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Zur aktuellen N-Wort Debatte: Stimmen der Vernunft…

19. Januar 2013 - 15 Comments

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…die sich nicht aus Angst, Hass, Rassismus und einer Fehldeutung des Begriffs “Zensur” speisen, nachfolgend auszugsweise aufgelistet.

Rassisten haben mit anderen Gewalttätern gemeinsam, dass sie sich zuerst als Opfer konstruieren bevor sie menschenfeindlich und brutal vorgehen. Das lässt sich in der aktuellen Presselandschaft gerade gut nachvollziehen. Allenorten wird das Recht auf sprachliche Gewalt so aufgeregt verteidigt als seien weiße Deutsche Opfer von Völkermord, Unterdrückung und anhaltender Entmenschlichungstraditionen.

Zur Beruhigung und Erinnerung: das Recht, Menschen rassistisch zu bezeichnen, besteht weiterhin. Es ist durch eine vernünftige Verlagsentscheidung nicht in Gefahr. Ebenso bestehen bleiben das Recht, rassistischen Müll zu Publizieren, das Recht, Kinder rassistisch zu erziehen, und das Recht darauf, white supremacy durch die nächsten Jahrhunderte zu tragen. Was neuerdings wegfällt, und für viele Rassisten anscheinend schon unerträglich ist, ist lediglich das Recht, sich als Rassist bei 100% der Mehrheitsbevölkerung beliebt zu machen. Es sind jetzt ein paar Prozent weniger. Ebenso mausetot: das Recht, auf rassistische Handlungen keine Widerrede zu bekommen.

Gut, dass sich Sprache ändert. Sprache ist ein Spiegel der Gesellschaft. Das Wort, um das es geht, war natürlich noch nie wertfrei, Arier. Kommt drüber weg, Versager*.

Und herzlich willkommen in unserem Land, liebe neue Generation mit weniger ungefragter frühkindlicher -also tiefsitzender- rassistischer Konditionierung via Kinderbuch.

Vielleicht können sich unsere Kids eines Tages auf Augenhöhe begegnen, das wäre doch mal ein wirklich schönes neues Konzept.

 

Große Triggerwarnung für die Kommentarsektionen der gelinkten Artikel, für Menschen mit Rassismuserfahrungen.

Für Menschen ohne Rassismuserfahrungen: das ist vor allem Ihre Debatte. Es wird sich sicherlich lohnen, Ihre Stimme zu nutzen.

 

- Tagesspiegel; Rassismus in Kinderbüchern: Wörter sind Waffen, Von Simone Dede Ayivi
Sehr lesenswert; nicht nur weil der Mob erwähnt wird, sondern vor allem, weil die Autorin sehr, sehr mutig ist.

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- Shehadistan: Toastbrot, Toastbrot. Und über Kinderbücher, Freundschaft und Rassismus

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- SPON: Debatte um Sprach-Rassismus: Das hässliche “N***” ist tot, tot, tot
[N** ausgeschrieben; trotzdem vernünftiger Artikel]

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- Mädchenmannschaft: Political Correctness: Fleischhauers Trottelargumentation

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- Stop! Talking; On Censorship (engl.)

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- Gleisbauarbeiten: DIE KULTURHELDEN (Trottel im Siegfried-Kostüm – Zur sprachlichen Modernisierung der “Kleinen Hexe”)

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- Mädchenmannschaft: Rassismus raus aus Kinderbüchern

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- Thienemann Verlag: “Fragen und Antworten zur sprachlichen Modernisierung von Klassikern”

 

Updates; jüngere nachträglich aufgenommene Empfehlungen:

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- Der wahrscheinlich beste Leserinnenbrief, der jemals in Deutschland geschrieben wurde, von der 9jährigen Ishema K.

-wahrscheinlich dadurch inspiriert? – Zeit online (ja, wirklich, es ist eine Empfehlung): Kinderbücher – Von Zensur kann keine Rede sein – von David Hugendick

– Gute Satire und shout out in Bayern 2 (! yo!!) Zündfunk: Die “N***r”-Fans – Eine Typenstudie (aber Triggerwarnung: Nwort oft reproduziert, auch im Titel)

- Lichterkarussell: Das N-Wort bedeutet Rassismus
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Auszugsweise Argumentations(nach)hilfe vom Mob, seit gefühlten 60 Jahren online:

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- “früher war das aber ein normaler Begriff”.

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- wissenschaftlicher Essay von Prof. Dr. Maureen Maisha Eggers zum download:
Pippi Langstrumpf – Emanzipation nur für weiße Kinder? Rassismus und an (weiße) Kinder adressierte Hierarchiebotschaften

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- Informationstext: Warum nicht “N***” [ausgeschrieben]?

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*sei doch nicht so empfindlich.

15 Comments on “Zur aktuellen N-Wort Debatte: Stimmen der Vernunft…

  1. emotion on said:

    Guter und wichtiger Artikel! Ein Großteil der Leser_innen hat noch kein Buch aufgeschlagen und wurde durch Worte verletzt und traumatisiert. Die meisten hier kennen das nicht, wenn man ein Wort liest, welches zu Herzrasen und Angst führt. Das plötzliche Bedürfnis wegzurennen wegen einem Wort ist Ihnen unbekannt. Ich weiß, sehr emotional. Na und? Hier geht es um Emotionen. Es geht um Respekt. Es geht um mich. Ich bin es mir wert Ihnen zu sagen, dass Ihre sprachwissenschaftlichen Kenntnisse nichts sind im Vergleich zu meinen Emotionen.
    Die deutsche Gesellschaft will diese Emotionen nicht wahrnehmen. Wissenschaftliche Fakten interessieren sie ebenso nicht. Nicht verwunderlich, denn das Streichen diskriminierender Wörter bringt diese Gesellschaft aus ihrem rassistischen Rhythmus. Sobald Menschen sich gegen Diskriminierung wehren, werden sie lächerlich gemacht und von Kommentaren brauner Gesinnung beleidigt. Es wird in der Öffentlichkeit abgewogen welche Begrifflichkeiten nun rassistisch sind oder nicht. Fakt ist doch, dass diese Gesellschaft die Erfahrungswerte und Standpunkte der Schwarzen in diesem Land nicht hören, sehen und wahrhaben möchte. Immer wieder bekomme ich das Gefühl, dass wir in Wirklichkeit kein Mitspracherecht haben. Egal wo und wann, sobald eine Schwarze Person sich wehrt folgen die übelsten Beschimpfungen im Internet und diffamierenden Berichte der Presse.
    In den letzten Wochen habe ich eine wichtige Erkenntnis gewonnen. Wahrscheinlich werden Sie nun schockiert sein. Die Geschichte der Weißen ist so sehr ein Teil ihrer Identifikation. Nur sind sie nicht bereit sich auch mit den grausamen Taten der Vergangenheit zu identifizieren. Diesen Schmerz wollen sie nicht spüren. Ich unterstelle Ihnen, dass Sie genau wissen welche Last an Ihnen haftet. Diese Last und das Erbe ist so sehr Teil Ihrer Persönlichkeit geworden, dass sie es nicht mehr loslassen wollen.
    Zu meinen Emotionen lassen Sie sich sagen: Mein Bild von der weißen Frau und dem weißen Mann hat sich in den letzten Wochen sehr stark verändert. Mein Misstrauen in diese Gesellschaft und die Mehrheit dieser Gesellschaft (die Weißen) hat sich dramatisch erhöht. Egal wo ich bin, ich bin immer auf der Hut denn ich kann nicht einschätzen wo und wann wieder eine indirekte ausgrenzende Frage, Bemerkung, Konversation stattfinden wird. Inzwischen kann ich verstehen, warum sich in den USA die Black Panthers gebildet haben. Ist dass das Ziel solcher Debatten? Wollen diejenigen, die sich gegen das Umschreiben diskriminierender Begriffe aussprechen, diese Gesellschaft noch mehr spalten? Wollen Sie, dass sich Schwarze Menschen ausgegrenzt fühlen? Verfolgen Sie die aktuelle Presse, dort finden Sie die Antworten.

  2. Hier noch ein weiterer Artikel:

    hthttp://scienceblogs.de/astrodicticum-simplex/2013/01/15/achtung-die-sprachpolizei-kommt-die-kleine-hexe-wird-bedroht

  3. Pingback: akrassismuskritik

  4. Danke Noah, danke emotion. Es ist erschreckend, wie der bundesdeutsche Blätterwald das Recht auf diskriminierende Begriffe verteidigen will. An der Reaktion auf eine kleine Verlagsentscheidung wird deutlich, dass der Rassismus schon lange in “der Mitte der Gesellschaft” angekommen ist.

  5. Denise on said:

    I really want the discourse in Germany around race to move away from these deflection techniques. The allegation of sensitivity smacks of privilege. Other groups are afforded the right to name themselves, not be insulted and have their children demoralized, yet blacks are expected to shake off the constant reminders of white supremacy so that white Germans can cling to their delusional racial innocence. Ain’t nobody got time for that. Welcome to 2013 Germany. Get real.

  6. The problem is that the white majority in Germany, as far as history is concerned, is ignorant, in general, and, in particular, when it comes to the acceptance of a historical Black presence in Germany. The deflection technique is inertely rooted in the sense of “Kollektivschuld” with regard to the Shoa. Therefore, being accused of racism, be it in action or words,triggers of weird reactions of self-defense, which, like in this, absolutely strange debate, sometimes amount to bizarre statements and reflections. What do these defendants of the N-word in children’s books want to preserve? On the one hand their “innocence” and naivité, on the other hand their privilege to define “others”, thus cherishing imagined icons of supremacy.Perhaps they could be helped if we sent them a comprehensive bibliography, a list of books from which they could learn that they themselves are the victims of false assumptions and at the same time the offenders in day-to-day-racism. Yes, Denise, I too, don’t have time for this absurd debate. But, born and raised in this country, having been a teacher, academic lecturer and civil servant for many decades, I still feel a an obligation to do my share to set the record straight. But, writing this commentary on the official holiday of Martin Luther King Day in the U.S,, on which the first Black president of that country has just been sworn into his second term in office, I am wondering if German journalists would have the nerve to call him N…, and I am wondering about my country, in which enormous energy is presently being wasted on the “value” or the destructing forces of pejorative terms defining Blacks in German children’s books. Am I beginning to finally be fed up with country? Yes, because I more and more wonder if it has the intellectual capacity to get real, and to arrive in the 21st century.

  7. Pingback: Political-Correctness-Debatte: Ich mag die Tomate einfach nicht | shehadistan

  8. emotion on said:

    Dear Ms Marion Kraft, thank you for saying what has to be said! Surving on the Internet brings up traumatic memories. It is a shame for those who talk about Black people as if we don`t exist, it is a shame that the media acts as if poor Germany needs more national awarness so white pride can continue its criminal actions against everything and everbody that does not fit into their little racist minds. I feel ashamed of those who finally are the living proof that Germany still has a very long way to go. Why am I living in 2013 and have to experience feelings which have been described by Frederick Douglas, Booker T. Wachington, Frantz Fanon and many many other Black women and man there, here and everywhere? I have found my answer, clear and stronger than ever. It happens because Germany needs a dramatic change, a huge difference. There are many more books which I need to read and I am thankfull for those who had the strength to write them. Another lesson learned ist that Black people in Germany need to write more books for children, for our children, all children. I once told a sister that I have the urge to leave my beloved southern German little city, where my white German ancestors live since hundreds of years. She said: “Sister don`t leave. They need you here. You must stay and make THE change so your children and grandchildren don`t have to learn racism like we the olders had to learn.” It sounds as if I am 100 years old, but I am not even 30! I am not leaving me beloved home, but I will fight much wiser and harder. I will not pack my bags, this is my home and I have the right to live comfortable like any other German or non-German Black citizen does have. Germany, get ready, prepare your little minds. Change is gonna come!

  9. Updates; jüngere nachträglich aufgenommene Artikel-Empfehlungen oben im Post, darunter auch der wahrscheinlich beste Leserinnenbrief, der jemals in Deutschland geschrieben wurde.

  10. Beim Verfolgen dieser “Debatte” ist mir aufgefallen, dass es eine Weile gedauert hat, bis in Printmedien differenziertere und vor allen Dingen tatsächlich themenbezogene Beiträge (aus weißer Perspektive) Eingang fanden (zuletzt: “Freitag” http://www.freitag.de/autoren/der-freitag/grimms-maerchen und “Jungle World” http://jungle-world.com/artikel/2013/04/46991.html). Sie haben die politischen Dimensionen der rassistischen Konstruktionen zwar nicht vollständig im Blick, aber es ist ein kleiner Fortschritt.

  11. Großartiger, im Prinzip finaler, Beitrag von Sula: “Hamsterrad der Ignoranz – Wenn Weiße mit sich selber über Rassismus reden”. http://maedchenmannschaft.net/hamsterrad-der-ignoranz-wenn-weisse-mit-sich-selber-ueber-rassismus-reden/

  12. Pingback: Ein offener Brief: Gegen Rassismus in Medien und in Kinder- und Jugendbüchern | MiGAZIN

  13. Pingback: Logik der Diskriminierung | Zeichenlese

  14. Pingback: hs51 nie_derlassen - heiter scheitern

  15. Pingback: The Debate about Racism within Children’s Books (2) | Afrika Wissen Schaft

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