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Umkleidewhiteness

8. Januar 2012 - 7 Comments

Frau um die 40 starrt mich beim Duschen penetrant an und geht mir dann nach.

“Soll ich Ihnen den Rücken eincremen?”
nein, danke.
“d a r f ich Ihnen den Rücken eincremen?”
nein.
“Das kommt daher, dass Sie aus einer anderen Kultur kommen; bei uns in Berlin ist das höflich.”
Sie und ihre lustige Kultur müssen jetzt sofort drüber weg kommen, dass sie mich nicht angrabschen können.
“Angrabschen? Da haben Sie mich falsch verstanden! So eine bin ich nicht! Ich habe zwei Kinder! Mann und Frau, das gehört zusammen!”
Sehe ich ganz anders. Aber Sie können mir trotzdem nicht den Rücken eincremen, Sie sind nicht mein Typ.
“Ich bin nicht SO EINE!!”
Warum wollen Sie mich dann unbedingt anfassen?
“Ähhh – äh – äähhh —”

(achtung: letzteres war eine rhetorische Frage)

7 Comments on “Umkleidewhiteness

  1. Unglaublich. Wieviele -ismen stecken denn da drin?

    Rassismus und Heterosexismus sind die beiden offensichtlichen. Lookism passt vermutlich auch.

    Fällt es unter Ableismus davon auszugehen, dass Menschen nicht an jede Stelle ihres Rückens fassen können? (Daher kommt doch diese Idee des Rücken eincremen lassen, oder?)

    Und was steckt alles in “SO EINE”? Da ist das “Unausprechbar”-Ding drin und Othering und nochmal verschrobener Heterosexismus, evtl. auch Monosexismus, ähm…

  2. Eincremen gehört zu “unserer Kultur”? Mir hat sich noch nie jemand angeboten.

  3. oh mann.

    Mich hat ulf der freaks Antwort kurz irritiert, weil das mit dem Eincremenwollen ja tatsächlich als sexistischer Klassiker gilt (oder anders gesagt, es ist schon ein wesentlich größerer Haufen Privileg als der, den ich als Weiße habe, tatsächlich nie die Erfahrung zu machen, dass du und dein Körper völlig unbekannten Menschen bitte umgehend zur Verfügung zu stehen haben – weil sie es “nett” meinen. Oder auch einfach so).
    Aber, einfach nein, das gehört in keiner Weise zu meiner Erfahrung, mich wollen nicht regelmäßig völlig fremde Frauen* einfach so anfassen – oder auch: klar ist das weiße “Kultur”, dass Menschen erst rassistisch ausgegrenzt und dann als “Andere” jederzeit Weißen (aller Geschlechter) für beliebigen Mist zur Verfügung stehen sollen. Und die pseudo- (hetero female) bonding-Kiste ist ja wohl oberwiderlich.

    Today white people still feel that they have the right to our bodies. It can be a small act like touching our hair without permission, to a heinous act as serious as sexual assault. In each case it is an assault, and an affront to our bodily integrity. My blackness and your curiosity does not give you the right to touch me.

    Renee Martin, Can I Touch Your Hair? Black Women and The Petting Zoo

  4. Ah, danke @kiturak, den petting zoo Artikel hatte ich gesucht und verlegt – hier ist er wieder!!

  5. Was heißt überhaupt “unsere Kultur”? Ich denke, daß ich mit meinen Landsleuten kulturell weniger übereinstimmen, als diese zu denken glauben.
    Als Krankenpfleger habe ich übrigens schon etlichen Leuten aller Völker den Rücken und auch ganz andere Stellen gewaschen und gecremt. Anfühlen tun sich alle gleich.

  6. Pingback: Mädchenmannschaft » Blog Archive » Ehe, Kinder und die üblichen Klischees – die Blogschau

  7. Ein echter Hammer. “Unsere Kultur”, hüstel. Das Verhalten der Dame offenbart eher, keinerlei Kultur zu haben.

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