Interview mit Sharon Dodua Otoo: »Schreiben im Community-Style«

Allen, die davon träumen, ein eigenes Buchprojekt zu realisieren, empfehle ich wärmstens den internationalen Schreibe-Support-Monat „NaNoWriMo“. Hier steht mehr darüber. Er naht schneller, als meiner Szenentabelle lieb ist (ich bin gern gut vorbereitet, ansonsten wird aus Heimatkrimi bei mir fix versehentlich Science-Fiction-Kochbuch-Sachtext-Bedienungsanleitungs-Splatter).

Anlässlich des vergangenen NaNoWriMo habe ich Sharon interviewt. Ihr wisst schon, die diesjährige Ingeborg-Bachmann-Preisträgerin, Herausgeberin, Verlegerin und Community-Aktivistin! Wie das hektische Leben so spielt, ging die Zeit seither hinterrücks übertrieben schnell vorbei, Mea Culpa.

Jetzt habe ich mich aber zusammengerissen und das Interview endlich mal ordentlich für den Blog formatiert. Geht ja gar nicht, so etwas so lange zurückzuhalten (siehe letzte Frage).

 


 

N: Sharon, Du gibst Bücher heraus, betreibst eine Verlagsedition und schreibst auch selbst Kurzgeschichten und Erzählungen in Romanlänge. Hängen diese Tätigkeiten als logische Folge miteinander zusammen? Oder hat es sich für Dich zufällig oder aus anderen Gründen so ergeben?

 

S: Die hängen eindeutig zusammen. Das Ganze hat sein Ursprung in Aktivismus: ich will mit den Mitteln, die mir zu Verfügung stehen, mein Beitrag dazu leisten, dass es mir, meine (Wahl)Familie und meiner Community immer besser geht. Ich bin außerdem dem Rat von Toni Morrison gefolgt und schreibe die Geschichten, die ich

»Deutschland Schwarz Weiß« zu schreiben, war mein Trick. – Ein Einblick in persönliche Motive 8 Jahre nach Veröffentlichung

Ein Kernbestandteil von Rassismus ist, dass er ein System erschafft, in dem die, die unterdrückt werden, dazu angehalten werden, denen, die von dieser Unterdrückung profitieren, geduldig das Phänomen zu erklären. Tun wir es, wird dadurch unsere ganze Energie gebunden und wir arbeiten uns an anderer Leute Defiziten ab. Erklären wir nicht, werden wir für den Fortbestand der Unterdrückung ursächlich mitverantwortlich gemacht. Es ist eine Verhaftung, in der wir nichts zu gewinnen haben. Eines meiner Motive, damals »Deutschland Schwarz Weiß« zu schreiben, war, aus ihr auszubrechen.

Was kann ich von einer Literaturagentur erwarten? Worauf muss ich achten?

Was du über Literaturagenturen wissen musst – Teil 2 (Teil 1: hier)


 

Erwarten kann ich, dass sie meine Interessen konsequent gegenüber Verlagen vertreten. Und dass sie mich professionell beraten. Dabei sollten sie mich nicht als Profitmaximierungsroboter ansehen („schreib doch mal was besonders trauriges über deine schwere Kindheit, das haut bestimmt rein“), sondern als Person. Es gibt Agenturen, die das können.

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So läuft es meiner Erfahrung nach ab

 

  • Zuerst wird gemeinsam am Exposé und Manuskriptauszug gefeilt. 

 

Die Agentur lektoriert und korrigiert die Leseprobe, in Sachen Struktur und Sprache, aber nicht fachlich.

Sie stellen mir ihre Fragen zum Verständnis und zeigen mir, wo/wie ich nicht klar genug bin in meiner Message, Information, Zielgruppe, Tonalität, Form…

Dafür braucht die Agentur sich in meinem Fach/Thema nicht besonders gut auszukennen. Im Gegenteil. Die Meisten Autor_innen schreiben Sachbücher wahrscheinlich, um etwas mitzuteilen, beizubringen oder zu erklären. Die Agentur kann ein guter „zugewandter nichtexpertischer Erstleser“ sein und ein toller Gradmesser dafür, wo der Text „erreicht“ und wo das noch optimierbar ist. Wenn ich fachlich nicht tight bin, habe ich ein Problem, bei dem mir eine Agentur vermutlich nicht weiterhelfen wird.

 

  • Dann besprechen wir Folgendes:

 

Was du über Literaturagenturen wissen musst – Teil 1

Seriöse Agenturen werden niemals Geld vorab verlangen. Sie bekommen einen Anteil vom Vorschuss und den Tantiemen, die der Verlag an dich bezahlt. Genau wie die Autorinnen, arbeiten auch die Agenturen auf eigenes Risiko.

 

Angestoßen von einer Frage, die mich per E-Mail erreicht hat, beginne ich somit eine kleine Artikelserie über das „behind the scenes“ von Buchveröffentlichungen.

 

„Ich will mein Buch alleine herausbringen und brauche keine Agentur.“

 

Herzlichen Glückwunsch. Über Selbstpublishing und autonome Projekte wird es hier demnächst auch gehen, ich darf Euch schon ein ausführliches Interview mit der großartigen Sharon Dodua Otoo ankündigen.

 

„Bei meinem Buch geht es unter Anderem um Diskriminierung. Ich suche eine Agentur, die sich in diesem Thema auskennt. Hast Du einen Tipp für eine solche Agentur?“

 

Agenturen, die sich auf bestimmte Sachthemen spezialisiert haben,

Perfektes Zeitmanagement-Werkzeug für Schreibprojekte – oder: Wenn Sisters Software Schreiben

Nur noch ein paar Tage bis zum Erzählungsschreibmarathon ab 1. November.

 

Ich habe ein tolles kostenloses Werkzeug gefunden zum Schreibziele setzen und durchhalten, nicht nur für Romane: den Pacemaker (zu deutsch „Schrittmacher“). Darin lässt sich das Ziel eingeben und ganz leicht eine Kalenderübersicht der notwendigen täglichen Fortschritte erstellen: http://pacemaker.press/

 

Ich möchte zum Beispiel in zwei Wochen 20000 Zeichen geschrieben haben, für einen Blogeintrag oder einen Abschnitt eines Fachartikels.