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Die ‘Auswanderer’ und ‘Abenteurer’

17. Oktober 2013 - 6 Comments

Aus aktuellem Anlass zitiere ich mich selbst; Auszug aus ‘Deutschland Schwarz Weiß’.

 

Rassismus ist bei uns schon so sehr Normalität, dass wir ihn in unseren alltäglichen Handlungen und Überzeugungen noch nicht einmal mehr bemerken: Wir bauen meterhohe Zäune um die Festung Europa und denken uns gar nichts dabei, dass es als normal betrachtet wird, dass bei uns jeder in jedes Land kommen und dort herumhängen darf, sofern es sich um Europäer handelt.
Wir verlangen, dass Flüchtlinge nicht allein aus wirtschaftlichen Interessen zu uns herüberkommen dürfen, sondern erst ihr eigenes Land auf die Reihe kriegen sollen. Gleichzeitig aber feiern wir in fünf verschiedenen Fernsehsendungen Weiße, die ohne guten Grund und ohne Kultur- oder Sprachkenntnisse in andere Länder gehen, weil sie sich davon mehr Wohlstand und ein glücklicheres Leben erhoffen. »Auswanderer« und »Abenteurer« nennen wir die dann und sind von ihrem Mut fasziniert. Sind sie aber Schwarz oder Afrikaner, sind Leute mit genau demselben Verhalten für uns plötzlich »Wirtschaftsflüchtlinge« und »naiv« und werden nicht als Helden oder mutig sondern als Bedrohung empfunden und dementsprechend behandelt.
Und wir denken uns nicht einmal etwas dabei.

So erhält ein und dieselbe Sache verschiedene Namen, und wir erlauben uns dadurch auch verschiedene Betrachtungsweisen und Abstufungen von Sympathie, Mitgefühl, Respekt, Identifikation. Weil wir gelernt haben, dass wir das dürfen.

 

Und hier für alle, die ihn noch nicht kennen, der Brief der Bürgermeisterin von Lampedusa von vor mehreren Monaten:
http://www.proasyl.de/fileadmin/fm-dam/NEWS/2013/Brief_der_Buergermeisterin_von_Lampedusa.pdf

 

 

6 Comments on “Die ‘Auswanderer’ und ‘Abenteurer’

  1. Steffen on said:

    danke, das ist sehr reflektiert und verknüpft Dinge die auf der Hand lieben, viele aber einfach ignorieren. Zudem sind die Sendungen eh nur “Werbeblock”-Transporter und fördern den Kommerz des “Geiz ist Geil”, kein Wunder, dass Menschen die zu “uns” wollen nicht als solche wahrgenommen werden, sondern Konkurrenten um den Luxusstatus den wir inne haben.

  2. Johanna on said:

    Du hast SO Recht!
    Das fällt mir auch ständig auf.

    Und noch was: In ein anderes Bundesland zu ziehen, weil man in der Heimat keine Arbeit finden, gilt als berufliche Flexibilität und wird gesellschaftlich erwartet.
    Wenn aber jemand aus einem bitterarmen Land das gleiche macht (nur halt in einen anderen Staat), dann gilt der_diejenige als Armutsflüchtling und wird geschmäht.

    Es ist zum Heulen!

  3. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Festung Europa, Frauenquote im Bundestag und Fat-Shaming – die Blogschau

  4. Was mich am meisten an der politischen Lage stört, ist dass man als EU einerseits knallharte Migrationsbegrenzung betreibt, andererseits aber so tut, als wäre man eine humanitäre Region. Verlogen ist das. Und dafür gabs den Friedensnobelpreis…

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