Es ist kein transformatives Projekt, wenn es Nichtbinäre Personen nicht berücksichtigt. – aka: „Wir machen was für Belastete, außer für die am meisten Belasteten“

Vorab: Viele und immer mehr Communityprojekte haben Ausschlüsse auf dem Schirm und sind gut dabei, mit diskriminierenden Praxen von gestern aufzuräumen. Ihnen meine Hochachtung. Dieser Artikel dreht sich um die anderen, leider zahlreichen, Projekte, die noch nicht so weit sind.

 

Strukturelle Verletzungen die innerhalb von Communities ausgelöst werden, können tödlich sein. Wenn ich von der ganzen Welt gemobbt werde, vielleicht sogar meine eigenen Eltern mich rassistisch betrachten, ich dann endlich eine Gruppe finde, die viele meiner Erfahrungen teilt, und innerhalb der ich nicht per se als subhuman gelesen werde (wie ich denke)… aber dann von genau dieser Gruppe diskriminiert und ausgegrenzt werde – etwas schlimmeres und traumatisierenderes kann sich eins kaum vorstellen.

 

„Strukturelle“ Verletzungen deshalb, weil es ein großer Unterschied ist, ob Leute sich nur einfach ignorieren /streiten, oder ob Ausgrenzung vorliegt entlang der üblichen Verteilung von Macht und Gewalt, also nach Gender, Herkunft, Orientierung, Behinderung, Klasse, Körperfarbe, Kaste usw. Zum Einen ist persönlich-vs.-strukturell ein Unterschied auf der Gewalt-Ebene, und zum anderen, und das wird seltener erwähnt, auch in denen, die diese Gewalt trifft. Wenn zu Hass und/oder Ausgrenzung das Wissen über einen jahrhundertelangen Konsens über diesen Hass /diese Ausgrenzung hinzu kommt, wenn Ausgrenzung nicht mich persönlich meint, sondern generell alle Leute, die sind wie ich, ist das schon noch mal was anderes. (Es ist ein landläufiges Missverständnis, dass Gewalt schlimmer sei, wenn sie ausschließlich persönlich gemeint ist.)

 

Diskriminierung innerhalb von Communityprojekten

 

Einer der Gründe, weswegen wir kaum über Diskriminierung innerhalb von Communityprojekten reden, ist, dass es peinlich und schmerzhaft ist. Und umstritten. Als Schwarze Menschen leben wir mit dem ständigen Bewusstsein,

Memos und Checklisten für diskriminierungsärmere Veranstaltungen

In letzter Zeit habe ich mehrere Anfragen bekommen, für Einrichtungen zu Beginn ihres Öffnungsprozesses Veranstaltungsreihen zu konzipieren und/oder ihnen Checklisten für diskriminierungsfreie Veranstaltungen zu erstellen. Hier meine offene Antwort.

 

 

Liebe [Person von Bildungsstätte, Museum, Kulturzentrum … die mich gefragt hat, ob ich Checklisten für Diskriminierungsabbau bei Veranstaltungen hinsichtlich Barrieren, Rassismus, Diversität und Inklusion… schicken oder erstellen kann],

 

Ich freue mich, dass ihr euch Öffnung und Diversität wünscht.

 

Von einer externen Konzeption mit Checklisten halte ich allerdings ehrlich gesagt nicht so viel. Keine externen Personen können eure Einrichtung und eure Talente so gut kennen wie ihr selbst.
Checklisten und externe Konzepte tragen in sich das Gefahrenpotenzial moralischer Auslagerung.

Konkrete Tipps und Argumentationssammlungen rund um die aktuellen Proteste gegen rassistische Polizeigewalt

(In Punkt 2 ist ein großartiger Video-Sketch)

 

Es ist so weit. Die Einkehr soll unterbrochen werden. Weil es wichtig ist. Die nachfolgenden drei Infos/Tipps habe ich für die Seminarteilnehmenden von „Erfolgreich rassismuskritisch veranstalten“ geschrieben, aber dachte mir danach, dass das besser ganz öffentlich gesagt werden sollte:

 

– Tipp 1) Veranstaltungsfail: Protest-Themaverfehlung
– Tipp 2) Slogan-Fail „all lives matter“
– Tipp 3) Nicht-Reaktionen weißer Freund_innen / Familie

 

Gründe, warum eine Person dir nicht folgt, dir entfolgt, oder nicht auf deine Nachrichten antwortet

*

 

Aka: Soziale Netzwerke, Following Entitlement, Entfolgen-Drama und mentale Gesundheit

 

Ich bin in letzter Zeit vielen mir bekannten und nicht bekannten Leuten entfolgt und habe interessante Konversationen gehabt mit Kolleg_innen, die gerade dasselbe tun (social media detox anyone). Manchmal wird nachgefragt, warum ich online entfolgt bin. Meine Antwort ist in den meisten Fällen, dass ich das gar nicht mehr konkret weiß, weil ich subjektiv und spontan so gut wie allem entfolge, was mich belastet, bzw. im Idealfall bevor es mich wirklich belastet. Das können sein Beiträge, die mich übertrieben traurig machen, bestimmte aktuelle politische News (oder Gesichter), extrem persönliche Posts, Posts mit kaum was an, uva.

Aus nicht-subjektiven sondern ethischen Gründen entfolge ich auch sofort bei

Überlegungen zum Veranstalten und Kuratieren für postkoloniale Projekte und Antidiskriminierungsarbeit

Kuratieren wird ernst genommen, aber nicht als Tätigkeit sondern als Haltung:

 

– Ich kuratiere jetzt!

– Ach?

–  Ja, ich hab drei Kumpels gefragt, ob sie bitte auf einen Plastik-Igel einschlagen können! Ich habe eine PERFORMANCE KURATIERT™ !

 

Bezüglich Antidiskriminierungsarbeit ist den meisten Leuten nicht klar, dass Interesse und Leidenschaft nicht automatisch bedeutet, dafür auch qualifiziert zu sein. Viele fangen mit dem Veranstalten so an, dass sie sagen „ja das interessiert mich… da muss man was machen™“ und probieren dann irgendwas. Das wäre in Ordnung, wenn alles auf Augenhöhe stattfinden würde Transformative Vorhaben sind aber nie auf Augenhöhe sondern verhandeln die Augenhöhe. Also geht es in der Regel so aus, dass die Person mit der Entscheidungsgewalt an Personen mit weniger Entscheidungsgewalt etwas übt und ausprobiert, zugunsten der eigenen Lernprozesse, Zufriedenheit und Karriere. Und diese Dynamik ist bei Arbeit für Diskriminierungsabbau unwürdig.

 



Bizarr: Je transformativer ein kuratorisches oder veranstalterisches Vorhaben ist, desto weniger wird Qualifikation erwartet, und desto weniger wird i.d. Regel bezahlt. Ergebnis:

Lieber Verlag mit großer Kinder- und Jugendbuchabteilung,

der mich für einen Workshop/Impulsvortrag zu „gendergerechter und diskriminierungsfreierer Sprache“ eingeladen hat, um u.a. den Pool an „externen Kreativen“ (Übersetzung, Illustration, Text…) von Kinder- und Jugendbüchern zu „sensibilisieren“:

 

Danke für die Mail.

 

Wenn die Diversität, die wir in der Gesellschaft haben, im Pool der Schreibenden, Textenden, Übersetzenden, Illustrierenden und Lektorierenden wiedergespiegelt wird, komme ich gerne von egal woher dafür angereist, versprochen.

 

Falls das nicht der Fall sein sollte, wäre das Kernproblem auch schon identifiziert.

 

Meine neue Buchveröffentlichung: Afrodeutscher Heimatkrimi »Die Schwarze Madonna«. Detektivin Fatou ermittelt in Bayern.

Edit August 2020 – Lesestimmen:

– „Das beste deutsche Buch, das ich dieses Jahr gelesen habe. Meet your perfect Sommerkrimi.“

– „Vielfältig und lebendig“

– „Wer die ländlichen Regionen Deutschlands nur ein wenig kennt weiß: es ist alles wahr!“

– „Jetzt weiß ich definitiv mehr über Afro-Haare als vorher“

– „Von Anfang bis Ende spannend!“

– „Insbesondere Mädchen of Colour haben super Identifikationsfiguren. … Das Buch ist für sehr unterschiedliche Zielgruppen spannend. So lebensnah!“

– „Spannend geschrieben und trotzdem locker, habe auch viel laut gelacht!“

– „Eine solche Geschichte habe ich noch nie gelesen und wünsche mir, dass es viele Fortsetzungen gibt!“

„Das Buch ist der Hammer. Gönnt euch das Schwarze Oberbayern.“

 

ausführlichere Rezensionen:

 

 


Edit Dezember 2019: Fatou ist schon BoD-Bestseller! DANKE Euch!! <3

 


Jetzt ist es raus, als Taschenbuch, gebundene Ausgabe und Ebook. Bestellbar in jeder Buchhandlung und auch bei BoD direkt.

zum BoD-Shop

probelesen

Fürs Epub Format empfehle ich den BoD-Shop. Kindle Format gibts auf Amazon (argh).

 

Gebundene und Taschenbuchversion Seite an Seite

 

Story: Die Hamburger Kaufhausdetektivin Fatou Fall fährt mit ihrer elfjährigen Tochter Yesim in die katholische Wallfahrtsstadt Altötting in Oberbayern. Das Mädchen soll dort „ihre anderen Roots“ kennenlernen. Als sie die Kapelle der Schwarzen Madonna besuchen, werden sie Zeuginnen eines Vandalismus mit islamistischen Parolen. In der angespannten Stimmung des Regionalwahlkampfs macht sich zunehmend fremdenfeindliche Stimmung breit. Doch Fatou glaubt nicht daran, dass die Täter Fremde waren. Sie folgt ihrer Intuition und beschließt, den Vorfall aufzudecken. Mit Unterstützung der örtlichen Refugee-Gruppe ermittelt sie in mono- und multikulturellen Milieus und parteipolitischen Parallelgesellschaften – und ist der Lösung zum Greifen nahe, als ein weitaus schwereres Verbrechen geschieht.

 

Journalist_innen und Blogger_innen/Influencer_innen können ein kostenloses Rezensionsexemplar bekommen. Wie es geht, steht unten.

Motivation, das Buch zu schreiben

Ich wollte einmal ein ‚leichtes‛ Buch aufschlagen, das in meinem eigenen Kulturkreis spielt, und in dem ich nicht befürchten muss, als finstere Bedrohung, hungrig, hauptberuflich hilflos oder exotisches Sexobjekt repräsentiert zu werden.

Ich möchte, dass Menschen, die strukturell belastet werden, die Ruhepause, die Cosy-Krimis von einem schweren Alltag bieten, ebenso bekommen können wie alle anderen.

Der Cosy-Krimi wird bei uns oft als ’seicht‘ belächelt. In ihm wird dem Persönlichen, dem kleinen Vorkommnis, genausoviel Bedeutung beigemessen wie dem Verbrechen. Ich sehe das nicht als Manko, sondern als Mittel der Verbindung.

Neuer Kurs! Berufs-Empowerment für Freiberufliche mit Diskriminierungserfahrungen

Ein neuer Onlinekurs von mir ist soeben gestartet. Er ist dafür da, bei Jobs gleich von vornherein akzeptabel behandelt zu werden und die Nerven zu schonen.

 

Für alle, die Workshops geben, auftreten, moderieren, vortragen oder sonstige Jobs für Honorar machen.

 

Ich wurde in den letzten 30 Jahren freiberuflicher Tätigkeit auf jede erdenkliche Art abgezogen, die es gibt. Daraus habe ich viel gelernt, unter anderem, dass gewöhnliche Verträge mich nicht vor Nachlässigkeit und diskriminierender Benachteiligung von Auftraggebenden schützen. Im Laufe der Zeit entstand in Zusammenarbeit mit verschiedenen Jurist_innen mein eigenes Vertragswerk. Es reifte und wurde geschliffen wie ein Kiesel in der Strömung :-) – und es funktionierte so gut, dass irgendwann Rechtsabteilungen mich um Rat für bestimmte Umsetzungen fragten. Der Vertrag, den ich für Jobs verwende, ist auch kürzlich nochmal von juristischer Seite1gründlich durchgecheckt worden. Jetzt mache ich ihn öffentlich zugänglich, damit alle, denen es genauso geht wie mir, davon profitieren können.

 

Früher wurde erwartet, dass wir sogar noch dankbar dafür sein sollten, wenn wir unser Befreiungswissen oder unsere Überlebenskunst mal bei einer öffentlichen Veranstaltung teilten.

Die ersten, die dafür Geld verlangten, wurden gierig und unsolidarisch genannt – zumeist von weißen Linken in Ché Guevara T-Shirts. Vorgespult: Heute ist bekannt, dass ein Panel zum Thema Teilhabe, Gesellschaft, Zukunft … ohne Personen of Color nichts relevantes produzieren kann. Vereine bekommen Förderungen in Millionenhöhe, um Hilfestellung beim Implementieren von Diversität zu geben. (Was diese Vereine dafür qualifiziert und wie sich ihre Leitungsposten und Festanstellungen kulturell zusammensetzen, sei bitte gründlich analysiert, aber darum soll es hier mal kurz nicht gehen.) Was bei der erfreulichen Entwicklung auf der Strecke blieb, ist einmal mehr die Bildung und Fortbildung der Einzelkämpfer_innen: der Freiberuflichen. Dieselben Schwarzen, Behinderten, Queeren, Nichtbinären, etc. etc. jedenfalls Personen mit reichen intersektionalen Erfahrungen, die reichhaltige Bildung, Wachstumsanregungen und Denkanstöße für die Mehrheitsgesellschaft bieten, werden allein gelassen, wenn es darum geht, welche Umstände es wären, in denen wir diese Arbeit überhaupt zumutbar tun könnten:

 

Wir werden zu „kontroversen Diskussionen“ eingeladen, auf denen irgendwelche Nazis das Mikro bekommen.

 


  1. Besten Dank an dieser Stelle für Rechtsanwalt-Brother Lukas Kempkes!

„Abschießen“ und „einfangen“: häufige Fails und bessere Praxen für Foto, Video und Presse auf diskriminierungssensiblen Veranstaltungen

Broschüre: grafisches CoverDer Artikel ist nicht nur ein Ausschnitt aus meinem Onlineseminar und jetzt hier online sondern auch ein Beitrag in der Broschüre Veranstaltungen planen und durchführen. Diversity-sensibel – Nachhaltig – Inklusiv.

 

Vergünstigte Seminarteilnahme!

Sagenhafte 40% Ermäßigung für Teams von 2 und mehr Personen auf meine gesamte Online-Fortbildung „Erfolgreich rassismuskritisch Veranstalten“! Wie es geht, steht unten.

 

 

 

Der Wunsch, die eigene Veranstaltung in Form von Fotos oder Videos festzuhalten, ist verständlich. Oft verlangen geldgebende Stellen auch Bilder vom Event. Mit Bedacht erstellt, können Fotos und Videos empowernd wirken und dabei helfen, in Zukunft noch besser das Zielpublikum zu erreichen. Jedoch lauern hier viele Fallstricke. So kommt es regelmäßig zu Grenzüberschreitungen, wenn Veranstaltenden nicht gegenwärtig ist, welche weitreichenden Nebeneffekte Fotos und Videos haben.

Aus der Physik ist bekannt, dass Experimente bereits durch den Akt des Betrachtens verfälscht werden. Das trifft in noch höherem Maße auf soziale „Experimente“ zu: Der Wunsch zur Aufzeichnung verändert die Veranstaltung.

 

1) Das Publikum filmen oder fotografieren

Die Tradition, bei Veranstaltungen spontan in das Publikum zu fotografieren, ist mit unserem Ziel, Diskriminierung und ihren Folgen entgegenzuwirken, nicht vereinbar (und verletzt im Übrigen auch die Persönlichkeitsrechte der Fotografierten). Spontane Fotos verunmöglichen es beispielsweise illegalisierten Menschen, an der Veranstaltung gefahrlos teilzunehmen. Daran ändert auch nichts, einen Zettel außen an der Tür anzubringen, auf dem steht „Die Veranstaltung wird gefilmt“ oder dies auf die Einladung zu schreiben. Der Ausschluss wird dadurch nicht vermindert.

 

Was manche im ersten Moment als ungewöhnlich oder sogar übertrieben empfinden mögen, offenbart sich bei der näheren Betrachtung als durchaus leicht nachvollziehbar:

 

Was macht der Akt des Fotografierens – außer einem Bild – noch alles?

 

  • Er manifestiert, wer Subjekt und wer Objekt ist.
  • Er manifestiert, dass die Sicht von außen auf eine Situation Vorrang hat vor der Sicht der teilnehmenden Person.
  • Er ermöglicht die Dokumentation und gibt somit die Macht über die Nacherzählung (welche bei verschiedenen Personen und Positioniertheiten vollkommen unterschiedlich ausfallen kann).
  • Er verleiht die Macht, das Material zu veröffentlichen und in einen Kontext zu setzen, zum Beispiel mit einer diskriminierenden Bildunterschrift.

 

Wenn wir nüchtern aufführen, welche Signale und Sekundärfunktionen vom Akt des Fotografierens ausgehen, wird deutlich, dass es sich dabei nicht um einen technischen Vorgang handelt, sondern um eine soziale Verhandlung, die stark mit Hierarchien, Macht und Ohnmacht verflochten ist. Nicht umsonst herrscht in unseren Bildarchiven und Materialien der dominante Blick vor: Die Welt wird von weißen Männern gesehen und gezeigt und Synonyme für das Fotografieren lauten „einfangen“ und „abschießen“.

 

Einige Gründe, nicht fotografiert werden zu wollen:

How To Get Back On Track With Your Self-Care Routine

 

 

If you’ve lost track of a morning routine that did wonders for your well-being, you’re not the only one! It’s ironic but it happens: we sometimes can’t seem to get ourself to do the things that lend us strength, health, balance.

 

You know you were much happier when you started your day with a meditation or some exercise or morning pages or drawing a cartoon or whatever, but now for no good reason you just don’t do it any more. You’re in good company, it happens to almost everyone! Now and here I won’t be getting into why that is, but how to get back on track:

 

Angewandtes Empowerment durch Yoga (und es ist wahrscheinlich nicht das, was du denkst!)

 

In meiner langjährigen Arbeit als Aktivistin und mit anderen Community-Aktiven wurde mir klar, dass es einen engen Zusammenhang gibt dazwischen, selbst „empowert“ zu sein und andere „empowern“ zu können.
Und mir fiel auf, dass oft diejenigen, die die meisten struktuellen Nachteile erleben, die größten Bemühungen auf sich nehmen, um ihre Communities und die nächste Generation zu stärken. (Wenn ich schreibe „größte Bemühungen“, ist das bitte keinesfalls zu verwechseln damit, wer oder wessen Vereine, Projekte oder Aktionen am auffälligsten oder bekanntesten sind.)

 

Was Empowerment eigentlich ist, wie es aussieht und sich anfühlt, darüber gibt es so viele Philosophien wie es Menschen gibt, die darüber nachdenken. Für manche ist empowert zu sein „wenn ich den Mut habe, zu protestieren“, für andere „wenn ich um Hilfe bitten kann“ und für wieder andere bedeutet Empowerment „wenn ich nicht um Hilfe zu bitten brauche“. Mein eigener Definitionsentwurf lautet: Empowert zu sein ist, wenn mein inneres Gleichgewicht nicht maßgeblich von äußeren Faktoren abhängt.

Mein Vorsatz für 2019: nachhaltig bei Erholung helfen

 

Toni Morrison schrieb vor über 40 Jahren:

»Die eigentliche Funktion von Rassismus ist, Dich von der Arbeit abzuhalten.
Indem du immer wieder deine Daseinsberechtigung verhandeln musst, immer wieder von vorne. …«. 1

 

Wenn meine Arbeit darin besteht, Hilfe bei Heilung und Diskriminierungsabbau zu betreiben, muss ich beides als Perspektive, als langfristige und dauernde Handlung verstehen. Dafür ist Konsequenz nötig. Wie in allen Vorträgen und Seminaren der letzten Jahre so oft wiederholt: Diskriminierungsabbau ist nicht, den Diskriminierten weniger Zeit und Aufmerksamkeit zu widmen als denen, die ohnehin schon überall bevorzugt werden. .

 

Im kommenden Jahr werde ich viel im Ausland sein. Die Zeit, die ich in Deutschland zubringe, will ich der *direkten* Empowermentarbeit noch viel mehr widmen als bisher.
Lernhilfen, um den Themenkomplex Rassismus zu verstehen, gibt es inzwischen reichlich inform von Büchern, Videos Hörbüchern, usw. Nichtwissen über gesellschaftliche Verhältnisse ist in unserem Informationszeitalter selbst gewählt. Jede Person, die leidenschaftlich gerne etwas über Bonsaizucht oder Aluminiumfelgen erfahren will, geht online oder in die Bücherei, informiert sich dort darüber und beginnt zu üben. Nur auf dem Gebiet struktureller Unterdrückung wird erwartet, dass die Unterdrückten vorbei kommen, um ihre Unterdrückung zu verhandeln. Dies zu durchbrechen, ist Diskriminierungsabbau.


  1. [K]now the function, the very serious function of racism, which is distraction. It keeps you from doing your work. It keeps you explaining over and over again, your reason for being. Somebody says you have no language and so you spend 20 years proving that you do. Somebody says your head isn’t shaped properly so you have scientists working on the fact that it is. Somebody says that you have no art so you dredge that up. Somebody says that you have no kingdoms and so you dredge that up. None of that is necessary. There will always be one more thing.“ Toni Morrison, Portland State, ‘Black Studies Center public dialogue. Pt. 2,” May 30, 1975.

Wien, Düsseldorf, Kiel, Heilbronn im November & Dezember: Empowerment, Kunst, Kulturpolitik, Yoga! Vorträge und Workshops

Die genauen Termine und links stehen auf meiner Homepage: https://www.noahsow.de/terminelive/ Bitte weiterleiten an möglicherweise Interessierte. <3   Das dürfte es dann an öffentlichen...

Yoga-Empowerment am 31.10. in Oldenburg und 2.11. in Hannover – und eine Keynote auf dem CLINCH Festival

Oldenburg, 31. Oktober: Praxisworkshop Empowermentyoga Angewandte Dekolonisierung im Körper; Vorbeugung und Linderung von Activist Burnout. KEINE"Gymnastik"/Stretching o.ä. Alle Übungen könnnen im Sitzen...

Live Vorträge: 12. Oktober Coburg, 20. Oktober Berlin

Coburg, 12. Oktober: Vortrag: "Wer spricht, wer liefert?" - Voraussetzungen für qualifizierte Antidiskriminierungsarbeit Mit anschließendem Vernetzungstreffen für (post)migrantische Initiativen und Aktive   18h Casimirianum,...

Sprachgebrauch in der Causa Özil: Über „Herkunftsdeutsche“ (argh) und „Migrationshintergrund“ (doppel-argh)

Aus gegebenem Anlass fasse ich mal ein paar Gedanken von mir zu einem Blogeintrag zusammen. Mit weniger Satzzeichen und viel mehr Ausrufezeichen hatte ich ähnliches schon über Twitter gepostet. Hier die lesbarere Fassung:

 

Übernehmt bitte nicht die Vokabel „Herkunftsdeutsche“.

 

So lang BPoC (= Menschen, die nicht weiß sind) nicht als deutsch akzeptiert werden, stützt „herkunftsdeutsch“ das rassistische Narrativ. Genauso wie auch das Unwort „Migrationshintergrund“, das komischerweise nie auf weiße Schwed_innen und Amis angewendet wird1.

 

Die Vokabel „Herkunftsdeutsche“ legitimiert außerdem die Un-Frage (weil keine Frage sondern freche Platzzuweisungs- Performance) „Und wo kommst du [wirklich/ursprünglich] heeeeer™??¿“, die Weiße immer BPoC aber nicht Sarrazin und De Maizière stellen.


  1. Überhaupt haben Weiße in erster Linie dann plötzlich einen Migrationshintergrund, wenn es darum geht, sich auf Stellen in Antidiskriminierungsbüros zu bewerben, oder PoC ihre Erfahrungen abzusprechen („Ich hab auuuch Migrationshintergrund, mein Papa ist Schweizer, ich kann das beurteilen“) aber das soll ein anderes Thema sein.