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Am 23.3. erscheint ein Hörbuch, das ich eingelesen habe. Vom “Vergnügen” mitgewirkt zu haben, von dem man sonst ja gerne spricht, mag ich trotz der kollegialen Atmosphäre bei der Produktion nicht wirklich reden, weil es sich bei meinem Text um Hannah Ahrendts Kommentar über die Eichmann-Prozesse handelt. Und da traten ausser dem Grusel vor der Organisation des Wahnsinnigen leider auch erschreckende Parallelen zu heutigem verbalen Dreck auf: “ich hab nur meinen Job getan”, “das war doch nicht persönlich gemeint”, “gegen die Leute an sich habe ich ja nichts”, solches und ähnliches hört man ja im Jahr 2007 noch regelmäßig von Nazis und Rassisten, die sich für selbiges nicht halten mögen, schizophrenerweise meist unmittelbar nach rassistischen oder antisemitischen Äußerungen.
Dass diese nicht funktionierenden Ausreden so alt wie dumm sind – wir haben’s geahnt. Dass sie aber eins zu eins dem Vokabular der damaligen “echten” Nationalsozialisten und Mörder entsprechen, war mir zugegebenermaßen doch neu und hat mich erschrocken. Warum kriegen wir nicht schon in der Schule beigebracht, dass wir nur dann keine Faschos sind, wenn wir keine fascho-Sprüche klopfen? Dass wir Antisemiten sind, wenn wir uns antisemitisch äussern? Dass, wer sich rassistischer Worte und Taten bedient, selbstverständlich Rassist ist? In Wirklichkeit lernen wir das Gegenteil: “Ich hab nix gegen Türken, ich hatte sogar mal ne türkische Freundin”, damit wollen und können sich diejenigen rausreden, die gerade einen pauschal türkenfeindlichen Spruch abgelassen haben.
Und der Cheftrainer der Hamburg Freezers darf einen anderen Coach als “fucking N*****” rassistisch beleidigen, gilt aber anschließend nicht als Rassist weil schnell einmütig behauptet wird, “er wär ja nicht so einer” und vor allem ja seine fachliche Kompetenz im Vordergrund stehen soll.
Damit das nicht mehr so weiter funktioniert, schlage ich vor, dass alle, denen bei so etwas genau so schlecht wird wie mir, in Zukunft bitte den Mund aufmachen wenn irgendein Idiot/”Kumpel” solche Sprüche klopft, aber hinterher nichts damit zu tun haben will.
Dass “Fairness” für viele deutsche Politiker nur dann interessant ist, wenn sie einen Imageverlust verhindert, ist ja spätestens seit kurz vor der WM überdeutlich. Nur, wie man das richtig anstellt mit dem ernstgenommenwerden – als Land und als Volk – das müssen wir wohl noch ein bisschen üben.
Mein Vorschlag: weniger Scheiße reden.
Also, für alle die’s vertragen können (vielleicht auch als interessantes Geschenk für so manche Omas und Opas), empfehle ich dieses aufschlussreiche Hörbuch. Die andere der beiden CDs lesen im übrigen der sympathische Nachrichtensprecher Jo Brauner und die bekannte NDR-Moderatorin Julia Westlake.
Die Doppel-CD ist der Auftakt der dreiteiligen Hörbuch-Serie “laut gegen Nazis”. Mehr Infos und Hörproben:
Zu zwei Live Lesungen kommen ich am 23.3. auf die leipziger Buchmesse.
Beste Grüße,
Eure Noah
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english:
This post is about a German audio-book-release that I read for the series “loud against nazis”. The piece is taken from Hannah Ahrendt’s documentary “Eichmann in Jerusalem: A Report on the Banality of Evil”.
But – I’d like to share it in English as well because the topic is important to me:
While reading, I grew more and more shocked about how the “real-world” Nazi and Killer Eichmann, during his trial, used excuses for his actions that I still get to hear all the time – today! “it is nothing personal”, “I have nothing against those people” a.s.o.
It hadn’t been clear to me before that the pretty schizophrenic way of
1) acting or saying something racist and then 2) trying to excuse this by pretending they’re not “really” racist or “didn’t mean you personally” (or have a “girlfriend” or “friends” belonging to the people they just insulted), is a stereotypical form of behaviour that is not different from the Nazis of the 1930′s and 1940′s.
Unfortunately, in Germany, 60 years later, racist comments are still widely tolerated or played down, with ususally few to zero consequences for the attackers – to the extent that they are not even considered racist. The new Coach of the German Icehockey-team Hamburg Freezers who had called another coach “fucking N*****”, was quickly excused by his new team as “not generally” being a racist person, and it was pointed out that his qualification would be crucial for the job. Congratulations.
My suggestion for the future: call a spade a spade, take people so seriously that you judge them by what they are actually saying – and don’t let your “friends” get away with random racist sound bites.
(I’m actually writing a lot about this right now, because the extent of ignorance concerning these issues over here is hardly tolerable)
The audio-book is in German, but there are english translations of the original Hannah Ahrendt books in stores (also online stores) everywhere.
Peace.
Noah

Hallo Noah,
ein ambitioniertes Projekt, dem man Erfolg wünschen darf. Doch es steht zu vermuten, dass wahrscheinlich man es denjenigen, denen man es ehesten auch empfehlen möchte, wieder mal kaum zu Gehör bringen wird.
Übrigens: Die Aktion vom Freezer Trainer Stewart hatte noch eine unsägliche Fortsetzung. Im Viertelfinal- Play-Off gg. Düsseldorf wurde ein Vorwurf gegen einen Hamburger Spieler (Beaucage) erhoben, er habe einen DEG Verteidiger (Jean-Luc Grand-Pierre) rassistisch beleidigt. Auch wenn dies im Nachhinein (wie stets) bestritten wurde, so bleibt jedoch ein fader Nachgeschmack und der Gedanke, welchem (zweifelhaften Trainer-) Vorbild die Spieler dabei nachahmen.
Bleib aufmerksam!
Gruß Klaus