Erfolgreich rassismuskritisch veranstalten – Mein Onlineseminar ist live!

Lang schon hatte ich es angekündigt und jetzt ist es endlich live: das Onlineseminar „Erfolgreich rassismuskritisch veranstalten“. Dabei ging es mir wie mit dem Schreiben von Deutschland Schwarz Weiß: Ich hatte nicht initial „Lust“, es zu machen. Das soll nicht heißen, dass der Prozess mir nichts gegeben oder ich die ganze Zeit schlechte Laune gehabt hätte. Im Gegenteil! Ich habe viel dabei gelernt und auch Freude gehabt (und Erleichterung). Was ich damit meine ist, dass die eigentliche Triebfeder einmal mehr war, dass ich etwas gebündelt öffentlich stelle, das ich ansonsten weiterhin immer wieder aufs neue erklären oder verhandeln muss, wenn ich möchte, dass schmerzhafte rassistische Situationen seltener werden.

 

[Impressionen aus dem Seminar]

 

 

Internet sei Dank ist das heute noch viel leichter möglich als vor zehn Jahren, als Deutschland Schwarz Weiß erschienen ist. Und ich bin inzwischen große/r Fan von autonomen Veröffentlichungen: Keine Gatekeeper, die die Dringlichkeit nicht nachvollziehen können/wollen. Keine Verhandlungen darüber, wie weit mensch sich zu Promotionzwecken in Talkshows erniedrigen lassen soll. Und vor allem die selbstbestimmte Monetarisierung von Widerstandswissen. Darum geht es nämlich durchaus auch.

 

Aus dem Wissen über Unterdrückungsmechaniken ist inzwischen eine Industrie geworden. Das wäre gerade noch erträglich, wenn das Wissen darin angewendet würde. Wird es aber in vielen Fällen nicht. Mir sind unzählige Antidiskriminierungsbeauftragte begegnet, die diese Aufgabe ehrenamtlich, zusätzlich zu ihren anderen Berufsaufgaben, „nebenbei“ erledigen sollen, und noch nicht mal Anerkennung und regelmäßige Fortbildungen dafür erhalten. Auf der anderen Seite gibt es „Diversity Management Consultant“-dudes, die Texte, die sie in den USA auswendig gelernt haben, in Konzerne tragen und dort nicht nur „Oohs“ und „Aahs“ sondern auch exorbitante Honorare ernten. Keines der beiden Modelle kommt infrage für die Subjekte intersektionalen Wissens, Schwarze Frauen*Inter*Trans*.

 

Mein publizistisches Credo heute: Wollen wir ehrlich sein, Schnickschnack weglassen (wie zum Beispiel das Streicheln von Egos derer, die keine Veränderungen wollen, oder sonstige Signale von Harmlosigkeit™ und Unterwerfung™), uns nicht verstellen und den Schwerpunkt von der Theorie wieder auf die Praxis zurück verschieben, weil (Er)Leben nun mal nicht aus Theorie besteht, dann müssen wir es wahrscheinlich selber machen. Das kann sich furchterregend anfühlen, weil es plötzlich keine Regeln mehr gibt, an denen sich orientieren ließe. Keine Hilfe im Prozess, niemand nimmt uns die Technik ab, sagt wie es läuft und gibt uns überschaubare Aufgaben. Stattdessen Überforderungsgefühle. Wenn wir gegen „So macht man das halt“ arbeiten, verlieren wir zuallererst die Orientierung. Das ist aber alles notwendig, damit wir neue Orientierungspunkte für uns verankern können:

 

Neue Orientierungspunkte: unser eigenes Wissen, das der Communities, und Bezüge, die auch für uns selbst bisher als weniger wichtig galten. Jeder Schritt muss neu durchdacht werden. Fehler werden gemacht. Entschuldigungen werden formuliert. Gute Ideen werden gemeuchelt, aus Gründen des moralischen oder gesellschaftspolitischen Selbstverständnis. Das ist hundertmal schwieriger, als bei Einslive eine lustige Sendung zu moderieren oder mal eben die eigenen Gedanken in einem kurzen Post zu formulieren. Es schüchtert ein. Deswegen machen das vermutlich nicht viel mehr Menschen. Teilt unbedingt in den Kommentaren mit, was Euch am meisten davon abhält, Eure Projektideen autonom zu realisieren! Mir geht es ja ganz genauso; erst wenn der „Leidensdruck“ größer wird als die Angst vor dem unübersichtlichen Großprojekt, packe ich es an.

 

Ein weiterer Vorteil des autonomen Publizierens von Widerstandswissen ist, dass es erfolgsunabhängig im herkömmlichen Sinn ist. Lasst mich erklären, wie ich das meine: Ob das Projekt ein Erfolg wurde, misst sich nicht in Zahlen und Zuspruch. Sondern einzig und allein daran, ob die Inhalte integer sind, und ob die wenigen Menschen, die sich ernsthaft damit beschäftigt haben, einen Erkenntnisgewinn davon hatten und etwas damit anfangen konnten, das ihnen hilft. Alles das stellt sich meistens erst Jahre später heraus. Der Druck liegt also fast vollständig im Schaffensprozess. Bei herkömmlichen Publikationen geht dagegen der Druck erst richtig los bei der Veröffentlichung. Ständig soll mensch nervös auf irgendwas Externes reagieren: die Verkaufszahlen, die Presse, die Likes…   Wo es doch eigentlich um interne Sachen geht: Wo sollte ich nächstes Mal präziser werden, wer konnte was damit anfangen, sollte ich erwägen, es zu übersetzen? usw.

 

Aber genug der Philosophie. Jetzt würde es mich freuen, wenn Ihr das Gute Stück betrachten mögt und es weitersagt. Wenn Ihr veranstaltet, besprecht, ob Eure Organisation es für Euch anschaffen kann. Wenn Ihr Veranstaltende kennt, leitet es an sie weiter. Wenn Euch Personen einfallen, die es gebrauchen könnten, schickt ihnen dezent einen Link. Und zwar zur

Infoseite des Seminars.

Danke für Eure Aufmerksamkeit.

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