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Festival du Racisme in Fulda

27. Oktober 2011 - 72 Comments

*

Aufruf an weiße Antiras und Organisator_innen des ‘Festival Contre Le Racisme’ in zivilisierten Städten: klärt das mal.

“Hallo,
Unsere Hochschule in Fulda möchte gerne zum Festival contre le racisme eine Veranstaltungreihe machen. Darunter würden wir sehr gerne eine Lesung mit Noah Sow geben.”

so die Einladung.

27.10. Ich werde von der Organisatorin des Fuldaer ‘Festival contre le Racisme’ (!) zur Location gebracht. Sie ist eine weiße Studierende, anfangmitte Zwanzig, schwarz gekleideter antifaesker Look, Mitglied bei der Grünen Jugend, duzt mich, entschuldigt sich dafür, duzt mich weiter. Sie sagt mir wie wichtig es ihr gewesen sei, diese Lesung gegen Rassismus zu organisieren.

S: leider ist heute auch noch ne andere Veranstaltung, zu Abschiebung, genau gegenüber. Das ist schade, hab ich erst letzte Woche mitgekriegt.

<ein Wüstengrasbüschel rollt vorbei>

Ich: Wieviele PoC sind denn an der Uni hier?

S: PoC? was ist das? Kenn ich nicht.

<noch ein Wüstengrasbüschel rollt vorbei>

S: vielleicht erklärst du’s mir ja?

Ich: <fröstel>

Wir kommen ins Café Chaos der Uni Fulda.
Dort steht auf dem Lesepodest diese Lampe [Achtung; Bild nicht gewaltfrei]

Ich:  <- – - >

Hier lese ich nicht.

S: wieso?

Ich: Bitte? Die Lampe da!

S: und?

Ich: blöd stellen hilft hier auch nicht weiter.

S: was? warum?

Ich: wollt ihr mich verarschen?

S: sollen wir die wegstellen?

Ich: ich geh jetzt. aber vorher mache ich noch ein Foto.

S: das können wir doch lösen. Ich kannte ja das Café vorher gar nicht.

Ich: <mache noch ein Foto>

S: und jetzt?

Ich: Ihr holt eine Frau aus Hamburg um gegen Rassismus was vorzulesen und präsentiert diese Scheiße hier, ihr habt ja sperrangelweit den – -<führe den Satz nicht zuende>Wie gewaltvoll das für die PoC Studierenden hier ist, ach so, du weißt ja nicht, was das ist, ihr seid ja nicht mehr ganz dicht.

S: also, inhaltlich hast du völlig recht

Ich: das kannst du gar nicht beurteilen und auch nicht kontextualisieren.

S: das ist jetzt aber ignorant von dir! Du kennst mich doch gar nicht!

Ich: <gehe raus und fahre nach Hamburg zurück>

*

Aufruf:

- Liebe weiße Antiras und Organisator_innen des Festival Contre Le Racisme in anderen Städten!

Bitte erklärt diesen Menschen, was ihr Problem ist, denn ich bin zu müde dazu und muss mich damit beschäftigen, den Terror zu verdauen.
Bitte erklärt doch auch präventiv dazu, warum die AStA meine Fahrt und Übernachtung trotzdem bezahlen muss.

Kontakt:

AStA der Hochschule Fulda
asta@hs-fulda.org

Café Chaos der Uni Fulda
(sie haben sogar Bilder von dem Ding online)
contact@cafe-chaos-fulda.de

72 Comments on “Festival du Racisme in Fulda

  1. Will Smith on said:

    Noah, du bist die Beste!
    Danke, dass du mal diese naivblöde Verlogenheit der meisten weißen “Antirassisten” thematisierst.
    Die halten PoC nämlich für minderwertig, aber schützenswert.
    Deshalb inszenieren sie sich auch so als die freundlichen Kolonialherren, die in ihrer ganzen selbstlosen Milde sich nicht zu fein sind, auch mit Farbigen in Kontakt zu treten – diese dann aber trotzdem von Oben herab und mit einer unappetitlichen patronisierenden Art behandeln. Nett gemeint oder nicht, rassistisch ist es alle mal.

    Ekelhaftes Pack.

  2. [crossposted: Mädchenmannschaft]
    Oh, was in dem Kontext auch immer komplett untergeht, ist das subtile kleine “Es gibt irgendwie jetzt blöderweise eine andere Veranstaltung am gleichen Tag.”
    Ja, “Verpeiltheit”, aber vor welchem Hintergrund?: Das übliche “Leistung von PoC/Frauen/Themen von PoC/Frauen SIND NICHTS WERT UND NICHT BESONDERS WICHTIG”.

    Auch, dass es völlig egal ist, was für eine Veranstaltung (Buchlesung) auf dem Programm steht – die Leute haben “Antirassismus-Person” gekauft, und auf “Antirassismus-Person” haben sie ein Recht, jederzeit, vor, während, hinter und neben der Lesung.
    Als würde ich einen Astrophysiker zu einem Vortrag einladen, und auf dem Weg vom Bahnhof verlangen, dass er mir JETZT UND HIER das eine mit der Fliehkraft erklärt, was ich immer in der Neunten nicht verstanden hab’, wo ich grad noch eine Vier hatte.

  3. Pingback: Kopf gegen Wand « Afrika Wissen Schaft

  4. Angelika on said:

    hallo Noah Sow, ich möchte ihnen danken, dass sie ihre erfahrungen hier mit-/teilen.
    ihr mut und ihr konsequentes handeln/verhalten wird mich zukünftig inspirieren und daran erinnern, damit ich in meinem alltag und in analogen “-ismus 101/-situationen” auch endlich/konsequent handeln werde.

    alles gute

  5. Recht auf Wut. on said:

    Die Kritik der VeranstalterInnen des “antirassistischen” Festivals in Fulda an Noah Sow ist äußerst aufschlussreich- was fies subtile Formen von Rassismus im Speziellen und Diskriminierung im Generellen angeht. Denn indem sie ihr vorwerfen, “übereagiert” zu haben oder “arrogant” zu sein, sprechen sie Noah Sow das Recht auf ihre Wut und Verletztheit ab. (Und verdammte Axt- was gibt es an der Stehlampe nicht zu verstehen? )

    Die VeranstalterInnen reklamieren eine Deutungshoheit- und definieren, wie Noah Sow die Situation ja eigentlich sehen sollte. Sie verleugnen die diskriminierende Situation und stellen die Wahrnehmung von Noah Sow als unglaubwürdig dar. Interessant ist auch, wer für das Scheitern des Vortrages verantwortlich ist- der Deutungshoheit der VeranstalterInnen zufolge Noah Sow. Wer fühlt sich also in der Machtposition und warum?

    Schlimm, dass bei den VeranstalterInnen die Basics fehlen- noch schlimmer ist der mangelnde Wille, einen konstruktiven und gleichberechtigten Dialog zu suchen.

  6. Betti on said:

    Wollte erstens das gleiche sagen wie Angelika in Kommentar Nr. 55. Außerdem: Danke fürs für mich sehr komfortable Erklärtkriegen und fürs Anbieten sauberer Argumentationen für Dinge, auf die ich bisher selbst mehr so bauchmäßig reagiert habe und oft nicht so präzise den Finger drauf legen konnte. Also eigentlich ganz allgemein: DANKE für Ihre Arbeit!!

    Ihren Aufruf, dass bitte auch andere mal jetzt erklärend in die Bresche springen sollen, fand ich übrigens genauso super wie Ihre Reaktion in der konkreten Situation. Ich habe viele Blogs gelesen, die Ihrem Aufruf gefolgt sind und ich persönlich habe auf jeden Fall in den letzten Tagen echt nochmal richtig viel gelernt, was Argumentationsmuster und Gegenreaktionen angeht, auch wenn das ganze eklige rassistische (und nebenbei noch antifeministische, weil natürlich direkt mal Einige schön wieder ganz dringend den Rundumschlag inkl. persönlicher Angriffe auf einzelne Reagierende brauchten) Reflex-Krakele, das dadurch ausgelöst wurde, ganz schön auf den Magen schlägt. Aber das solls auch mal ruhig, da wird einem/einer mal wieder so richtig schön bewusst, in was für prima ach-so-aufgeklärten Verhältnissen wir hier leben und wie supidupi hier alle Ahnung haben von Rassismus, Sexismus, Hass-Scheiß und alltäglichem Kackkram.

    …Wobei es natürlich auch mal wieder ziemlich bezeichnend ist, dass “man” (also ich in meiner spezifisch privilegierten Position als Weiße) erst ein paar Tage lang so einen Troll-Dreck von Autoren und Kommentator_innen lesen muss, um “sich” (also mir) bewusst zu machen, WIE selbstverständlich Rassismus ist und in welch absurden diskursiven Gewändern und “”"Argumenten”"” er inzwischen daherkommt. Dass ich sowas inzwischen als Ausdruck meiner eigenen Privilegiertheit einordnen kann und daraus endlich auch bestimmte Verpflichtungen ableite (z.B. was Informiertheit und Sprachgebrauch angeht), habe ich zu nicht unwesentlichen Teilen der Arbeit von Ihnen und anderen Autor_innen zu verdanken.
    Wie gesagt: Danke dafür!

  7. Susan Arndt on said:

    per Mail:

    Hallo Leute vom Asta Fulda,

    ich möchte euch schreiben, weil mir Folgendes am Herzen liegt.

    Antirassismus ist mehr als der Wunsch, Rassismus inakzeptabel zu finden. Antirassismus ist Arbeit, Schwerarbeit. Jeder Widerstand gegen Rassismus setzt voraus, dass Mensch weiß, was Rassismus ist, wie er funktioniert, wo er wirkt. Bevor weiße Leute dazu People of Colour bemühen, sollten sie sich etwas in das Thema eingelesen haben, es gibt randvolle Bibliotheken mit ausgezeichneter Einführungslektüre. You Tube macht das Ganze noch einfacher.

    Ich empfehle euch folgende drei-stündige Einführung:
    http://www.google.de/#q=bbc+racism+a+history&hl=de&prmd=imvns&source=lnms&tbm=vid&ei=96etTsvoKIjZsga-y4XNDw&sa=X&oi=mode_link&ct=mode&cd=4&sqi=2&ved=0CBIQ_AUoAw&bav=on.2,or.r_gc.r_pw.,cf.osb&fp=8ed4f28f67cec645&biw=1024&bih=543Ganz

    Und ich empfehle euch vor allem die Lektüre des Buches von Noah Sow.
    Deutschland schwarz weiß.

    Es ist einigermaßen ungebührlich, eine Autorin einzuladen, ohne ihre Grundthesen und –ideen zu kennen. Hättet ihr einen Blick in das Buch von Noah Sow geworfen, hättet ihr gewusst, dass Rassismus sehr gewaltvoll ist, genaugenommen nichts anderes bedeutet, als sich weiße Macht, weiße Gewalt anzuschauen. Ihr habt weiße Gewalt ausgeübt, rassistische Gewalt. Das Sprechen über Rassismus macht es erforderlich, sich genau zu überlegen, wie ihr über Rassismus reden könnt, ohne seine Codes zu reproduzieren. Was muss ich wissen, damit ich einen solchen Raum schaffen kann? Rassismus – das sind nicht die Nazis, Rassismus hat über Jahrhunderte hinweg Strukturen und Wissen geschaffen. Da geht es nicht um (Nicht-Rassistisch-Sein) wollen, sondern darum, zu wissen, dass Rassismus ein Erbe ist, das Weiße anerkennen müssen, um sich damit kritisch auseinandersetzen zu können.
    Warum ladet ihr eine der wichtigsten Aktivistinnen und Denkerinnen gegen Rassismus ein und macht euch nicht mit dem vertraut, was sie bereits an Vorarbeiten geleistet hat; ihrem Buch, ihrer Website?
    Lest ihr Buch, ladet weiße Leute ein, die einen Workshop zu Rassismus mit euch machen, lest weiter und denkt nach; dann (und erst dann!!!) könnt ihr Noah Sow einen Entschuldigungsbrief schreiben. Für den Moment könnt ihr nichts Besseres mehr tun, als unverzüglich die im Vertrag vereinbarten Honorar- und Fahrtkosten zu begleichen und ihr das Geld zu überweisen.

    Ihr könnt dieses rassistische Dings da, dass Versklavung als Nippes darstellt und dabei skandalös verleugnet, ja schon mal entsorgen – aber bitte nicht tonlos, sondern verbunden mit einer aufarbeitungsorientierten Aktion, die auch andere auf die Tiefen und Untiefen des Rassismus in Fulda, an der Uni, im Asta aufmerksam machen kann.

    P.S. People of Colour/Schwarze Deutsche = Begriffe, mit denen Schwarze Menschen in Deutschland und anderswo Widerstand gegen jenen Rassismus leisten, der ‚Hautfarben‘ und ‚Rassen‘ erfunden hat, um die Versklavung und Terrorisierung von Millionen und Abermilionen von People of Colour auf der gesamten Welt zu rechtfertigen (das war nicht zu rechtfertigen, aber viele glauben daran, sie glauben ja bis heute daran, dass es ‚I[...]er‘ gibt und dass es schick aussieht, aus Versklavung verharmlosend Nippes zu machen).

    Mit freundlichen Grüßen
    Susan Arndt

    Prof. Dr. Susan Arndt
    Universität Bayreuth
    Sprach- und Literaturwissenschaftliche Fakultät
    Fachgruppe Anglistik
    Universitätsstr. 30
    D-95440 Bayreuth

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  10. Lieber AStA Uni Mainz, liebe Hochschulgruppen, geehrtes Studierendenparlament,

    als Studentin der Uni Mainz, Aushilfe des autonomen AlleFrauenreferats, Helferin des letzten festival contre le racisme und ehemalige Finanzreferentin (etc.) richte ich mich mit einer Bitte an Euch und hoffe, dass sich zumindest eine Hochschulgruppe meiner Forderung im Stupa (Studierenparlament) annehmen möge.

    Schockiert habe ich zur Kenntnis genommen, dass die fzs-Kampagne „festival contre le racisme“ sich nicht klar gegen Rassismus stellt. Wie wahrscheinlich schon zu Eurer Kenntnis gekommen ist, kam es in Fulda im Rahmen des festival contre le racisme zu einem widerwärtigen Vorfall, der das Label „festival contre le racisme“ nicht mehr für gute Veranstaltungen stehen lässt. Insbesondere, weil der fzs sich nicht für den „guten Namen“ eingesetzt hat, sondern bekannt gegeben hat: “Weder inhaltlich noch formal möchte der fzs sich in die konkrete Ausgestaltung des festival contre le racisme der ausrichtenden Hochschulstandorte einmischen.”

    Das stellt einerseits mein bisschen Engagement für das diesjährige Mainzer festival contre le racisme in Frage und andererseits eine mögliche Fortführung der Kampagne in Mainz im nächsten Jahr in ein schlechtes Licht. Das diesjährige Orga-Team des Mainzer festival contre le racisme hat meines Erachtens sowohl in der Gestaltung als auch im Transport des Labels gute Arbeit geleistet. Umso bedauerlicher, dass das Label nicht vom fzs geschützt wird, sondern Rassismus vom fzs unter diesem Label geduldet wird.

    Die Verfasste Studierendenschaft (VS) Uni Mainz hat in diesem und den letzten Jahren einiges Geld sowohl in die Kampagnendurchführung als auch in die Öffentlichkeitsarbeit für das Label gesteckt. Hinzu kommt ein nicht unerheblicher Mitgliedsbeitrag zum fzs. Kann die Verfasste Studierendenschaft (VS) der Uni Mainz dulden, dass dieses Geld (und die investierte ehrenamtliche Arbeit) einfach durch „Untätigkeit“ des fzs verpufft?

    Geehrtes Studierendenparlament, liebe Hochschulgruppen, lieber AStA,
    ich bitte Euch dafür zu sorgen, dass die Arbeits- und Finanzinvestition der VS Uni Mainz nicht vergeblich waren.
    Bitte rettet zumindest das Label des Mainzer festival contre le racisme indem wir uns für die Forderung Noah Sows (Honorar, Reisekosten) verbürgen. (Ein Kleckerbetrag gegen das Geld, was die VS Uni Mainz bereits investiert hat.)
    Friert den Mainzer Mitgliedbeitrag für den fzs ein, bis dieser bereit ist, auch im Rahmen des festival contre le racisme gegen Rassismus zu arbeiten. (Sollte das Einfrieren nicht möglich sein, überweist den Betrag einfach als Schmerzensgeld an Noah Sow oder eine Organisation ihrer Wahl).

  11. Pingback: Statement zu den Ereignissen in Fulda und weißen Abwehrmechanismen « Wochenendseminar zu antimuslimischen Rassismus

  12. Pingback: Gewalt « shifting reality

  13. Großartig: Unter http://www.criticalwitness.com/day/2011/11/7/ gibt es jetzt ein ‘Medley der besten Ego-Defence Mechanisms’ in Bezug auf “den Lampenvorfall”.

  14. Gürcan on said:

    Manchmal ist der Weg der Selbsterkenntnis schwierig, sogar sehr schwierig und schmerzhaft. Wenn in einem selbst affektive Reflexe als Argumente Gestalt annehmen, wie wild auf jemanden einprügeln, weil man selbst, selbst ganz tief im Innern verletzt ist. Aber wenn man die gleiche Wunde am anderen nicht sehen will, dann ist wirklich die Zeit gekommen Einkehr zu halten, ist die Zeit gekommen den Mund und einfach die Schnauze zu halten und nach-zu-denken! Ich, Gürcan, der leckt nun das auf, was er weiter oben erbrochen hatte und er tut es gerne, das ist das Geringste was er tun kann…
    Letzte Woche fuhr ich nach Bayreuth, um nach knapp zwei Wochen intensivster Auseinandersetzung mit der Thematik PoC und Rassismus, gleichzeitig zutiefst aufgewühlt bei einer Lesung mit Noah Sow, Susanne Arndt und Nadja Ofuatey-Alazard dabei zu sein. Ich wollt dabei sein und wieder diese verbale Keule auspacken, draufhauen, weil es einem im innern selbst weh tut, weil die eigene Sehnsucht nach Konformität und Anpassung, diese Tiefe Sehnsucht auf die Normalität der gesellschaftlichen Mitte, auf die Anerkenung dieser Mehrheitsscheiße wohl so tief in der Seele sitzt. Während der zwei stündigen Fahrt von Fulda nach Bayreuth las mir mein Weggefährte aus dem kürzlich veröffetlichtem Sammelband “(K)erben des Kolonialismus im Wissensarchiv deutsche Sprache vor”. Und mir wurde bewusst, dass das was er mir da vorlas auch mein Standpunkt war. “Weiß-Sein” als gesellschafts-politsche Kategorie, der Kampf um Diskurshoheit und die notwendige Zersetzung postkolonialer Begriffsprägungen erfordert ein heftiges Wachrütteln, um sich überhaupt bewusst werden zu können in welch einen tiefen Dornröschenschlaf man gefallen ist. Mir wurde bewusst, dass ich Franz Fanon zwar gelesen, aber ihn verraten hatte; dass ich Derrida, Foucault, Barthes, Lytoard gelesen, aber alle verraten hatte. Mir wurde aber auch bewusst, dass ich Dich, Noah Sow, verraten habe,…es tut mir schrecklich leid!
    Gürcan

  15. Pingback: Statement zu Noah Sow « karano2

  16. Eliane on said:

    Krass!!

    Ich hab mich letzten Semester an der HS Fulda beworben und habe auch eine Zulassung erhalten…Bin froh,dass ich mich umentschieden habe..:)..Ich und mein Freund wir haben ,beide Wurzel aus dem Kongo, wären extra dort hingezogen..

  17. Julia on said:

    Hallo Frau Sow (hallo an alle Anderen),

    ich studiere an der HS Fulda, und war -wenn auch nicht bei Ihrer geplanten Lesung anwesend- im Nachhinein zutiefst erschüttert, wie Sie es nur wagen konnten, uns arme Studenten einfach sitzen zu lassen…. wegen einer blöden Lampe! Ich dachte wirklich, dass es übertrieben ist, einfach zu gehen, und vertrat wie viele andere meiner Kommiltonen/Kommilitoninnen die Meinung “Auch wenn diese Lampe vielleicht als rassistisch empfunden wurde, war die Reaktion von Noah Sow nicht im entferntesten angebracht. Zudem wäre das doch ein super Einstieg gewesen….”

    Nach meiner ersten Wut habe ich mir jedoch einige Kommentare ihres Blogs durchgelesen, und mir wurde klar, dass ich mich noch nie mit meinem “Weiß-sein” auseinander gesetzt habe, dass ich noch nie in dem Punkt Selbstreflektion betrieben habe. Ich habe mir ihr Buch “Deutschland schwarz weiß -der alltägliche Rassismus” besorgt, und es binnen eines Tages durchgelesen.
    HOCHMUT KOMMT VOR DEM FALL-UND MEIN FALL TAT WEH!
    Meine Reaktionen, als ich ihr Buch las, reichten von Gegenwehr und Wut (am Anfang des Buches)über “unwohlsein” (Mitte des Buches) bishin zur Scham (Ende des Buches)!

    Ich hielt mich immer für antirassistisch, und hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, wie rassistisch geprägt ich doch in Wirklichkeit bin. Erschreckend! Mein liebstes Kinderbuch von damals “Pippi Langstrumpf” hielt ich immer für ein wunderbares Märchen. Dass diese Geschichte jedoch schwarze Menschen als dumm aber körperlich stark hinstellt, und somit eine Mitschuld an dem täglichen Alttagsrassismus trägt, war mir nicht bewusst.

    Jetzt bin ich froh darüber, dass Sie, Frau Sow an dem Abend (der geplanten Lesung im “Cafè Chaos”) gegangen sind, denn sonst hätte es diese “innerliche Reaktion” bei mir wahrscheinlich nicht gegeben, und ch hätte nicht angefangen, mich kritisch mit mir und meinem Weiß-sein auseinanderzusetzen.

    Danke Noah Sow!

    Gruß Julia

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