irre, da schreibt man sich die Finger wund, damit die Dominanzkultur ihren sprachlichen Umgang mit nicht-Weissen so fair wie möglich gestalten kann, und dann dieser blöde Fauxpas:
Im Rahmen des ARTE-Themenabends „schwarze Haut, weisse Angst“ schreibt der HR (produzierender Sender) in den Originalpressetext:
“Der Themenabend zeigt die Situation der Schwarzen in Deutschland und Frankreich”
Und was macht irgendeine superschlaue pseudo-gute Person aus der deutschen Abteilung der ARTE Online Redaktion eigenmächtig aus diesem simplen Satz?
„Der Themenabend untersucht die Probleme der Farbigen in Frankreich und Deutschland und zeigt ihre Ängste und Hoffnungen.“
Schwupps wird aus “Situation” also “Problem” und aus den Schwarzen werden “Farbige”.
Das ist deshalb ziemlich ärgerlich, weil ja unter anderem vor allem die „Benennungshoheit“ ein so wichtiger noch nicht erreichter Schritt ist, damit die deutsche Öffentlichkeit rassismusfreier werden kann. „Farbig“ ist niemand.
Und warum ist es automatisch ein „Problem“ wenn ich über meine Lebenssituation erzähle?
Auf der Homepage derbraunemob.info findet sich übrigens ein aufschlussreiches„Frage-Antwort“-Tutorial, in dem u.a. auch behandelt wird, weshalb „Farbige“ ein blödes Wort ist und schon gar nicht von irgendeinem Nicht-Auskennner als Synonym für Schwarze verwendet werden kann.
Hier poste ich mal den ganzen Text, da ja anscheinend eindeutig noch Nachhilfebedarf besteht.
Frage: WARUM BEHAUPTET IHR DASS ES KEINE “FARBIGEN” GIBT?
“Farbig” soll in Deutschland in der Regel als eine höflicher gemeinte weil schwächere Form von Schwarz dienen; damit soll “abgeschwächt” werden, dass jemand schwarz ist, und genau das ist das Problem dabei: das Gegenteil ist der Fall.
“Euphemismus” heisst, eine stark beschönigende Bezeichnung zu verwenden für etwas, dessen ehrlicher Name uns zu verstörend erscheint. Also beispielsweise “entschlafen” statt “gestorben” oder “vorübergehendes Unwohlsein” statt “Depression” etc. Solche Euphemismen treten nur dann auf wenn es tatsächlich etwas zu beschönigen gibt und allein dass man sie verwendet, heisst ja schon, dass man sich dessen bewusst ist, wie unangenehm einem in Wirklichkeit das ist, was man da eben pseudo-elegant zu umschreiben versucht. Klar: Sachen, die nicht schlimm sind, darf man auch ruhig beim Namen nennen. Um den heissen Brei herum reden muss man nur bei schlechten Angelegenheiten. Das ist einer der Gründe, warum “Farbig” bei den meisten Schwarzen nicht besonders gut ankommt, denn es ist der Euphemismus von “Schwarz” und das heisst, dass der, der das Wort verwendet, ein Problem damit hat, wenn jemand schwarz ist.
Um wirkliche “Farbe” geht es hier sowieso nicht, denn wie uns sicher allen schon aufgefallen ist, verfügen Weisse zumeist über ein weitaus beeindruckendes Repertoire an verschiedenen Farbnuancen ihrer Hautoberfläche. Da wir uns ja hoffentlich alle einig sind, dass es nicht so schlimm ist, weiss zu sein (oder auch schwarz), braucht man für diese Hautfarben auch keine Beschönigungen. Kein Mensch muss sich dafür schämen, weiss oder schwarz zu sein, also kann man das Kind auch ruhig beim Namen nennen.
Ein anderer Grund dafür dass “Farbig” nicht besonders höflich ist, ist dass es so klingt, als sei Weiss quasi der “Normalzustand”, die “Ausgangsposition” und ein “Farbiger” so etwas wie ein “angemalter” oder “eingefärbter” Weisser (dass die evolutionäre Wirklichkeit wie auch die der Proportionalitäten der Weltpopulation eine ganz andere Sprache spricht, versteht sich von selbst). “Farbig” klingt nicht nach gleichberechtigter eigenständiger Population sondern nach verniedlichender “Abweichung von Weiss”. Und das ist natürlich Quatsch; genausowenig wie Weisse nur Schwarze mit Pigmentschwäche sind, sind Schwarze eingefärbte Weisse.
Ausdrücke wie “Mulattin” (zu deutsch “Mischung zwischen Esel und Pferd”) oder “Mischling” sind, obwohl sie unverhohlen dem Tierreich entliehen sind und daher denkbar primitiv und ungeeignet um Personen zu bezeichnen, leider immer noch oft anzutreffen, werden allerdings hoffentlich bald auch von der publizierenden Öffentlichkeit als die überflüssigen wie entwürdigenden Beleidigungen erkannt, die sie darstellen.
Es ist bei dem ganzen Thema tatsächlich denkwürdig, warum unsere Gesellschaft ausschliesslich Schwarzen gegenüber einen dermassen verbissenen Hautfarben – “Kategorisierungsdrang” zeigt und sich einbildet, ohne “Rassenabstufungen” (denn darum geht es hier letztlich) von Schwarzen nicht auszukommen. Bei allen anderen Hautfarbentypen gelingt das doch auch mühelos.
Einzelne mögen sich auch dagegen wehren, in jedweder Form kategorisiert zu werden oder (weil sie es anders gelernt haben oder aus welchen Gründen auch immer) auch gar nicht als “Schwarze” bezeichnet zu werden. Dafür sollte Verständnis aufgebracht werden, es ändert jedoch wenig an den objektiven Gegebenheiten respektvollen und korrekten sprachlichen Umgangs. (Wenn vereinzelte Blondinen gerne mit “Baby” angesprochen werden, heisst dies ja auch nicht, dass das dadurch eine öffentlich legitime Bezeichnung von blonden Frauen wird.)
Manche vorgeblich gutmeinende Leute beharren interessanterweise auf der Unterscheidung zwischen hellhäutigen Schwarzen und dunkelhäutigen Schwarzen und outen sich indirekt als Rassisten indem sie aufmunternd sagen “och, du bist doch gar nicht RICHTIG schwarz” (ganz als solle man das als Kompliment auffassen). Dies ist ein bedauerlicher Irrtum und eher eine Beleidigung, denn jemand, der oder die von den meisten Teilen der Welt als Schwarze(r) wahrgenommen wird und dadurch mit diversen Widrigkeiten zu kämpfen hat, braucht bestimmt nicht oben drauf noch die exzentrische Ansicht, er oder sie sei “ja gar nicht richtig schwarz”, dürfe also nicht einmal diese Identität behalten. Selbstverständlich gibt es neben der Hautfarbe noch einige andere als “typisch schwarz” geltende Merkmale, aufgrund derer man bisweilen versucht, Menschen zu kategorisieren, definieren und pauschalisieren: Ein schwarzer Albino mit krausen Haaren ruft andere Reaktionen hervor als eine hellhäutige Schwarze mit glatten langen Haaren. Wir können hier nur erneut empfehlen, die Situation einmal umgekehrt durchzudenken und nachzufühlen, wie dämlich es wohl klingen würde, wenn beispielsweise einem schwarzhaarigen weißen Franzosen mit dunklem Teint tröstend versichert würde “du bist doch gar nicht richtig weiß”.
Wir wehren uns dagegen, unbewusst in “nicht ganz schwarz”/”ziemlich schwarz”/”ganz schwarz”-Schubladen mit den entsprechend darauf abgestuften Behandlungen und Erwartungshaltungen gesteckt zu werden und möchten dass dies zumindest in Öffentlichkeit und Medien nicht mehr legitim ist.
(…)Derartige Unterscheidungen existieren im übrigen bei anderen Hautfarben als der Schwarzen auch nicht, und es ist eher bemerkenswert, dass bei einigen Autoren der Drang zu bestehen scheint, Schwarze generell zuallererst mit einem Sachwort zu bezeichnen, das kennzeichnet, welcher Hautfarbe oder genauer “was”(!) sie sind.
“Wie soll ich denn jetzt zum Beispiel in einem Artikel ein Mädchen nennen, das das Kind eines Nigerianers und einer Deutschen ist”, so und so ähnlich werden wir oft gefragt. Die Antwort ist: “ein Mädchen”.

Die Mehrheitsgesellschaft, Folge mindestens 150
Die neue Mitte ist wieder bereit, sich zu schließen – ein Satz, der mindestens 2/3 der Einträge in diesem Weblog ihr Thema vorgibt. Vorbei die Zeiten, da Vielfalt überhaupt noch postiv konnotiert diskutiert wurde. Die ist in der Akte “Gutmenschentum…
weshalb „farbige“ ein blödes wort ist
Auf der Homepage derbraunemob.info findet sich übrigens ein aufschlussreiches„Frage-Antwort“-Tutorial, in dem u.a. auch behandelt wird, weshalb „Farbige“ ein blödes Wort ist und schon gar nicht von irgendeinem Nicht-A…
Fernsehtipp: Black Deutschland, arte
Aus Frau Sows Newsletter:
Am Dienstag, 24. Januar laeuft auf ARTE der Themenabend “Schwarze Haut, weisse Angst”. Darunter der neue Dokumentarfilm “Black Deutschland”, in dem mehrere schwarze Kulturschaffende und Identifikationsp…
Zu Schwarz für Spiegel-Online?
Auch bei Spiegel-Online werden aus “Schwarzen” ungefragt automatisch “Farbige”: http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/0,1518,402113,00.html Im Manuskript der Autorin Ulrike Krahnert (das ich vorher gesehen habe, weil ich ja auch von ihr interviewt …