die einfachsten Grundlagen von Rassismus zum Nutzen sämtlicher Beteiligter gewesen wäre.
    Wenn Ihr AStA nicht bereit oder in der Lage ist, zumutbare Voraussetzungen für einen Vortrag von PoC zu schaffen (und das zu beurteilen, dürfen Sie gern der international angesehenen Expertin anvertrauen, die für exakt diese Expertise eingeladen wurde), sollten Sie diesen Umstand vielleicht ändern, falls Sie im nächsten Jahr den Ansatz einer neuen Chance darauf haben wollen. Auf diese Weise schaffen Sie es nur, sämtliche ernstzunehmenden Fachleute auf dem Gebiet einen weiten Bogen um Ihre Veranstaltungen machen zu lassen.
    Der erste Schritt wäre, Verantwortung zu übernehmen und zu versuchen, den Schaden in dieser Sache noch einzudämmen.
    Als ehemalie AStArierin kann ich Ihnen sagen, dass der schlechte Ruf, den sich ein AStA durch so etwas einhandelt, hartnäckig ist und bei Weitem längere Zeitspannen überdauert als ein durchschnittlicher AStA.

    @Noah Sow: Falls gewünscht, kann ich Kommentator_innen einen Mailkontakt anbieten.

    27. Oktober 2011 at 23:55
  • Yüksel Canara
    Antworten

    manchmal ist es nett enttaeuscht zu sein, zu bleiben und den Raum zu haben darüber nachzudenken. Ihr hattet bestimmt einen guten Einstieg in das Thema; vielleicht erkennt ihr, dass ihr noch nicht so weit seid um darüber zu hören und schon gar nicht darüber zu diskutieren. Am Ball bleiben, üben, üben, üben, neu organisieren, gemachte Fehler nicht wiederholen, immer wieder organisieren, vorab lesen und das Gelesene bitte auch verstehen (dafür sind sie auch zustaendig- nicht?)…Yüksel Canara

    28. Oktober 2011 at 00:00
  • Ging auch als Brief (Email) raus, habe ich ebenfalls auf meinen Blog gestellt.

    To whites it should concern,

    Heute las ich mit Erschrecken die Erfahrungen der antirassistischen Aktivistin und Autorin Noah Sow zu Ihrer geplanten “antirassistischen” Veranstaltung in Fulda.

    Ich bin entsetzt darüber, dass Sie die Dreistigkeit besitzen, eine PoC in einen weißen Raum einzuladen, in dem sie es sich neben kolonialrassistischen “Raumverschöner_innen” gemütlich machen und ein (wahrscheinlich) mehrheitlich weißes Publikum darüber aufklären soll, was Rassismus ist. Das bodenlose Fass könnte nicht größer sein, wird leider aber noch übertroffen von den gewaltvollen wie übergriffigen Reaktionen und der Supremacy-Haltung, denen sich Noah Sow bei Betreten des Raumes in Gegenwart einer der weißen Organisator_innen ausgesetzt sah.

    Rassismus ist kein Problem von Menschen, die tagtäglich mit den Wirkungen und Folgen von Rassismus umgehen müssen, sondern ein Problem von weißen. Es ist also Ihr Problem, wenn Sie sich ganz offensichtlich weder mit der Autorin oder ihrer Arbeit im Vorfeld befasst haben, geschweige denn wissen, wie mensch antirassistische “Festivals” ausrichtet und kein Wissen über Schwarze, PoC, Kolonialverbrechen oder White Supremacy besitzen. Wissen, das Ihnen jederzeit und überall zur Verfügung steht. Sie haben Aufklärungsarbeit über Rassismus zu leisten und zwar dringend. Fangen Sie am besten zunächst bei sich an. Ich bin Ihnen als weiße gern dabei behilflich, wir unterstützen uns ja so gerne, nicht wahr?

    PoC: People of Color. Politische Selbstbezeichnung von Menschen mit Rassismuserfahrungen.

    PoC an der Uni: Ja, es gibt sie tatsächlich, trotz rassistischer Strukturen, an deren Erhalt die weißdeutsche Dominanzgesellschaft (zu der Sie auch zählen) ganz wesentlichen Anteil hat. Vielleicht fangen Sie mal an, diese Tatsache zu akzeptieren und sehen zu, dass Sie sich um antirassistische Arbeit bemühen und ihren PoC-Student_innen schutz- bzw. gewaltfreie Räume zur Verfügung zu stellen. Nein, Ihr “Festival” ist keine antirassistische Arbeit.

    Why won’t you educate me? How can I learn? >> z.B., in dem Sie sich erstmal ganz in Ruhe, mit Zurückhaltung und Lernwillen die antirassistischen Textproduktionen von Noah Sow zu Gemüte führen. Ich kann ihr Buch “Deutschland Schwarz Weiß. Der alltägliche Rassismus” und den Braunen Mob empfehlen. Desweiteren ist es hilfreich, sich über die gewaltvolle Kolonialvergangenheit, den Anteil der heutigen BRD und Rassismus im Allgemeinen zu informieren. “Spricht die Subalterne Deutsch”, “Afrika und die deutsche Sprache” und “Wie Rassismus aus Wörtern spricht – Koloniale (K)Erben im Wissensarchiv Deutsche Sprache” sind da wirklich ausgezeichnete Lektüren.
    Auch, wenn ich mich wiederholen muss: Nein, es ist nicht die Aufgabe von PoC und Schwarzen das für Sie zu übernehmen. Schon der weiße und rassistische Aufklärer Kant sagte: “Versuche, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen” – Vielleicht schaffen Sie es ja, was er nicht schaffte und setzen diesen Satz in die Tat um.
    Abwehrhaltungen, Wut, Verleugnungs- und Vermeidungsimpulse, Ohnmachtsgefühle über soviel Unwissen und rassistische Eigenproduktion und das dringende Bedürfnis, das anderen aufzuladen? Dann ist das das richtige Stück Text für Sie.

    Ihr Café ist ein Ort, wo Kolonialrassismus als “Dekoration” verharmlost wird. Schwarze und PoC sind nicht für Ihr Wohlbefinden da und haben das Recht darauf, jeden Raum genauso in Würde betreten zu können wie Sie das jeden Tag selbstverständlich tun, ohne darüber nachdenken zu müssen.

    Ich möchte keine Rechtfertigungsantworten auf diese Mail und keine Entschuldigungen (bei einer weißen müssen Sie sich für Ihren Rassismus nicht entschuldigen, der tut mir nix und mit der Wut im Bauch über soviel Arroganz Ihrerseits kann ich schon umgehen). Richten Sie doch bitte Ihre Entschuldigungen an Noah Sow für Ihr Unvermögen sich Allgemeinwissen anzueignen und sie in diese gewaltvolle Situation gebracht zu haben. Außerdem sollte es selbstverständlich sein, dass Sie der Autorin Fahrt- und Übernachtungskosten erstatten. Wäre ja noch schöner, sie müsste für diese Scheiße selbst aufkommen.

    Bitte beachten Sie, dass dieser Briefwechsel von mir öffentlich geführt wird.

    Ich hoffe auf lehrreiche Stunden und Verbesserung des rassistischen Normalzustandes in Fulda,

    Nadine Lantzsch

    28. Oktober 2011 at 00:57
  • Sarah W.
    Antworten

    Tom, ich versuche jediglich, beide Seiten zu verstehen. Was die Organisatoren sich da geleistet haben, ist unter aller Sau- keine Frage! Das Ganze ist extrem peinlich!
    Ich habe nie davon gesprochen, Frau Sow alleinig für diesen geplatzten Vorfall verantwortlich zu machen. Ich verstehe ihre Reaktion sehr wohl und Ich habe mich durchaus „selbst“ betrachtet!
    Zudem, wieso “ betrachten“ die meisten von euch sich nicht selber? Die meisten Posts hier sind doch genauso ignorant! “ rassistischer Normalzustand in Fulda“ oder „Ihr seit noch nicht so weit“. Solche Verallgemeinerungen lassen doch darauf schließen, dass viele von euch selber keine differenzierte Betrachtung des Vorfalls an den Tag legen.

    Versteht mich nicht schon wieder falsch, auch in diesem post versuche ich NICHT das Verhalten der ORganisatoren zu rechtfertigen oder die Verantwortung des geplatzten Vortrags Frau Sow alleinig zuzuschieben. Nur kann man nun nicht ganz Fulda oder alle Studenten über einen rassistischen Kamm scheren.

    28. Oktober 2011 at 04:36
  • Übel. Ich nehme es in die Presseschau auf.

    28. Oktober 2011 at 07:24
  • Frankie
    Antworten

    Wie absurd, das ist ja so als würde man eine jüdische Autorin zu einer Lesung gegen den Faschismus einladen und dann hat man in den entsprechenden Räumlichkeiten einfach mal das ein oder andere unauffällige Abzeichen der Waffen-SS übersehen. Unglaublich!

    28. Oktober 2011 at 07:59
  • Janine
    Antworten

    Hallo Asta, hallo Café,

    es haben sich ja schon einige Leute bei Euch gemeldet, um über POCs und rassistisches Inventar aufzuklären. Danke für deren Einsatz. Mehr kann ich dazu auch nicht erklären.

    Was mir aber noch wichtig ist, ist der Hinweis, dass es ein Privileg der Weißen ist, sich nicht mit Anliegen von Schwarzen und POCs beschäftigen zu wollen. Nichtwissen ist ein Privileg. Ja, das klingt paradox. Deshalb will ich deutlicher werden: Antirassistische Arbeit machen zu wollen, oder sich ein linkes Image zu geben, ohne das eigene rassifizierte Bewusstsein je angekratzt zu haben, bedeutet eine Handlungsmacht, die auf Kosten anderer geht.

    Antirassistische Arbeit sollte doch in erster Linie darin bestehen, sich selbst seine_ihre eigenen Denkmuster einzugestehen, offenzulegen und damit einen Umgang zu finden, so dass man andere nicht mehr so sehr verletzt. Das ist immerhin ein guter Anfang. Dann ist man vielleicht auch langsam in der Lage, Dinge im öffentlichen Raum wahrzunehmen, also Gegenstände, Worte und so weiter, und sie einzudämmen, kaputtzumachen, wegzuräumen. Man kann unterstützen, wo es notwendig ist. Erst viel später können die pompösen öffentlichen Veranstaltungen kommen, und man darf sich dann auch mal auf die Schuler klopfen lassen.

    Ein solcher Prozess ist Lernen und Arbeit. Das ist viel viel Lesen, das ist ein beschämtes Ego, das ist die Erkenntnis, schon viele Fehler gemacht zu haben und sich ganz schön konzentrieren zu müssen, sie in Zukunft zu vermeiden. Aber ehrlich, diese Anstrengungen sind leckere Stücken Torte im Vergleich zu den rassistischen Zumutungen und Anfeindungen, die Schwarze und People of Color ertragen müssen.

    Auch ich führ den Mailverkehr öffentlich.

    Auch von mir: Frohes Lernen! Ihr seid dabei nicht allein.

    Und bezahlt die Reise von Noah Sow. Ihr könnt wahrscheinlich aus diesem Vorfall mehr lernen, als ihr es mit halbem Ohr bei der Lesung getan hättet.

    Janine

    28. Oktober 2011 at 08:50
  • Ganz harter Tobak. Ich denke auch: Mit Sicherheit kein Einzelfall.
    Ich muss sagen, dass ich einige der besten „Erlebnisse“ in meiner Zeit an der Uni hatte (übrigens nicht die Uni Fulda), weil anscheinend gerade der Duktus „Wir sind aufgeklärt und wissen total viel und so“ manchmal (leider) auch dazu beizutragen kann, dass Menschen meinen sie seien irgendwie unfehlbar. Heißt: Trotz Ort des Wissens und des Zugangs dazu und und und…
    Ea ist halt überall, und es hört halt scheinbar nie auf.

    28. Oktober 2011 at 13:36
  • Gürcan
    Antworten

    Hey Noah, ist Dir aufgefallen, dass die ausgelagerten Kommentare im doc-Format die Emailadressen veröffentlichen? Kannst Du die bitte löschen? Gruß, Gürcan

    28. Oktober 2011 at 14:15
  • Imme Goldstein
    Antworten

    An die Veranstalter_innen des „Festival contre le racisme“ in der Universität Fulda, bei dem Noah Sow gestern (27. 10. 2011) für einen Vortrag eingeplant war

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    Noah Sow ruft nach einer ausführlichen Schilderung „weiße Antiras und Organisator_innen des Festival Contre Le Racisme in anderen Städten“ dazu auf:

    „Bitte erklärt diesen Menschen, was ihr Problem ist, denn ich bin zu müde dazu und muss mich damit beschäftigen, den Terror zu verdauen.
    Bitte erklärt doch auch präventiv dazu, warum die AStA meine Fahrt und Übernachtung trotzdem bezahlen muss.“

    http://www.noahsow.de/blog/2011/10/27/festival-du-racisme-in-fulda/

    Das Problem wurde von einigen Seiten schon ausführlich beschrieben; unter dem oben genannten Beitrag finden sich mehrere ausführliche Erklärungen dafür, in welcher Weise Frau Sow gewaltvollem rassistischem Verhalten ausgesetzt war.
    Eine genauere Erläuterung kann ich auf Wunsch auch gerne noch zusätzlich liefern.

    Der zweite Punkt wurde jedoch bisher nur am Rande genannt und ist auch vielleicht überflüssig; hoffentlich hatten Sie ohnehin vor, Frau Sow Fahrtkosten, Übernachtung und Honorar umgehend zu überweisen.

    Falls jedoch nicht, hier die Erklärung:

    Sie hatten Frau Sow zu einer Buchlesung angefragt. Frau Sow hat zugesagt und ist zum vereinbarten Zeitpunkt angereist, bereit, die Lesung abzuhalten. Leider konnten Sie für ihren Vortrag keinen geeigneten Raum zur Verfügung stellen und haben nicht im Vorfeld abgesagt. Da Frau Sow schon aus Hamburg angefahren war, sind ihre Kosten in jedem Fall entstanden.
    Frau Sow musste zudem nach einer Reihe von rassistischen Gewalterfahrungen (Bilder, verbale Übergriffe) davon ausgehen, dass Weitere folgen könnten, zumal seitens der Organisation offenbar nicht nur ein Leugnen der gewaltvollen Situation in den kritischen Momenten vorlag, sondern die Übergriffe zum Teil von der Organisation selbst ausgingen. Unter diesen Umständen war eine Lesung nicht zumutbar; dies lag in der Verantwortung der Veranstalter_innen.

    Ich würde Ihnen dringend zu einer umgehenden Entschuldigung raten, sowie dazu, so schnell wie möglich Honorar und Sachkosten zu überweisen.

    Als Mitorganisatorin des diesjährigen festival contre le racisme an der Universität Mainz bin ich entsetzt, dass es im Rahmen dieser Veranstaltung zu einem derartigen Vorfall kommen konnte.

    Mit freundlichen Grüßen
    Imme Goldstein

    Dieser Brief geht in Kopie an die Vorstandsmitglieder des freien zusammenschluss von studentinnenschaften als Koordinationsinstanz des festival contre le racisme, und Frau Noah Sow.

    Bitte beachten Sie, dass ich diesen Schriftwechsel öffentlich führe.

    28. Oktober 2011 at 14:17
  • Noah hat gut reagiert! Zu hoffen ist, dass die Leute jetzt merken, dass sie sich schleunigst mit ihrem eigenen verinnerlichten Rassismus bzw. Weiß-sein auseinandersetzen müssen!! Zu oft gibt es jedoch Abwehrreaktionen!!

    Der Denkfehler liegt u.a. darin, dass viele linke Antirassist_innen glauben, sie könnten gar nicht mehr rassistsich sein! Nur weil sie Flüchtlinge unterstützen (was gut ist!!) stündnen sie außerhalb des Rassismus. Aber das ist natürlich totale Moppelkotze!

    Eine solche Situation hätte übrigens auch in weißen, Linken Räumen in HH passieren können: Ich habe schon soooooo viele Antira-Demos nur mit Weißen gesehen, so viele antira-Veranstaltungen ohne POC’s !! Und so viele Antira-Verantsaltungen wo nicht über Rassismus/ Weiß-sein gesprochen wurde, sondern über Flüchtlinge und die Festung Europa….!

    28. Oktober 2011 at 14:51
  • Trina
    Antworten

    (Denn Disclaimer habe ich in der späten Stunde leider vergessen…)

    Sehr geehrte Damen und Herren,

    mit einem müden – aber auch recht enervierten – Seufzer habe ich einen Beitrag von Noah Sow über ihren kürzlichen fast-Auftritt bei Ihnen gelesen. Sehr einfach wäre es für mich gewesen, dass Ganze als absurder studentische Klamauk abzutun, wenn’s nicht schon das 21. Jhdt. und Sie – „die Jugend“ – unserer Zukunft wären, aber auch weil die Zeichen der Zeit bzgl. einer allgemeinen Akzeptanz von nicht-weißen Menschen in Deutschland immer noch auf Sturm stehen.

    Noch frustrierender als das sich bietende obstruse Tableau war jedoch eine Reaktion einer gewissen Sarah W. zu diesem Beitrag von Noah. Darin hieß es nämlich:

    „…Dennoch hätten Sie meiner Meinung nach auch anders reagieren können. Ist nicht eines Ihrer Ziele, die Bevölkerung auf latenten Rassismus aufmerksam zu machen? Sie hätten diese absurde Situation doch als Aufhänger für Ihre Lesung nützen können und anhand dieses konkreten Beispiels einen konstruktiven Beitrag in Form einer Diskussion leisten könne…“

    Kaum zu glauben, dass das eigene Augenmaß der geladene Gruppe (von der einladenden Organisation ganz zu schweigen) so verroht ist, dass die besagte Lampe – bei diesem Thema wohlgemerkt! – überhaupt keinen Anlass zur Reflexion geboten hat. Entweder beherrschen Sie das Thema „Projektmanagement“ gar nicht (man plant immer eine Begehung der avisierten Räumlichkeiten im Vorfeld ein!) oder Sie haben ganz offensichtlich, was das Thema Rassismus anbelangt, Ihre Hausaufgaben ganz schluderig gemacht!

    Wahrscheinlich beides.

    Denn es genügt bei Weitem nicht, eine vermeintlich liberale Organisation anzugehören und ein pseudo-progressives Weltbild als Aushängeschild schützend vor sich zu halten – um dann zu erwarten, dass die gelandene Referentin für Sie das kritische Denken gänzlich übernimmt. Danach noch ernstlicherweise Frau Sow vorwerfen zu wollen, Sie hätte Ihre Unterlassungen doch bitte schön en passant zurecht zu biegen und – zu Ihrem Günsten – noch spontan didaktisch auszuwerten ist nicht nur unehrlich und bodenlos denkfaul. Es strotzt geradezu von der Verblendung des weißen Privilegs.

    Sollten Sie des Englischen mächtig sein, kann ich Ihnen nur eine ernsthafte Auseinandersetzung mit einem Beitrag des amerikanischen Antirassisten Tim Wise sowie ein Erläuterung des Videobloggers Jay Smooth empfehlen. Vielleicht unterstützt es Ihnen dabei, sich das nächste Mal entsprechend würdig auf einem gelandenen Gast vorzubereiten, damit auch von Ihrer Seite einen fundierten Beitrag zur Antirassismus- Diskussion geleistet werden kann.

    28. Oktober 2011 at 14:52
  • Ansche S.
    Antworten

    Sehr geehrte Fr. Sow,

    ich möchte mich entschuldigen.
    Für den furchtbaren gewaltvollen Raum, für die gewaltvolle Atmosphäre, die Sie vorgefunden haben…das war furchtbar unreflektiert, ignorant, arrogant, dämlich…

    Gestern nach Ihrem Fortgang, wurde die Situation erklärt und soweit es unserem Rahmen möglich war darüber „geredet“.
    Inwiefern, daß jedem etwas gebracht hat, weiß ich natürlich nicht, aber an Kommentaren war teilweise hörbar, daß sich einige sich in Zukunft kritischer mit dem eigenen „Weiß-Sein“ auseinander setzen werden. Für alle kann man da nicht sprechen, natürlich.

    Soweit ich weiß, haben Sie bereits eine Entschuldigung (privat wie öffentlich erhalten) von Veranstalterseite.
    Bevor überhaupt die Nachricht kam vom Hotel, daß Sie ausgecheckt haben, war schon klar, daß sie Reisekosten wie Übernachtung wegen der Unannehmlichkeiten erstattet bekommen.
    Das stand nie zur Frage.

    Die Hochschule Fulda sowie auch das Café Chaos sind leider keine politischen gewaltfreien sicheren Räume.
    Sie sind nicht „klassisch links“. Der AStA auch nicht.
    Inhaltliche Auseinandersetzungen und Sensibilisierungen z.B. über das Thema „Rassismus“ oder „Critical Whiteness“ finden vereinzelt in Modulen der Fachbereiche statt, ansonsten nicht.
    Das ist keine Entschuldigung!
    Diese Tatsache ist eher der Wahrheit geschuldet, daß die Hochschule wirklich „einfach nur an einen Vortrag“ dachte und sich nicht genügend vorbereitet hat und nicht reflektiert hat, was es bedeutet einen gewaltfreien Raum zu stellen…dies ist aus Unwissenheit passiert, die nun die fatale Folge hatte Sie auf solch eine Art zu verletzen.

    Die Lampe hätte nicht nur während ihrem Vortrag raus gesollt, die HAT DA ÜBERHAUPT NICHTS zu suchen.
    Wie oft sind wir daran vorbeigegangen ohne nachzudenken, was sie bedeutet für POC (dieses Wort verstehe ich nun auch), was sie überhaupt darstellt..das ist ignorant.

    Für diese Unwissenheit möchte ich mich auch nochmal entschuldigen.

    Mit freundlichen Grüßen
    Ansche S.

    28. Oktober 2011 at 16:12
  • Michael Fisher
    Antworten

    Die Frau aus Fulda: „lassen eine Gruppe enttäuschter Studenten zurück, die sich sehr auf Ihren Vortrag gefreut hatte.“

    Also, wenn man mir jemanden hinstellen wuerde, der mir erzaehlt wie ich und meine Eltern, Grosseltern, Verwandte und Freunde vom systematischen morden, unterdruecken und ausbeuten von Menschen profitiern wuerd‘ ich mich aber net auf so’n Vortrag freuen. Es sei denn, dass ich das befuerworte oder mir das egal ist, d.h. ich sowieso keinen emotionellen Bezug dazu habe. Das heisst ich waere demnach in beiden Faellen Psychopath und Noah Sow waere dann halt rein zu meinem Entertainment da. Da Noah aber nicht Cirque de Soleil ist…

    28. Oktober 2011 at 16:24
  • Danke für die super Links.
    Und gute Wellness.

    28. Oktober 2011 at 18:02
  • colorblind
    Antworten

    liebe frau sow,

    bei allem respekt gegenüber ihrer arbeit: ihre arroganz hätten sie sich sparen können. ich wusste bis eben auch nicht was PoC bedeutet, obwohl ich mich mit der thematik seit jahren auseinandersetze…ehrlich gesagt halte ich von dieser übertriebenen PC’ness auch nichts. wenn ’schwarz‘ nicht PC ist ist es wohl auch nicht PC die organisatorin als ‚weiss‘ zu bezeichnen. inwiefern war diese erwähnung der hautfarbe notwendig? als antira aktivistin sollte man von ihnen eigentlich erwarten können, dass die hautfarbe ihrer mitmenschen für sie keine rolle spielt.

    ihre wut über die lampe kann ich vollkommen nachvollziehen, jedoch sollten deswegen keine pauschalisierenden schlüsse gezogen werden. ich denke vielen studenten der FH fulda geht es wie mir: hätte ich die lampe jemals bewusst wahrgenommen wäre ich empört gewesen. das habe ich jedoch nie…liegt das jetzt an mangelnder sensibilität gegenüber rassistischer symbolik oder daran, dass sich mein fokus eher auf gespräche mit kommilitonen und das leckere essen richtet? diese frage kann jeder für sich selbst beantworten, ich werde mir deswegen jedenfalls keinen (latenten) rassismus vorwerfen (lassen).

    28. Oktober 2011 at 18:10
  • Die Lampe steht hier ja auch symbolisch Spalier für ein Problem, das durchgängig ist, und zwar in allen Gesellschaftsräumen. Unsafe Places hat man ja wohin man sieht.
    Entmutigend ist, dass immer wieder auf der Mikroebene „Erklär“-Arbeit geleistet werden muss, aber ich frage mich, wie effektvoll das Ganze ist, wenn diese Probleme nach wie vor fest in den Strukturen verankert sind.

    28. Oktober 2011 at 18:43
  • Julinkah
    Antworten

    ARGH!
    Hört das denn gar nicht mehr auf?!
    Also bitte, ES IST 2011! Das Internet ist voller Links und Videos, und Texte, und Bilder, die allen die hier ihren rassistischen kackscheiß posten können eigentlich auch zur Weiterbildung zur Verfügung stehen.

    Und wer hier schon wieder Rassismus mit weißem Ego verwechselt seien mal schnell diese zwei Dinge zur Verfügung gestellt:

    1.) für die sehr Verwirrten:
    http://www.criticalwitness.com/post/6317830075/aeraspais-to-be-honest-i-dislike-how-often

    2. Für die, die gerne dazulernen:
    http://www.criticalwitness.com/FixRacism

    Ich geh jetzt Halloween feiern und Cultural Appropriation Cracker basteln!

    28. Oktober 2011 at 18:47
  • Ben Fröhlich Rodrigues
    Antworten

    Als einer der Organisator_innen des festival contre le racisme in Mainz bin ich bestürzt und beschämt von dem, was in Fulda unter diesem label passiert ist. Das tut mir aufrichtig Leid (klingt etwas hilflos, aber etwas passenderes fällt mir nicht ein). Gerne werde ich auch noch dem Aufruf, mich an die Menschen vom AStA Fulda zu wenden, nachkommen. Mein erstes Bedürfnis war jedoch eine Mail an den fzs-Vorstand zu schreiben, der ja Initiator und Koordinator der Kampagne ist. Wenn das für den Blog von Interesse ist, kann sie gerne hier veröffentlicht werden:

    Lieber fzs-Vorstand,

    nachdem ich im vergangenen SoSe als Referent für politische Bildung hauptverantwortlicher Organisator des festival contre le racisme an der Uni Mainz war, musste ich leider gestern mitbekommen, wie auf einer vom AStA Fulda organisierten Veranstaltung, die sich als Teil des festival contre le racisme verstand, die eingeladene Referentin Noah Sow mit rassistischen Bildern und rassistischer Sprache konfrontiert wurde.

    Der Link zum Bericht: http://www.noahsow.de/blog/2011/10/27/festival-du-racisme-in-fulda/

    Ich möchte den fzs-Vorstand bitten, schnellstmöglich eine Stellungnahme zu verabschieden, die sich von der Aktion distanziert und sich bei Noah Sow zu entschuldigen.
    Des weiteren möchte ich den fzs-Vorstand dazu auffordern, über Maßnahmen nachzudenken, wie solche unglaublichen Zustände in Zukunft vermieden werden können. Mir ist bewusst, dass die Einflussmöglichkeiten des Vorstands auf die in Händen der jeweiligen ASten liegende dezentrale Organisation sehr begrenzt ist. Auch ist mir die betonte Zurückhaltung des Dachverbands, was die inhaltliche Gestaltung angeht, bekannt. Zitat (fzs-homepage): „Weder inhaltlich noch formal möchte der fzs sich in die konkrete Ausgestaltung des festival contre le racisme der ausrichtenden Hochschulstandorte einmischen.“ Aber wenn unter dem vom fzs zur Verfügung gestellten label solche Dinge passieren, müssen wir/müsst ihr euch einer Mitverantwortung bewusst sein. Vor diesem Hintergrund sollte die zitierte Position vielleicht überdacht werden. Auch wenn die Vielfalt der unterschiedlichen festivals durchaus als ein Wert angesehen werden kann, darf Vielfalt nicht als Beliebigkeit missverstanden werden, was obiges Zitat aber leider nicht gewährleistet.
    In diesem Sinne muss meines Erachtens nach eine Möglichkeit gefunden werden, eine antirassistische Vorbildung der Organisator_innen des festivals zu gewährleisten.
    Eine Möglichkeit würde ich darin sehen, für alle Organisator_innen der regionalen festivals, die Teilnahme an einem von euch organisierten Workshop verbindlich zu machen. Ich weiß, dass das möglicher Weise in finanzieller Hinsicht schwierig wird, aber das sollte es dem Verband wert sein. Ebenfalls hilfreich wäre sicherlich auch ein Reader zu den „Grundlagen antirassistischer Arbeit“. Das Material, das sich auf der fzs-Homepage als Hilfestellung finden lässt, legt seinen Schwerpunkt sehr auf das Organisatorische oder bezieht sich inhaltlich nur auf den Themenschwerpunkt „Mobilität“ des festivals 2007(!!). Grundlagen für antirassistische Arbeit werden hingegen nicht angeboten.

    Es würde mich außerdem noch interessieren, ob es mit euch abgesprochen war, die Lesung unter dem label „festival contre le racisme“ laufen zu lassen. Das ist zwar in diesem Zusammenhang eher nebensächlich, aber dass eine Veranstaltung am 27.10. im Rahmen einer Aktionswoche, die vom 6.-13.06. stattfand, kommuniziert wird, erscheint mir doch an sich schon ziemlich absurd (und wenig sinnvoll).

    Liebe Grüße,

    Benjamin Fröhlich Rodriuges

    Bitte beachtet, dass ich diesen Briefwechsel öffentlich führe.

    28. Oktober 2011 at 18:51
  • @colorblind:
    Ich frage mich nach wie vor, wie Sie und die restliche Crew aus Fulda die einfachsten logischen Schlüsse nicht hinbekommen wie „Wir laden eine Expertin für [Thema XY] für einen Vortrag ein“ + „Expertin äußert Meinung zu [Thema XY]“+ „Laien sehen das anders“ = „Expertin hat mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit recht“?
    Dass Sie sich „seit Jahren mit dem Thema beschäftigen“, ist leider keine Gewähr für die Qualität des Ergebnisses dieser Beschäftigung. Sollte das Ihrerseits nicht einfach ein kleiner rhetorischer Kunstgriff gewesen sein, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass Sie kostbare Jahre Ihres Lebens verschwendet haben, da Sie es in diesem Fall tatsächlich geschafft haben, jeden relevanten politischen und wissenschaftlichen Kontext zu verpassen.

    Infolgedessen würde ich Ihnen einfach raten, die hier im thread freundlicherweise angebotenen Hilfestellungen anzunehmen und sich fortzubilden, anstatt sich weiter zu blamieren.
    Ein neues Thema für Sie:
    Disability is not your analogy. Vielleicht haben Sie in diesem Bereich mehr Erfolg.

    28. Oktober 2011 at 19:08
  • Gürcan
    Antworten

    Noah, bitte „sofort“ persönliche Emailangaben aus den „ausgelagerten“ Postings löschen! Die Gesetzeslage hierzu dürfte bekannt sein!

    28. Oktober 2011 at 19:12
  • Noah, bitte “sofort” persönliche Emailangaben aus den “ausgelagerten” Postings löschen! Die Gesetzeslage hierzu dürfte bekannt sein!

    28. Oktober 2011 at 19:14
  • Guten Abend,
    ich wollte gar nichts schreiben, aber der „Colorblind-Kommentar“ fasst so eine schöne Antira-Suppe zusammen. Welch schmackhaftes Mahl:

    1. Leute, die glauben sie würden sich seit Jahren „mit der Thematik“ auseinandersetzen, aber anscheinend in diesem Jahrtausend noch kein Buch darüber angefasst haben. Sonst wäre es Frau/Herr Colorblind unmöglich gewesen, nicht über den Begriff POC zu stolpern oder gar zu glauben, Schwarz und „weiß“ wären tatsächlich keine politisch korrekten Ausdrücke. Besonders drollig ist die Respektsbekundung bezüglich Frau Sows Arbeit. SIE SCHREIBT IN IHREM BUCH ÜBER DIESE BEGRIFFE!!! Ist schon peinlich, diesen Respekt auszusprechen, ohne das Buch der Frau gelesen zu haben(!!!) bzw. ganz schön „arrogant“ zu denken, dass Halbwissen nicht auffällt.
    2.Nehmen wir an,wir wären weiß und „colorblind“ und geniessen täglich das „leckere essen“ im laden, bemerken die erwähnte Lampe aber kein einziges mal. Plötzlich kommt eine Schwarze Frau in den Laden und zeigt innerhalb von ein paar Sekunden auf besagtes Ding. Potzblitz! Ich würde in der Tat behaupten, es handelt sich um „mangelnde sensibilität gegenüber rassistischer symbolik“ seitens der speisenden Antirassisten plus eine Prise Desintresse. Weisses Privileg: „man muss sich nicht mit sowas auseinandersetzen,wenn man gerade isst.“ Gut erkannt!

    Im Übrigen ist Colorblindness ein weiteres tolles Privileg weisser Menschen, denn wir – Schwarze und POCs – sind uns tagtäglich bewußt wer wir sind und mit wem wir es zu tun haben.
    ……………………………
    P.S. Noah, gut gemacht! LG

    28. Oktober 2011 at 19:25
  • Michael Fisher
    Antworten

    @colorblind: Was gibts beim Kommolitonen lecker Essen zum Nachtisch? M[]kopf oder N[]kuss?

    28. Oktober 2011 at 19:34
  • Andreas
    Antworten

    ..also soweit ich das bisher verstand, war die Lampe lediglich der Vertex einer langen Reihe von Details die allesamt exakt auf jene Gewaltform konvergierten, in diesem Sinne, so fuerchte ich, gewinnt man in Fulda tatsaechlich nicht viel durch Entfernung eines Symbols, das ganz offenbar nicht umsonst dort steht. Bemerkungen wie jene ‚colorblinds‘, die eben genau die ‚Leistung‘ der Rassisten, unabhaengig von jedweder Realitaet angebliche ‚biologische‘ Determinanten zur Begruendung angeblicher sozialer oder psychologischer Unterschiede heranzuziehen, die also genau diese ‚Leistung‘ im Sinne einer kruden Schuldzuweisung auf die PoC projiziert, die die gewaltvollen Begriffsmuster der weissen Hegemonie im Sinne einer Selbstermaechtigung umdeuteten, sind einfach unertraeglich. Hier wurde nichts verstanden und hier kotzt man intelligenten Leuten die eigene weisse Dummheit geradezu ins Gesicht. Wirklich ekelerregend.

    28. Oktober 2011 at 19:41
  • Michael Fisher
    Antworten

    Oh. yeah that’s „Kommilitonen“. Haven’t been back to Germany in a while. It’s funny, ‚cause I had a conversation about racism in Germany with some folks just a few days ago. Racism in Germany is just so, as Dave Chapelle would put it „stewed to a perfection“. http://www.youtube.com/watch?v=VU28Pv26nNQ They’re so racist they even try to turn other white people into non-whites. Check out the undertone in the Euro debates and the „Southern Periphery Euro Countries“. Im Klartext: The closer geographically to Africa, the „lazier and incompetent“ people are.

    28. Oktober 2011 at 20:00
  • Gürcan
    Antworten

    Noah, ist PoC-Sein die Bühne für Deine Selbstinszenierung? Es ist widerlich Sätze wie „weisse Dummheit“ zu lesen, weil es die gleiche rassistische Scheiße ist. Und es gibt Menschen, die damit Geld verdienen, weil sie die ganze postkoloniale Sprache zu ihrer eigenen Sache machen und es Gegenkultur nennen. Schlimm ist auch die faschistoide Zensur gegenteiliger Meinungen. „Das“ ist wahrlich „ekelerregend“.

    28. Oktober 2011 at 20:05
  • Ich würde angesichts des Kommentars von @colourblind doch empfehlen, sich intensiver mit den Strategien von US-Rechtsradikalen zu beschäftigen – also, @colourblind würde ich das empfehlen und Teilen der Szene in Fulda. Die hier Anwesenden kennen das ja.

    Dieses Angewetter gegen PC, das fortwährende Herumgedröhne, in Andeutungen im Kommentar enthalten, PoC seien die wahren Rassisten, münden schnell in diese dubiosen Fantasien, mittels PC würden Minderheiten die Mehrheit unterjochen wollen, so weit geht colourblind noch nicht. Das ist aber alles äußerst populär in sich widersinnigerweise links gebenden Zirkeln und ein Manöver, das juristische und moralische Kategorien, das formale Gleichheitskriterium, als Realisierte behauptet, um faktische, kulturell und gesellschftlich sich manifestierende Ungleicheiten zu kaschieren, um dann wüst auf alle verbal einzuprügeln, die auf reale Diskriminierung verweisen und diese zu pathologisieten, zu hysterisieren, ihnen Herrschaftswille zu unterstellen usw. Gibt ein leider populäres Blog, das davon lebt, mit diesem kontrafaktischen Mist hausieren zu gehen, das auch mit dem Widerstand gegen PC im Namen bereits spielt.

    Dass, wie bereits erwähnt, Informieren und das Erwarten von Informiertsein als „Arroganz“ abgebürstet wird, ist auch nur ein billiger Trick, die wohlige Ahnungslosigkeit von Mehrheitsgesellschaftlern zu zementieren.

    28. Oktober 2011 at 20:17
  • Nils
    Antworten

    @colourblind: Lies doch mal das Buch „Deutschland Schwarz Weiß“ oder die häufig gestellten Fragen auf http://www.derbraunemob.info/fragen/.

    Ich hab den folgenden Kommentar auf Momos Blog (http://metalust.wordpress.com/2011/10/28/seufz/) gepostet, hier jetzt noch mal an relevanterer Stelle.

    Langfassung:
    Mich macht sowas wütend und, da ich auch weiß bin, beschämt es mich. Dass weiße, die Antira-Arbeit leisten wollen, es nicht mal für nötig halten, vorher die absoluten basics nachzulesen (z.B. auf der Website der eingeladenen Autorin, in ihren Veröffentlichungen, auf der Seite des Braunen Mobs), ist frustrierend genug. (Und ich bin privilegiert genug, um die Ignoranz und kolonialrassistischen Motive nur frustrierend und nicht verletzend und demütigend zu finden.)
    Aber wenn ich mir schon einen derartigen Fauxpas leiste, dann hab ich, darauf hingewiesen, die Verantwortung, den ganzen Schlamassel für die Benachteiligte so erträglich zu machen wie möglich — nicht umgekehrt, so wie Sarah W. es verlangt. Noah Sow ist hier diejenige, die (noch dazu in einem vermeintlich sicheren Rahmen) Rassismus ausgesetzt wurde. Sie muss gar nichts. Sie kann so beleidigt, frustriert, müde und wütend sein wie sie will.
    Rassismus zu benennen, zu bekämpfen und über weiße Privilegien aufzuklären, Leute da abholen wo sie sind, mit Engelsgeduld zum hundertsten Mal dieselbe dumme Frage beantworten, sich mit Uneinsichtigen rumstreiten — das alles liegt in der Verantwortung von uns weißen. People of Colour haben die rassistischen Strukturen nicht geschaffen, also ist es ihnen nicht auch noch zuzumuten, sie zu beseitigen. Dummerweise sind sie natürlich diejenigen, denen dringend daran gelegen ist. Ich kann ja das alles ganz bequem ignorieren, mir schadet es ja nicht. Ich profitier ja, ob ich will oder nicht, jeden Tag von meinen weißen Privilegien. Ich kann mich der Verantwortung entziehen und sie dadurch Noah Sow im speziellen und PoC im allgemeinen zuschieben. Dann darf ich mich aber auch nicht ärgern, wenn ich kritisiert werde.

    Kurzfassung:
    People of Colour haben ein Recht darauf, Rassismus nicht ausgesetzt zu sein. Weiße haben die Pflicht und Verantwortung, Rassismus zu bekämpfen. PoC haben diese Verantwortung nicht, und sie ihnen zuschieben zu wollen, hilft nur dem Erhalt der eigenen weißen Privilegien. Ansonsten: Lest doch mal die vielen Artikel, Blogs, Bücher und sonstigen Resourcen, die PoC zum Thema Rassismus schon geschrieben haben.

    28. Oktober 2011 at 21:19
  • Andreas
    Antworten

    ‚Gürcan‘, in der Tat, Deutschland ist das Land in dem man nicht ’nein‘ sagt, wie Robert Musil schon richtig erkannte. Dass hier ein, nach allen Kriterien weisser Definition, weisser Mensch selbst auf die Idee kommen koennte, von ‚weisser Dummheit‘ zu reden, die anderen Menschen mit geradezu beklemmender Inbrunst ins Gesicht gekotzt wird, darauf kommt Gürcan nicht einmal. Aber das ist hier die Stunde des nein sagens, ‚Guercan‘, nein zu weissen deutschen hegemonialen Deutungsschemen und -anspruechen, nein zu dem tautologischen Rassismus der hiesigen weissen Mehrheit, der ‚gesellschaftlichen Mitte‘ und ihrer achso wohlmeinenden ‚Toleranz‘, nein zu den Mechanismen, mit denen fortwaehrend das ‚andere‘ markiert, definiert, separiert und auf die eine oder andere Art, koerperlich oder intellektuell, vernichtet werden soll, und zwar schon von Kindesbeinen an. Wenn dir die Existenz dieser isolierten und wahrhaft im weissen Pool der beschaemenden Hetze dieser Tage, sei es in der taeglichen ‚wohlmeinenden‘ Berichterstattung ueber die ‚Defizite der Griechen‘, die ‚juedischen Bankhaeuser‘, die ‚Probleme-verursachenden Roma‘, die angebliche ‚aggressive Einwanderung‘ in Sozialsysteme, die ‚Anmassungen‘ von PoC, sich die Art und Weise ihrer Umdeutung von rassistischen Diskursen selbst auszusuchen, wenn dir also die Existenz dieser isolierten Zentren des Widerstandes nicht passt, Guerkan, dann musst du dich der Mehrheit anschliessen, ihren mannigfaltigen und mannigfaltig jedwede Intelligenz peinigenden Orten und ‚Meinungsforen‘ und dort deine ‚Meinung‘ in den braunen Pool der weissen Gewalt kotzen, viel Spass dabei.

    29. Oktober 2011 at 01:29
  • Ich finde es immer wieder bemerkenswert, wie sämtliche Abwehrreaktionen sich anscheinend unweigerlich an Derailing for Dummies abarbeiten müssen.

    Zu allen, die sich auf die „Das wusste ich doch nicht“-Schiene verlegt haben, einschließlich des „wie, es braucht einen besonderen Raum für so eine Veranstaltung?“
    Es braucht keinen „besonderen“ Raum. Es braucht einen ganz normalen, zivilisierten Raum. Wie Ansche S. völlig richtig feststellt:

    Die Lampe hätte nicht nur während ihrem Vortrag raus gesollt, die HAT DA ÜBERHAUPT NICHTS zu suchen.

    Das ist kein SUPER SONDER Spezialwissen. Das ist grundlegendster Respekt.

    Wenn ich als weiße Feministin zu einer Lesung geladen würde über mein Buch zu, sagen wir, meinen Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt, dann feststelle, dass Veranstalter und vermutlich 90% des Publikums nur Männer sind, der Typ, der mich abholt, mich fragt, was eigentlich „Feminismus“ sei, davon habe er noch nie gehört?
    Und dann geh ich mir in der Kneipe, in der das Ganze veranstaltet wird, die Hände waschen, und das Wachbecken sieht (runterscrollen, VORSICHT!! gewalthaltige Bilder) SO AUS? Und auf dem Thresen steht (VORSICHT gewalthaltiges Bild) dieses Ding?
    (DAS GESCHENK EINES AUS DEM DIENST SCHEIDENDEN PROFESSORS WIR HABEN UNS KEINE GEDANKEN GEMACHT DAS KONNTEN WIR NICHT WISSEN *schluchz*)

    Das ist eine Lesung, die ich mit nicht unter zwei Bodyguards und einer Co-Referentin halte, Leute. Von den Veranstalter_innen finanziert. Und vier Monate vorher angekündigt, damit ich mich darauf einstellen kann.

    Räume sollten immer barrierefrei sein, und es ist immer respektlos und ausgrenzend, Veranstaltungen in nicht barrierefreien Räumen abzuhalten. Aber wenn ich einen Vortragenden einlade, der im Rollstuhl sitzt, und mein Veranstaltungsort ist im 4. Stock ohne Aufzug?

    Es geht nicht um „besondere Anforderungen“ oder fortgeschrittenes Wissen. Es geht um eine MENSCHLICHE UMGEBUNG. RESPEKT.
    Dass erst Noah Sow kommen musste, damit diese Unsäglichkeit aus der Kneipe verschwindet? Um so schlimmer, Leute.

    Ich als Weiße? Kann die Gelegenheit wenigstens nutzen, um wieder und wieder zu versuchen, mir den Ansatz einer Vorstellung der ganz normalen Schrecklichkeit dieses „Alltags“ zu erarbeiten, und diesen Mist stoppen, wenn ich ihn sehe.

    29. Oktober 2011 at 11:12
  • Nachtrag: VORSICHT EXTREM GEWALTHALTIGES Bild unter dem „*schluchz*“-link, ganz unten. (Abagond: White Women’s tears)

    29. Oktober 2011 at 11:16
  • Madeleine Rau
    Antworten

    @colorblind: Im Grunde hätte ich es ja ahnen müssen, dass jemand, der sich den Namen colorblind gibt, hier den größten Blödsinn von sich gibt. Zum Vorfall in Fulda selbst lässt sich nichts hinzufügen, was vorherige Kommentare bereits sehr gut und richtig eingeordnet haben und die richtige Literatur ist hier auch schon mehrfach gepostet worden. Umso schlimmer, dass Sie dann diese offensichtlich weiter ignorieren oder das Lesen leider nichts bringt. Auch ich frage mich ernsthaft, wie Sie nach eigenen Angaben jahrelang Bücher über Rassismus gelesen haben wollen und es dabei geschafft haben, die Selbstbezeichnungen POC zu überlesen. Ich wundere mich noch mehr über ihr „Wissen“, das die politisch korrekten Bezeichnungen Schwarz und Weiß politisch unkorrekt sein sollen – wo haben Sie das gelesen? Nun wissen Sie ja, was POC bedeutet – oder doch nicht? SIE haben ja gleich spontan ihren Freundeskreis SELBST in POC und Weiße eingeteilt (nach welchen Kriterien?). Auch das ist Weißes Verhalten. Deshalb nochmal: POC ist eine Selbstbezeichnung. Auch wenn Sie der Meinung sind, mehr als Lesen könne man eben nicht tun: Doch, können Sie! Fangen Sie doch damit an, die Lebensrealität ihrer FOC wahrzunehmen (in Ihrem Alltag gibt es dafür sicherlich über die Lampe hinaus täglich Anlässe und Objekte zum Üben).

    29. Oktober 2011 at 11:43
  • viruletta
    Antworten

    Der ganze Vorfall tut mir wahnsinnig leid und ich will mir gar nicht vorstellen, wie es sein muss, im Anschluss daran auch noch hier mit all diesen rassistischen Kommentaren fertig werden zu müssen. Ich werde wohl niemals verstehen können, wie so viele „Linke“ sich allen ernstes für emanzipativ halten können, ohne die eigenen Privilegien zu reflektieren und sich dann im Anschluss darum zu kümmern, sie abzubauen.

    PoC wird auch in diesem Falle wieder ein Bildungsauftrag zugewiesen, sie sind in der Bringschuld und werden dafür verantwortlich gemacht, Rassismen aufzudecken und Strategien zu ihrer Überwindung zu erarbeiten. Ein Problem der Weißen, was auf Schwarze abgewälzt wird – und im besten Fall wird dann im Anschluss sogar noch Dankbarkeit dafür erwartet, dass mensch ja bereit ist, sich kristisch mit ihrem*seinen Weißsein auseinanderzusetzen. Selbst mich schüttelts bei diesem Gedanken – und ich bin weiß…

    Ich frage mich auch, aus welcher Motivation heraus die Hochschulgruppe diese Lesung organisieren wollte. Wenn es ihnen nämlich um ernsthaftes Interesse an Antirassismus und Critical Whiteness gegangen wäre, dann hätte mensch ja wohl auch die Lektüre von zumindest EINEM Buches zu diesem Thema erwarten können. Ich persönlich lege da ja immer allen „Deutschland Schwarz Weiß“ ans Herz, weil ich es für sehr niederschwellig halte. Noah Sow verwendet dort keine unnötige Fachtermini und wo sie doch auf welche zurückgreift, da erklärt sie diese auch sogleich. Ironischerweise hätten die Organisator*innen jede einzelne dieser Situationen verhindern können, wenn sie vorher das Buch der Referentin gelesen hätte – denn all diese Beispiele werden dort ebenfalls aufgegriffen…

    29. Oktober 2011 at 13:19
  • ich bin so froh, dass du gegangen bist… :) und der ganze schaum vor’m mund der kritiker_innen (die alle immer „arroganz“ brüllen, wenn people of colour auf einmal total „uppity“ sind und es sich doch tatsächlich erdreisten, sich mal nicht gleichzeitig unerträglich scheiße behandeln lassen zu müssen und dann in reaktion genau jenen leuten mit mildem lächeln erklären zu sollen, warum sie gerade scheiße behandelt werden) zeigt ja nur, wie rassistisch diese leute tatsächlic sind. und es ist schon eine leistung, eine anti-rassistische veranstaltungsreihe zu organisieren und nicht zu wissen, was der begriff „people of colour“ heißt. einfach… nur… *face palm*

    29. Oktober 2011 at 15:39
  • [crossposted: Mädchenmannschaft
    Was mich übrigens erstaunt, ist, dass die Argumente so interessant strukturiert sind – in etwa, “Ja, das mit der Lampe war scheiße, aber POC kennen echt nicht alle, da hätte sie … [Arroganz!/Gelegenheit nutzen!/educate me!/Diva!/Wegen sowas absagen!/Nur weil man mal ein Wort nicht kennt!]”
    Dabei war es nicht nur zeitlich umgekehrt (also, erst kam das mit dem Selbstbezeichnung-die-Noah-Sows-gesamtes-Werk-durchzieht-nicht-kennen, dann kam das mit der Lampe).
    Sondern auch die Reaktion stellt sich dadurch “praktischerweise” völlig anders dar. “Noah Sow hat die Lesung geschmissen, weil Leute ‘PoC’ nicht kannten”, oder so.

    Dabei hat sie zu dieser Unkenntnis lediglich geschwiegen, genauso wie zu der Aufforderung, selbstverständlich als Erklärperson zur Verfügung stehen zu sollen, genauso wie zu der alltagsrassistischen Unverschämtheit, als PoC einfach “selbstverständlich” geduzt zu werden (ja, ich habe selber Uni-Veranstaltungen organisiert, NEIN, es werden NICHT alle einfach geduzt, ja, es IST rassistisch)
    Diese ganzen Ereignisse bilden zusammen einen rassistischen Kontext, was völlig übergangen wird, und der in der beschissenen Lampe erst gipfelt.

    Das heißt, Leute suchen sich die von ihnen empfundene “Schwachstelle” raus, übergehen komplett den Rest, verdrehen die Reaktion und machen sich dann ans Werk, Noah Sows Reaktion zu beurteilen (an sich schon respektlos) anhand dieser Fehldarstellung Marke Eigenbau.

    29. Oktober 2011 at 15:41

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