Erfolgreich rassismuskritisch veranstalten – Mein Onlineseminar ist live!

Lang schon hatte ich es angekündigt und jetzt ist es endlich live: das Onlineseminar „Erfolgreich rassismuskritisch veranstalten“. Dabei ging es mir wie mit dem Schreiben von Deutschland Schwarz Weiß: Ich hatte nicht initial „Lust“, es zu machen. Das soll nicht heißen, dass der Prozess mir nichts gegeben oder ich die ganze Zeit schlechte Laune gehabt hätte. Im Gegenteil! Ich habe viel dabei gelernt und auch Freude gehabt (und Erleichterung). Was ich damit meine ist, dass die eigentliche Triebfeder einmal mehr war, dass ich etwas gebündelt öffentlich stelle, das ich ansonsten weiterhin immer wieder aufs neue erklären oder verhandeln muss, wenn ich möchte, dass schmerzhafte rassistische Situationen seltener werden.

 

[Impressionen aus dem Seminar]

 

 

Internet sei Dank ist das heute noch viel leichter möglich als vor zehn Jahren, als Deutschland Schwarz Weiß erschienen ist. Und ich bin inzwischen große/r Fan von autonomen Veröffentlichungen: Keine Gatekeeper, die die Dringlichkeit nicht nachvollziehen können/wollen. Keine Verhandlungen darüber, wie weit mensch sich zu Promotionzwecken in Talkshows erniedrigen lassen soll. Und vor allem die selbstbestimmte Monetarisierung von Widerstandswissen. Darum geht es nämlich durchaus auch.

Warum „fair“ problematisch ist

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Aus der Hinteren Reihe: Unterricht mit vertauschten Rollen und bizarren Vorkommnissen

Auftrag: Eine Doppel-Schulstunde Lesung aus meinem Buch „Deutschland Schwarz weiß“ vor SchülerInnen der 13. Jahrgangsstufe eines Gymnasiums in NRW, ab 10h.

Gedächtnisprotokoll

9:30

Ein freundlicher Lehrer stellt sich vor und fragt mich, ob ich nach meiner Lesung noch diskutieren werde. Ich verneine und empfehle ihm, das Gehörte sich erst setzen zu lassen – um es anschließend in Gruppen im Unterricht weiter zu besprechen und aufzuarbeiten.
Der Lehrer muss während meiner Lesung eine andere Unterrichtsstunde halten, er „übergibt“ daher die Klasse für diesen Zeitraum an seinen Kollegen, einen Geschichtelehrer, etwa in meinem Alter. Dieser sitzt während der Lesung hinter den SchülerInnen. Es sind PoC- und weiße SchülerInnen anwesend.

10h

Beginn der Lesung, Einführung in Stand der Wissenschaft und Stand des Mainstream, postcolonial studies, kritische Weißseinsforschung, Privilegienliste.

10:30

Frage von mir: „Hatten Sie Kolonialismus im Geschichte-Unterricht?“ Antwort der Schüler: nein. Ein Schüler sagt dazu: „ist ausgefallen“. Ich bemerke, dass das interessant sei und gebe einen kurzen Überblick über Deutschlands koloniale Aktivitäten, mit Augenmerk darauf, wie Hagenbecks Völkerschauen Entmenschlichungsbestrebungen unterstützten, wie Europa durch seine Kolonialaktivitäten ökonomische Vorteile entstanden sind, welche Rolle Rassismus bei der Rechtfertigung der Kolonial-Aktivitäten und -Überfälle spielt, usw. Der erste Teil des Überblick-Textes endet mit den Worten „Das haben Sie vermutlich nicht im Geschichte Unterricht gelernt“.

Der Geschichtelehrer ruft dazwischen „Doch, wir hatten sehr wohl Kolonialgeschichte“. Ich erkläre, dass es bei meinem Vortrag um die verschiedenen Perspektiven und Betrachtungsweisen geht, vor allem solche außerhalb eurozentrischer oder kolonialverharmlosender. Der Lehrer möchte wohl direkt in einen Dialog treten und ruft aus der letzte Reihe etwas wie „aber das hat Gründe warum das nicht durchgenommen wird, das liegt an Unterrichtskürzungen…“ usw. Ich entgegne, dass es mir zunächst ganz leidenschaftslos um die Feststellung der Tatsache geht, dass das Thema kaum oder einseitig im Unterrichtsmaterial abgebildet ist, dass das sicher auch seine Gründe habe, dass die Lehrerschaft dies ja analysieren oder ändern könne. Er will weiter diskutieren. Unruhe in der Klasse, in erster Linie seitens des nicht zufriedenen Geschichtslehrers. Ich versuche, in Ruhe weiterzulesen. Die SchülerInnen sind sehr aufmerksam.