Überfall auf Inder in Mügeln.
Polizei sieht trotz »Ausländer raus«-Rufen keinen fremdenfeindlichen
Hintergrund. Linkspartei kündigt parlamentarisches Nachspiel an.
Wer Menschen durch die Straßen jagt, denen ihre indische Herkunft anzusehen ist und dabei »Ausländer raus« ruft, liefert der sächsischen Polizei noch keinen Anhaltspunkt für ein fremdenfeindliches Motiv.
Das jedenfalls ergibt sich aus deren Erklärungen nach einer Hetzjagd durch die rund 5 000 Einwohner zählende Kleinstadt Mügeln im Landkreis Torgau-Oschatz zwischen Leipzig und Dresden.
In der Nacht zum Sonntag haben bis zu 50 Deutsche eine Gruppe von acht Indern auf dem Altstadtfest im sächsischen
Mügeln überfallen, wie die Polizei erst am Sonntag abend mitteilte.
Die Angegriffenen versuchten sich in eine Pizzeria zu retten, die daraufhin von dem Mob belagert wurde.
Scheiben gingen zu Bruch, alle acht Inder wurden verletzt, zum Teil derart schwer, daß sie über Nacht im Krankenhaus behandelt werden mußten.
Die Polizei, die mit 70 Beamten im Einsatz war, wurde mit Flaschen und Steinen beworfen. »Zahlreiche Schaulustige beobachteten das brutale Treiben«, berichtete Spiegel online am Montag. Beschreibungen, die an die Ausschreitungen in Rostock Lichtenhagen erinnern.
Der Angriff auf das dortige Asylbewerberheim jährt sich am Mittwoch zum 15. Mal.
Auslöser auf dem Altstadtfest in Mügeln sei nach bisherigen Erkenntnissen eine Rangelei auf einer Tanzfläche gewesen, erklärte eine Polizeisprecherin am Montag in Leipzig. Im Laufe der Verfolgung sei zwar die Parole »Ausländer raus« zu hören gewesen – ein Anhaltspunkt für ein generell fremdenfeindliches Motiv ergebe sich daraus aber nicht.
Laut Spiegel online bestätigte die Polizei gestern auch, daß die Parole »Hier regiert der nationale Widerstand« gerufen wurde. »Obwohl es sich um ein regelrechtes Pogrom unter den Augen der örtlichen Bevölkerung handelte, ordnen Journalisten und Lokalpolitiker die Übergriffe als Massenschlägerei ein«, kritisierte die Bundestagsabgeordnete Ulla Jelpke (Die Linke) das Verharmlosen von Neonazigewalt.
Auf die Frage nach der Existenz von organisierten Neofaschisten in Mügeln sagte dessen Bürgermeister, Gotthard Deuse (FDP), er müsse das »eigentlich verneinen«.
Es gebe seiner Beobachtung nach im Ort »keine rechtsextreme Szene«, so Deuse gegenüber junge Welt.
Die Sprecherin für antifaschistische Politik der Linksfraktion im Sächsischen Landtag, Kerstin Köditz, berichtete hingegen von »einschlägigen Nazikonzerten, die in Mügeln stattgefunden haben«, sowie von einem in dem Ort ansässigen »rechtslastigen Musikversand «. Die Einschätzung, es gebe in Mügeln keine rechtsextreme Szene, bezeichnetesie als blauäugig. »Volksfeste dürfen nicht zur No-Go-Area werden«, warnte Köditz am Montag in einer Pressemitteilung.
Sie kritisierte zudem »die verspätete und unzureichende Information der Öffentlichkeit durch die Polizeidirektion« und kündigte an, daß sie den massiven Übergriff im Innenausschuß des Landtags thematisieren werde. Dort wird es vermutlich auch darum gehen, ob es Vorwarnungen aus der rechten Szene gegeben hat.
Eine Polizeisprecherin bestritt den Vorwurf, daß ihre Behörde im Vorfeld von möglichen Ausschreitungen gewußt habe.
Sie erklärte, es habe lediglich eine E-Mail an den Jugendklub des Ortes gegeben, in der vor einem Überfall gewarnt worden sei. Der Klub habe aber mit dem Vorfall auf dem Stadtfest »nichts zu tun gehabt«. Die Polizei habe die betreffende Mail bis Montag auch nicht zu sehen bekommen.
Nach deren Angaben versucht derzeit eine neunköpfige Ermittlungsgruppe, den genauen Ablauf zu rekonstruieren. Bislang sei es aber wegen der vielen Beteiligten nicht gelungen, den Kreis der Verdächtigen einzugrenzen.
Es handle sich aber um mindestens 15 Personen. Zwei Männer im Alter von 21 und 23 Jahren seien am Sonntag vorläufig festgenommen worden. Gegen sie bestehe zwar weiter ein dringender Tatverdacht – sie befinden sich aber wieder auf freiem Fuß.
Dieser erneute Fall rassistischer Gewalt zeigt das die weiße Deutsche Mehrheitsgesellschaft sich endlich auf den Weg machen muss Rassismus zu benennen um ihn endlich effektiv bekämpfen zu können, sonst wird Mügeln nicht der letzte Fall bleiben.
Artikel von Claudia Wangerin
Junge Welt
(Ergänzend kann ich dieses Infopapier empfehlen):
Informationen für JournalistInnen zum korrekten sprachlichen Umgang mit rechtsextremistischen oder rassistisch motivierten Straftaten

.. das ganze wird ja noch besser, nicht nur dass rechte Idioten wie PI jene Inder als einer ‘etwa gleichgrossen gruppe’ von deutschen Schlaegern gegenueberstehend sahen (als wenn dadurch der rassistische Aspekt der Tat verdeckt wuerde), der Buergermeister Muegelns gibt der JF ein Interview, in der er den xenophoben Charakter der Jagd entweder verneint: ‘ganz normale Schlaegerei’ oder sogar, wenn das nicht haelfe, den offenbar dann doch auslaenderfeindlichen Charakter der Geschehnisse als ‘nicht-rechts’ einstuft, als wenn die Faktizitaet der Ereignisse, naemlich dass eine Gruppe, sie sich ethnisch auszeichnet, von einer zweifellos groesseren Gruppe von duemmlich groelenden Muegelnern krankenhausreif gepruegelt wuerde, nicht ausreichte- ‘nicht-rechts’ als Synonym fuer einen neuen Nullpunkt der Wertekonstrukte, die ‘Junge Freiheit’ als Organon einer regressiv dekonstruierten Wahrheit.
http://www.sueddeutsche.de/,ra1l2/deutschland/artikel/648/130422/