7 Kommentare zu “Nationalmannschaft: Atze goes Volks-Phantasien?”

  1. Die bisweilen angewandte Praxis, talentierte ausländische Sportler mit dem deutschen Personalausweis auszustatten, sofern entsprechende Vakanzen vorhanden sind, ist im Erstligafußball (im Gegensatz zu Nicht-TV-Sportarten wie z.B. Ringen oder Eishockey) doch eher die Ausnahme. Und wenn es denn mal durchgeführt wird, verarbeitet es die Presse allemal als Schlagzeile. So gesehen, hat es schon etwas Besonderes, wenn Spieler wie (vor einigen Jahren) Sean Dundee und Paolo Rink oder (in jüngerer Vergangenheit z.B.) Gerald Asamoah erst dann Ihre Nationalität wechseln, wenn dadurch eine Einberufung in die deutsche Nationalmannschaft möglich wird.
    Sowohl beim Zeitpunkt als auch bei den Motiven der Beteiligten besteht schon Raum für Spekulationen und ein möglicher Ansatzpunkt für Ironie oder meinetwegen auch für Kalauer.

    Es steht in der Tat zu befürchten, dass dies von Atze Schröder so nicht gemeint war.
    Unglücklich, dass ausgerechnet er, der gerne auch mal dumpfen Populismus karikiert, mit altbackenen und bedenklichen Nationalismus-Vorstellungen hausieren geht. Denn die sind aus seinem ‘Gag’ tatsächlich ableitbar- nicht aber zwingend notwendig so beabsichtigt.
    Gleichermaßen unpassend ist natürlich auch der Zeitpunkt der Wiederholung seines Spruchs: genau in der Woche, in der ein Bremer Nationalspieler, Ziel eines dummen, verbalen und graphischen NPD-Angriffs wird.

    Ungeeignet finde ich aber auch die Überschrift dieses Blog-Eintrages. Schröder aufgrund eines misslungenen (weil wenig durchdachten) Witzes, nationalsozialistisches Gedankengut und rechtsradikaler Gesinnung zu unterstellen oder zumindest den Transport dieser Ideologie zu begünstigen, ist meiner Ansicht nach nicht in Ordnung.
    Das ZDF feiert ihn auch nicht für diesen Spruch! Zumindest nicht in dem verlinkten Artikel. Sie zitieren ihn oder belassen es im Interview unwidersprochen.
    Der moralische Zeigefinger ist trotzdem angebracht.
    Atze ist populär und hat, da stimme ich mit Deinem Freund überein, aufgrund seiner Popularität gesellschaftliche Verantwortung. Als Künstler genießt er dabei besondere Freiheit. Die endet allerdings da, wo er Andere einschränkt. Dementsprechend sollte er sorgfältiger überlegen, was er so rausposaunt.

  2. so, damit die Wahl der Überschrift (die ich im übrigen für genau so polarisierend wie richtig hielt, denn was ist die Idee, dass alle Nachnamen von Spielern Müller sein müssen, denn anderes als A..Phantasien?) nun nicht mehr Gegenstand der Diskussion sein muss und Anlass für einen eigenen “Nebenkriegsschauplatz” gibt, der am Thema knapp vorbei ist, habe ich sie jetzt geändert. Manchmal gibt es weniger Verständnis dafür, darauf hinzuweisen, dass jemand Gedankengut von sich lässt, das die Rechtsaussen auch vertreten (und das zu mockieren), als Gedankengut von sich zu lassen, das die Rechtsaussen auch vertreten. Damit das hier nicht passiert, ab sofort die entschärfte “sozialverträglichere” Version.

  3. Da hat er doch vollkommen Recht der Schröder. Er hat doch im Grund nur darauf hingewiesen, daß diese “deutsche” “National”-Mannschaft durch ihre Zusammensetzung ein Witz ist.

    Sich darüber künstlich aufzuregen, halte ich – gelinge gesagt – für Blödsinn.

  4. Hmm, ich persönlich wäre nie auf die Idee gekommen, den Gag so zu deuten.

    Es geht doch nicht darum, dass alle Nationalspieler Müller heißen sollen.

    Ganz im Gegenteil, die Aussage lautet: vergesst die unsinnigen Diskussionen über deutsche Werte und angeblich gescheiterte Multikulturelle Gesellschaft. Wir sind schon lange mitten drin!Umkehr ausgeschlossen.

    Akzeptiert es, oder hört auf Fußball zu schauen. Durch solche Witze macht man vielleicht auch einem strammen Rechten klar, dass es in unserer Gesellschaft (außer in einigen traurigen Orten im Osten) keine “National befreite Zone gibt”, noch nicht mal im Ur-deutschen Fußball. Nicht gibt, und nicht geben wird (und auch nie wirklich gab, Atze Schröder kommt aus dem Ruhrgebiet- also einer Gegend, in der jeder zweite Nachname auf “-ki” endet…)

  5. Atze Schröder hat auch einen Werbespot für irgend’ne Chips-Marke gedreht.
    Dabei hat er sich “einfach nur” über Chinesen (= gelb = Briefkasten) lustig gemacht.

    Schröder weiss genau was er tut.
    Vielleicht lässt sich ihm nicht eine rechte Gesinnung unterstellen, dass er dumme Ideologien damit begünstigt aber allemal.
    Nur, dafür existiert so gut wie gar keine Sensibilität in unserer Gesellschaft.
    Wird darauf hingewiesen, gilt dies als politisch überkorrekt.

    Symptomatisch wie groß das Interesse daran ist, zeigen diese Telefongespräche.

    http://lorenzodigiovanni.twoday.net/stories/1846438/

  6. ..also ich stiess gerade über jenen ‘jetzt’-Magazin-Artikel über deine überaus finsteren Erfahrungen in einigen Gegenden Ostdeutschlands auf deine Seite und man muss das sagen, mir war nicht klar, dass diese Gesellschaft inzwischen nicht viel weiter ist, stattdessen katapultiert sich die Zivilisation offenbar mit jedem neuen Fortschritt ein wenig tiefer in ihre xenophobe Vorzeit.

    Es ist wie du schon sagtest, der Hinweis auf Parallelitaet mit rechtsradikalem Gedankengut ist in Deutschland unglaublich tabuisiert, jemand kann über die Bedrohung durch Moscheen in Berlin-Kreuzberg schwadronieren, wenn man ihn darauf hinweist, dass das EXAKT rechtes Gedankengut repraesentiert, bricht ein irrationales beleidigtes Geschrei los. Ich kenne ‘atze Schroeder’ nicht, sehe niemals fern, ich halte die Wahrscheinlichkeit dafuer, dass er auf die Sinnlosigkeit nationaler Begriffe hinweisen wollte, indem er diese als laengst ueberwunden am Beispiel der Nationalmannschaft darstellt, für eher klein, eher scheint es so eine Art ‘kokettieren’ mit dem Begriff ‘Multiethnie’ zu sein, ein überaus fragwürdig-ironisches, wenn er genuegend Sensibiltaet aufbraechte wuerde er selbst fuer die notwendige Klarstellung sorgen, tut er aber nicht.

    Noah, ich bewundere dich für deine Stärke und für deine Klarheit in diesen Dingen, ich hätte Deutschland wahrscheinlich laengst den Rücken gekehrt (und denke darüber tatsaechlich nach), was keine besonders kämpferische Position ist, also mach weiter so, auf deine Art.

  7. Um die Sache mit der Chips Werbung aufzugreifen, Atze Schröder macht Werbung dafür, ganz genau, Werbung und er bekommt Geld dafür. Für Geld würden diese Typen doch alles machen und sagen. Nicht Atze Schröder ist das Arschloch, sondern die Menschen, die sich eine Solche Werbung ausdenken.

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