Megafon, durchgestrichen

Die 21-Tage-ohne-Proklamieren–Challenge

Wie in der Wiener Vorlesung versprochen, hier die Challenge zum Teilen und Mitmachen.

 

 

Challenge-Anleitung:

  • – Challenge vor Zeug_innn (online oder offline) annehmen

 

  • – Homepage und Social Media Profile untersuchen und ändern (z.B. „bei mir hat Diskriminierung keine Chance“ ändern in „ich versuche, wach zu bleiben“ oder „überzeugter superwoke Feminist“ ändern in „dude übt“… Kreativität ist gefragt!)

 

  • – 21 Tage lang on- und offline nicht durchsagen, wogegen oder wie undiskriminierend oder wie anderweitig gesellschaftspolitisch überwoke wir sind, sondern stattdessen Assistenz und Ressourcen anbieten (read: hinüberschaufeln) den Menschen und Organisationen, die existenziell(er als wir) kämpfen; ihre Verlautbarungen teilen, und das alles, ohne Kekse und Aufmerksamkeit zu verlangen. (Ich seh das, wenn Leute tweeten „haben unseren Raum gratis für Empowermentprojekt vergeben und sogar die Küche aufgeräumt, yeah *feier* *schulterklopf* *aufs-Tshirt-druck*“.)

 

  • – Bei Ausrutscher: zurück zu Tag 1
  • – locker bleiben; total geheimer Hinweis: das Ziel ist nicht, dass die Challenge schnell vorbei ist, sondern dass die Gewohnheit durchbrochen wird.

 

Insbesondere sind Schlagworte der Selbstfeierei zu beachten, die sich schon verselbständigt haben und deswegen oft „durchrutschen“, wie z.B.

 

 

  • „Schule mit Courage“ Versteht kein Mensch, was das für ein selbstverliehenes Abzeichen sein soll; wofür braucht eine Institution Courage? Höchstens brauchen die Schüler_innen Courage, da jeden Tag hinzugehen, aber die bekommen keinen Titel verliehen..

 

  • „barrierefrei“ (nope. es heißt barriereärmer)

 

  • Antidiskriminierung (heißt in Wirklichkeit Diskriminierungsabbau)

 

  • „Wir sind die 99%“ (lol, nein)

 

  • Liste bitte unbedingt ergänzen, z.B. in den Kommentaren oder auf Facebook

 

 

Sinn:

Die Challenge dient dem Aufbrechen verkrusteter Verhaltensmuster und des Betriebssystems „Ich bin ein guter Mensch und deswegen kann ich gar nicht rassistisch oder sexistisch [usw.] sein, und brauch mich daher auch nicht zu hinterfragen“. Wir nennen es in meinem Kolleg_innenkreis auch den Sozi-Ausgangszustand. .Die Challenge ist geeignet für alle Menschen, die glauben, sie können ja gar nicht Teil des Problems sein, und auch für die, die an brauchbarer solidarischer Praxis dranbleiben möchten.

Je weniger wir auf Autopilot laufen – der Autopilot, den uns die Gesellschaft aufgedrückt hat, die wir als diskriminierend wahrnehmen – , desto weniger kann internalisierte supremacy sich in unserem eigenen täglichen Verhalten, Benehmen, Mitdenken (bzw. nicht-Mitdenken) und Publizieren auswirken.

 

Werbung:

In den Seminarsitzungen „Geld- und Solipolitiken“ und „Ankündigung und Promotion“ in meinem Onlineseminar „erfolgreich rassismuskritisch veranstalten“ werden weitere ganz praktische Aspekte von vereinfachten Verortungen wie „Helfer_in, guter Mensch, progressiv, nichtdiskriminierend“ usw. herausgefordert und ohne großes Aufhebens hinausgebeten.

 

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