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Deutschland Schwarz Weiß: Neue Version, ab heute als ebook erhältlich

Klick – weitere Shops folgen in Kürze

 

Jetzt erhältlich in neuester überarbeiteter Version als e-Book
Z.B. als EPub bei Weltbild (Rechnungskauf möglich!) oder als Kindle Buch bei Amazon (viele weitere Shops folgen in den Tagen nach der Veröffentlichung).

(viele weitere Onlineshops und Formate folgen in den nächsten Tagen ab VÖ zwischen dem 20. und 28. Juli)

- bis zum 10.8. zum Dankeschön-Preis von 2,99 €.

 

Endlich bin ich den Rufen der vielen Arbeitsgruppen gefolgt, dass das Buch auch digital erhältlich sein soll. Bei Sachbüchern bevorzuge ich inzwischen auch die ebook Version, weil sich darin besser markieren, nachschlagen und notieren lässt.

 

Gedauert hat es unter anderem deswegen so lange, weil ich für die neue digitale Auflage im Eigenverlag alle Freiheiten hatte, d.h. nicht nur kleine Änderungen vornehmen konnte, sondern auch große. Das ist bei den gedruckten Büchern anders.
Für die digitale Neuerscheinung konnte und wollte ich an vielen Stellen etwas anpassen und mir vor allem die Zeit nehmen, das ganze Buch noch einmal gründlich durchzugehen. Das eigene Buch liest mensch ja nicht ständig nochmal ganz durch.

 

Einige Änderungen und Ergänzungen habe ich eingebracht, weil sie angesichts neuerer Erkenntnisse und Phänomene geboten schienen. Das betrifft vor allem die Abschnitte »Wer ist Schwarz, und wer ist weiß?«, »Was ist Rassismus?«, »Das N-Wort«, »Weiße Eltern und Schwarze Kinder«, »Offene und getarnte rassistische Strategien«, »Institution Schule« sowie das »Ethno-Lexikon«. Neue Beispiele habe ich an manchen, aber nicht an sehr vielen Stellen eingebracht, weil traurigerweise die Beispiele aus dem Jahr 2007/2008 der Originalveröffentlichung nichts an ihrer Aktualität eingebüßt haben.

 

Vor allem aber habe ich ableistische diskriminierende Inhalte, die von mir selbst stammten, ersetzt, soweit ich sie identifiziert habe. Dies ändert freilich nichts daran, dass Schaden bereits entstanden ist und es jedes Mal, wenn die bisherigen Print-Auflagen gelesen werden, zu Verletzungen kommt, die vermeidbar gewesen wären. Dies bedauere ich sehr. Ich kann mich nur in aller Form entschuldigen und bei denen bedanken, die die Mühe auf sich genommen haben, mich auf diskriminierende Ausdrücke im Sprachschatz aufmerksam zu machen. Gerade vor dem Hintergrund meiner Behauptung, dass wir alle mit diskriminierendem Gedankengut sozialisiert werden, bin ich dankbar über Handreichungen, eigene Fehlleistungen zu erkennen. Siehe auch diesen Vorgang hier in meinem Blog, aus dem Jahr 2009: „“Deutschland Schwarz weiß” – Eine Entschuldigung!

 

Auch in anderen Passagen und Ausdrücken habe ich die Sprache des Buches an meinen eigenen Lernprozess angepasst. Ich kann daher die Digitalausgabe gegenüber der Printausgabe derzeit ganz besonders empfehlen, und werde den Verlag fragen, ob eine Neusetzung auch des Printmanuskriptes möglich ist.

 

Bis zum 10.8. wird das e-book zum Dankeschön-Preis von 2,99 € erhältlich sein. In den ersten Tagen der Veröffentlichung dauert es in manchen Onlineshops bisweilen noch etwas, aber in ein paar Tagen sollte es eigentlich überall erhältlich sein.

 

Zum Lesen des E-books ist übrigens kein separates Gerät nötig, das geht auch mit gratis Software am Mac oder PC.

 

Hier noch eine Liste halbseriöser Werbeaussagen* zur ebook-Neufassung:

 

  • Jetzt nicht auch mit Keksen!
  • Jetzt auch mit White Whine!
  • Jetzt auch mit Shitstorm!
  • Jetzt auch mit Rainer Brüderle [DURCHGESTRICHEN]!
  • Jetzt auch mit dem N-Wort von Schwarzen für Schwarze!
  • Jetzt auch mit Rassismus von PoC
  • Jetzt auch mit SDNSE (Seien Sie doch nicht so empfindlich™)
  • Jetzt auch mit OECD Studie über Rassismus im deutschen Schulsystem
  • Jetzt viel mehr Tipps für weiße Eltern
  • Jetzt auch mit Miley Cyrus!
  • Jetzt auch mit Bolaji Badejo, dem Original-Aliendarsteller!
  • Jetzt auch mit Autonomie!
  • Jetzt auch mit Sarrazin!
  • Jetzt auch mit Aneignung und Ausbeutung Schwarzer Forschungsarbeit!
  • Jetzt auch mit »Aber das ist doch in deinem Interesse!«
  • Jetzt mit neuen Forderungen für eine postkoloniale BRD
  • Jetzt auch mit Verhüllung
  • Digitalized in Schland!
  • Kapitel »Ethno-Lexikon« jetzt auch mit den Einträgen: „Ehrenmord“, „entdecken“, „Verhüllung“ und „Weiße“!
  • Nach wie vor sind enthalten: Zipfelmützen, Tokio Hotel und Mutter Beimer.

 

*die genannten Schlagworte werden zum Teil nur 1x in einer Fußbote erwähnt!

 

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21. Juli 2015 - 0 Comments

Offener Brief: Liebe Schüler_innen, die mich für “Schule ohne Rassismus” eingeladen haben,

 
Liebe Schüler_innen, die mich für “Schule ohne Rassismus” eingeladen haben,

 

Sehr gerne würde ich Euch kennenlernen und mich mit Euch treffen. Wir müssen dafür aber eine andere Gelegenheit finden.
Denn das Projekt “Schule ohne Rassismus” möchte ich aufgrund seiner Betitelung und Konzeption nicht unterstützen.

 

Ich finde rassismuskritische Arbeit an Schulen überaus wichtig.

 

Das Label “ohne Rassismus” verhöhnt jedoch regelmäßig all die Schülerinnen und Schüler, die an Schulen mit einem solchen selbst verliehenen Slogan mit Aufkleber auf der Schultür nach wie vor Diskriminierungen ausgesetzt sind, sei es durch Lehrmaterial, mangelnde interkulturelle Lehrkompetenz oder ganz einfach in Interaktion mit anderen Schüler_innen. Dass die Schule sich selbst attestiert, “Ohne Rassismus” zu sein, ist auch nach Projekttagen noch kontraproduktiv. Der Titel ist zudem dazu geeignet, die Institution weniger angreifbar zu machen und eine gründliche Selbstanalyse sowie weitere Veränderungen leichter zu verhindern. Da bei den Aktionsformen keine bindenden Lehrer_innenfortbildungen beinhaltet sind, das Lehrmaterial nicht revisioniert wird, und die institutionelle und strukturelle Benachteiligung von Schülerinnen und Schülern of Color nicht so einfach per Proklamation beendet ist, kann ein Erreichen des Ziels, als Institution “ohne Rassismus” zu sein, nicht als gelungen behauptet werden.

Zudem kann der Slogan sogar zur Abwehr von Kritik verwendet werden. Ich bekomme leider oft von solchen Fällen berichtet. Manche Schüler_innen werden weniger als zuvor angehört, nach dem Motto “an deinen Berichten, dass du diskriminiert wurdest, kann nichts dran sein, denn wir sind eine Schule ohne Rassismus”.

 

Das Problem eines rassistischen Status Quo ist nicht, dass die Schulen sich nicht deutlich genug gegen Diskriminierung aussprechen würden, sondern die Einhaltung, oder genauer: die Erlangung des Wissens, und dann dessen Umsetzung zur Auflösung von Diskriminierung und Rassismus. In der Praxis geht es eigentlich nicht darum, was laut als unerwünscht durchgesagt wird, sondern vielmehr darum, was konkret verbindlich verankert wird, z.B. wie das Lehrmaterial genau aussieht, wer was im Unterricht erzählt, wer (nicht) antirassistisch geschult ist, welche Anlaufstellen es für diskriminierte Schüler_innen vor Ort gibt, wie diese Anlaufstellen qualifiziert sind – eben wie genau, wie ernst gemeint und wie umfassend die betreffende Schule Diskriminierung entgegengewirkt .

 

Es wäre viel glaubwürdiger, und weniger auf eine Gewissensberuhigung der Mehrheitsgesellschaft zugeschnitten, mit der Signalwirkung, dass die Lebensrealitäten von Schüler_innen of Color ernst genommen werden, wenn nicht zuvorderst das sich selbst feiernde Signal aus der Projektbenennung titelte. Jedoch ist mit dem Slogan “Hier bei uns gibt es so was nicht! Wir sind hier alle super!” leider nichts von alledem erreicht oder auch nur angestrebt. Er kann auch verstanden werden als “So, und jetzt wollen wir uns vor allem nicht mehr kritisieren lassen.”. Mir ist bewusst, dass die durchführenden Schülerinnen ja gerade nicht diejenigen sind, die sich eine solche Abwehr dann zuvorteil machen (wollen), doch ich denke, dass es durch die Struktur und den Titel den Schulen sehr leicht gemacht wird, das Engagement der Schülerinnen für eine Profilierung auszunutzen, ohne ohne dass dazu wirkliche Veränderungsbereitschaft zwingend notwendig wäre.

 

Auch finde ich es bedenklich, dass die Projekttage von Schüler_innen – oft von sehr jungen, und ebenfalls oft mit erlebter rassistischer Diskriminierung – gestaltet werden, aber für Lehrende keine verbindliche rassismuskritische Bildung, Schulung oder Fortbildung vorgeschrieben ist. Ich finde diese Verteilung nicht zielführend und nicht gerecht, und sie erweckt bei mir den Eindruck, dass die Arbeit zu einseitig verteilt ist und die Lehrenden gar kein rassismusfreieres Lehren anstreben müssen, wenn sie darauf keine Lust haben, egal wie sehr die Schüler_innen oder Aktivist_innen sich anstrengen.

 

Ich habe großen Respekt vor Eurem zivilem Einsatzwillen und allen, die sich ehrenamtlich für Gleichbehandlung engangieren, und ich wünschte, es würde dafür ein Projektname gefunden, der respektvoller ist, und eine Form, die die Lehrenden und die Institution mindestens genau so stark in die Verantwortung nimmt wie die Schüler_innen.

 

Ich wünsche Euch bei allen Veranstaltungen viel Erfolg und bitte um Verständnis für meine konzeptionelle ‘Enthaltung’.

 

freundliche Grüße,

 

Noah Sow

 

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30. Juni 2015 - 0 Comments

REST, ROOMS – MOMENT GRIOTAGE documentary

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Copyright Wagner Carvalho

 

Video documentary on Vimeo *click* 

 

Acoustic manifesto of presence in absence
Live sound collage.
Analogue and digital controllerism, Afrodeutsche Identity™ on resilience au gratin, with loops and hardly any peer pressure.

 

More info in German: http://www.noahsow.de/rest-rooms/

More info in English: http://www.noahsow.de/en/rest-rooms/

Video documentary on Vimeo: https://vimeo.com/97402813

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15. Juni 2015 - 0 Comments

Öffentliche Termine im Juni: Bayreuth, Dresden, Frankfurt am Main

Thursday, June 4, 2015, 11:30 Uhr , Bayreuth:

Keynote “Diaspora Dynamics: Shaping the Future of Literature” @ 41st Annual Conference of the African Literature Association „African Futures and Beyond. Visions in Transition“
ALA 2015, 41st Annual Conference of the African Literature Association „African Futures and Beyond. Visions in Transition“.

Audimax der Universität Bayreuth, registration required.

http://www.noahsow.de/event/keynote-diaspora-dynamics-shaping-the-future-of-literature/

Mittwoch, 10.06.2015, 16.40 bis 18.10 Uhr, TU Dresen,

Vortrag Offen für alle? Akademische Ausgrenzung und Gegenstrategien” Geöffnet für alle
anschließend Colloquium of Color, geöffnet für alle interessierten PoC

http://www.noahsow.de/event/offen-fuer-alle-akademische-ausgrenzung-und-gegenstrategien-tu-dresden/

Donnerstag, 11. Juni 2015 / 18 Uhr

Bildungsstätte Anne Frank e.V., Hansaallee 150, 60320 Frankfurt am Main

Vortrag “Kunst ist für alle da! Wie Deine Bilder die Welt verändern…”

Vortrag für die Teilnehmenden Jugendlichen und jungen Erwachsenen des Plakatwettbewerbs “Mensch, du hast Recht(e)!” zum großen Finale vor der Preisverleihung, Geöffnet für alle

http://www.bs-anne-frank.de/projekte/kunstwettbewerb/

27. Mai 2015 - 0 Comments

16. April, 14h: Radio-Hörspiel RADIO META (auch per Livestream). Jetzt vorab reinhören.

Click “more” and scroll down for description in English. And stick through the first 20 seconds of German on the first track below. The song which follows is in English.

 

Teil der Online & Radio – Ausstellung “Ordnung // Struktur” vom Thea.Lit Frauen.Kultur.Labor. 

 

“Radio Meta” läuft am 16.4. von 14h bis 15h am Ansgarikirchhof Bremen und Live auf Radio Weser (auch im Livestream!). Friends of Black Humour, don’t miss.

 

 

 

Audio-Teil der Ausstellung:

- Radio Weser Internet-Livestream: http://www.radioweser.tv/index.php?id=33&L=1

- Live auf Radio Weser UKW 92,5 // Antenne 101,86

- an verschiedenen Hör-Orten in Bremen

 

Homepage der Ausstellung:

http://www.thealit.de/lab/ordnung/ordnung-struktur.html

 

Programm zum downloaden: http://www.thealit.de/system/files/Ordnung_Struktur_Programm.pdf

more…

10. April 2015 - 0 Comments

Hamburg, ab 7. April ’15: offenes Seminar “DECOLONISING WHO? – CURATING CHANGE”

Auf Initiative von Studierenden findet im kommenden Sommersemester unten beschriebenes Seminar an der HfBK (Hochschule für Bildende Künste) Hamburg statt. Es ist auch offen für Nichtstudierende. Besonders willkommen sind Aktive aus den Communities!
 
In jeder Sitzung wird Praxis betrachtet. Ich würde mich über rege Teilnahme freuen von Leuten, die bereits veranstalten oder dies planen, sei es kulturell, künstlerisch oder gesellschaftspolitisch.
 
 

Seminar: DECOLONISING WHO? – CURATING CHANGE
 
Die Teilnahme ist möglich für HFBK Studierende, HAW Studierende, sowie FÜR AFRODIASPORISCHE UND ASIATISCH(/-DIASPORISCH)E STUDIERENDE UND NICHTSTUDIERENDE ALLER FACHRICHTUNGEN.
 
Lehrende: Noah Sow
Anmeldung: E-Mail: curatingseminarHH_äth_noahsow.de

Eine kurze Anmeldung mit Vorstellung der Art der Interesses und Positionierung ist vonnöten bis zum 1.4. an curatingseminarHH_äth_noahsow.de. Die Teilnahme ist begrenzt.
Termine: 07.04. 11.00 – 16.00 Uhr, 08.04. 10.00 – 13.00 Uhr, 29.04. 11.00 – 16.00 Uhr, 30.04. 10.00 – 13.00 Uhr, weitere Termine (bis Juni) werden im April bekanntgegeben

Adresse: Seminarraum 17, Wartenau 15 (Gebäude für Grundlagen/Graduates der Hochschule für Bildende Künste) 22089 Hamburg

 
 
Kursbeschreibung:
 

Interesse an postkolonialen Themen und Themenkomplexen ergibt nicht automatisch Handlungsfähigkeit im Sinne einer Ein- oder Um-Ordnung des postkolonialen Gefüges. Dieses Seminar fördert und fordert den Übertrag von Theoriewissen in die Praxis indem es erstmals greifbare Anforderungen und Handhabe transformativer Vorhaben behandelt. Die Kunsthochschule selbst ist hierbei nur einer von vielen Betrachtungsorten.
 
Das Seminar vermittelt denen, die erste Erfahrungen im Themenkomplex bereits in Theorie und/oder Praxis sammeln konnten, Wissen und Anwendungsmöglichkeiten auf das eigene Wirkungsfeld, insbesondere auf kuratorische Vorhaben, Planungen und Projekte mit ‘postkolonialen’ oder diasporischen Bezügen. Voraussetzung für gleichheitsfördernde Handlungskompetenz ist unter anderem die Anerkennung von Asymmetrien in der traditionellen Hierarchiesierung der Blickrichtungen aus ihren jeweiligen Positioniertheiten Schwarz/Weiß, Betrachtete/Betrachtende, Subjekte/„Wissenschaffende“ usw. Im Seminar studieren wir konkrete Strategien sowie Kommunikations- und Vorgehensweisen um ebenjenenTraditionen entgegen zu wirken.
 
Zur Unterstreichung der Bedeutung struktureller Prozesse, Exklusionen, Verteilungen und Verortungen stiftet jede Lehreinheit des HfBK-Seminars eine außeruniversitäre Lehreinheit “Afrodiaspora Art School” // “Black Summer School” für Schüler_innen/Jugendliche. Der Prozess wird dokumentiert.
 
Geplant sind eine Exkursion sowie ein begleitendes In-House-Forschungsprojekt.
 
Das Seminar stellt keine Einführung in postkoloniale Theorie dar. Basiswissen hierin sowie über die Wirkungsweisen gesellschaftlicher Hierarchisierungen ist Voraussetzung.
 
Eine Leseliste wird per Mail zirkuliert. Voraussetzung für die Vergabe von Credits ist die Teilnahme an allen Seminarterminen sowie an einem daraus entwickelten/angeregten Projekt.
 
Externe Studierende: Bitte informieren Sie sich an Ihrer Universität über die Voraussetzungen für einen Credittransfer.


23. März 2015 - 0 Comments

Community is not a Colour

Community is not a Colour
It is an ongoing practice and attitude
It is weaving the past into the future by means of the present
When strands are missing, it won’t come out right
When strands are forgotten, the pattern is wrong
When strands are cut off, the fabric will tear apart
 
This is not the place to build yourself a monument
This is the place to dream up the future
This is the place for you to celebrate yourself and each other
With sincerety
 
Recognize a Memorial when you see it
Be inclusive
Informed
Intense
 
Community is Colour
We decorate the walls in earth
Cultivate our green
Grief and acknowledge in blue
Keep our sun shining

 

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26. Februar 2015 - 3 Comments

Für mehr Kontinuität! Gegen vermeidbare Unterbrechungen in der Communityarbeit
- ein Plädoyer

 

Wenn wir unsere eigenen bisherigen Kämpfe (= Kämpfe unserer eigenen Bewegung(en)) nicht studieren und sehr gut kennen, verschenken wir auf traurige Weise sehr viel Power. Das ist meine Überzeugung. Zu der bin ich nicht über Nacht gelangt, sondern dadurch, dass ich den Fehler früher selbst gemacht und später erst (mit Hilfe von Aktiven, denen ich dafür sehr dankbar bin) erkannt habe.

 
Ich denke, dass eins der größten Probleme unserer Communities im Moment ist, dass sie dazu neigen, jeweils dieselben “Ursuppen” von vorne zu beginnen, und dass sie in Bezugnahmepraktiken hegemoniale Ausblendungstraditionen mit übernehmen. Was auf persönlicher Ebene womöglich für Einzelne verkraftbar ist, aber für politische Arbeit doch stark nachteilig, bezogen auf Signalwirkung, ‘Gruppenmoral’, Aufwand und auch Ausführung. Erklärbar ist ein gewisser Kontinuitäten-fail sicher zum Teil durch ein traditionelles Vereinzeltsein; ich bin aber stark dafür, dass vor allem junge Leute, die die Möglichkeiten dazu haben, einen gewissen selbstgewählten Vereinzelungshabitus ablegen und die Wissensarchive und Erfahrungen der vorangegangenen Aktiven zumindest insofern sich zur Beschäftigung nehmen, als dass sie informierte Entscheidungen auf der Basis von Kenntnis und Anerkennen und selbstverständlich auch Analyse von widerstandsgeschichtlichem Wissen treffen können.

 
Das heißt nicht, dass irgendeine jemals eine bestehende Meinung oder politische Haltung einfach übernehmen sollte. Es heißt aber, dass ohne Wissen über Strategien (und deren Gründe und Wirkungen) und ohne Blick auf die anderen und vorherigen Aktivitäten und deren Ergebnisse das eigene Handeln sich schon fragen lassen muss, ob es primär durch den Wunsch zu Anschlussfähigkeit an die Zukunft, Seriosität, Gründlichkeit, Community und gute Resultate motiviert ist.

 
Nicht zuletzt bindet eine reaktive Verstrickung in immer wiederkehrende Handlungsmuster, die gleichzeitig regelmäßig voneinander abgeschnitten werden, auch enorm viele unserer Ressourcen, die uns dann wiederum in anderen wichtigen Arbeitsfeldern und Lebensbereichen fehlen. Will sagen: Communityforschungen und -geschichte(n) nicht zu kennen, ist die Erfüllung rassistischer Wünsche einer Oppressionskultur, die unser Wissen als vernachlässigbar behandelt und unsere Bindungen, Bildungen und Anschlüsse verhindert. Und das finde ich in jedem einzelnen Fall sehr schade, vor allem an einem der neuralgischen Punkte: den jungen, bereiten, politisch interessierten (potenziell) Aktiven.

 
 

Hier ein paar Fragen, die politisch aktive Gruppen, deren Wirkungsgrad von Diskontinuität bedroht ist, dringend zu besprechen haben:

 
- Wie ist der Definierungswunsch des “Neuen” ohne Studium des Bisherigen genau motiviert?

- Wie kann Wissensvermittlung intern stabil eingerichtet werden?

- Was, wenn an der Wissensvermittlung kein Interesse besteht?

- Wie begegnen wir der Paarung von struktureller Macht und mangelnder Erfahrung und Zugewandtheit in unseren eigenen Kontexten?

- Wie reagieren wir darauf, dass das, woran bisher viele zerbrochen sind, heute ein Karriereweg sein kann – und die Fragen, die sich daraus bezüglich Aufrichtigkeit und Lauterkeit ergeben?

- weitere Fragen und Strategien zu Wissensweitergabe minorisierter Widerstandswissensarchive von Gruppen in/trotz/aus Vereinzelung werden in der Kommentarsektion ausdrücklich begrüßt

 

 

26. Februar 2015 - 0 Comments