Warum „fair“ problematisch ist

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Transkript:

 

Meine Lieben, der Begriff „Fair“ hat bitte ausgedient.

 

Alle die jetzt denken „WHOA da kommt die Politische Korrektheitspolizei und verbietet schon wieder ’n neues Wort“ –
Erstens, ich kann gar keine Wörter verbieten. Wer ’ne Flasche ist, rassistische Sachen sagen will und sich unterdrückt fühlt, wenn das nicht überall gut ankommt, verschwindet jetzt mal direkt. Mit euch rede ich nicht.

 

Denn ich rede mit Euch: Menschen, die ihre Sprache im Griff haben wollen.

 

— Was soll verkehrt sein an dem Wort „Fair“? Es wird doch für lauter positive Dinge verwendet: Gleichberechtigung, gleiche Zugänge, Gerechtigkeit, Beteiligung usw., was soll denn daran negativ sein?

 

Gar nichts ist negativ an allen diesen tollen gerade genannten Konzepten. Nur die Bezeichnung „fair“ ist fies.

 

Warum?

 

Weil die ursprüngliche Bedeutung des Wortes „hellhäutig“ ist.

 

„Definition von ‚fair‘ 4 : Nicht dunkel – helle Haut – eine hellhäutige Person 5: angenehm von Äußerem oder Geist, besonders aufgrund frischer, charmanter oder makelloser Natur – Der Gastwirt hatte zwei helle [faire] Töchter.“ © Merriam-Webster

 

 

In der Kolonialzeit war es in Europa an der Tagesordnung, dass hell mit gut und dunkel mit böse gleichgesetzt wurde. Und zwar aus Gründen kolonialer Propaganda: Wenn die Bevölkerungen glaubten, dass „dunkle“ Menschen einen schlechten Charakter hätten, würden sie sich nicht groß gegen Kolonialüberfälle und Versklavung auflehnen. Die anti-dunkel Propaganda ging sogar so weit, dass die Kirche „Aethiops“ als Synonym für den Teufel gebrauchte.

 

— hart, aber irgendwie auch Schnee von gestern?

Leider nein.

 

[Bild von Haut-aufhellungs-Produkt namens „fair and lovely“]

 

Schau jeden beliebigen Actionfilm, der vor dem Jahr 2000 oder 2005 produziert worden ist, und darin sind die Guten Figuren hell und die bösen Figuren dunkel. Herr der Ringe Teil 1, Spider Man 3, usw. Von noch älteren Filmen ganz zu schweigen. „Dunkel = schlecht“ war, als ich aufgewachsen bin, ganz „normal“. Und ist es immer noch, siehe Polizeikontrollen.

Ich empfehle die sehr traurige Kurzdoku zu schauen „A girl like me“ von Kiri Davis. Darin lehnen kleine Kinder dunkle Puppen ab, weil sie halt gelernt haben, was unsere Gesellschaften ihnen auf allen Kanälen einbleuen.

 

Also, um’s zusammenzufassen:

 

Das Wort „fair“ als Synonym für „gerecht“, „gut“ und „wünschenswert“ zu benutzen, steht unmittelbar in einer absichtlich rassistischen und kolonialen Tradition von white supremacy.

Vor allem Projekte, die rassismuskritisch oder gegen Diskriminierung sein wollen, sollten nicht in diese Falle tappen.

Ich habe mir angewöhnt, statt „fair“ und „unfair“ einfach zu sagen, was ich genau meine, situationsabhängig. Z.B. „gleichberechtigt“ oder „ungerecht“, oder im Sport: „Ganz ohne Blutgrätsche. Weiter so!“

Und ich habe mir dabei bisher noch nichts abgebrochen.

Danke für Ihre Aufmerksamkeit.

 


 

Quellen:

Lexika: oxforddictionaries.com, merriam-webster.com

„Aethiops“ als Teufel: JOHN HARVEY, The Story of Black, Reaktion Books, 2013, pg. 72 ff

Sonstige Infos: „Deutschland Schwarz Weiß“, http://www.noahsow.de/ebook

Fair & Lovely Bild: https://livewithstyle19.wordpress.com/2016/10/14/fairness-products-are-creating-racism-in-indian-society/

 

Bremen, 30. November: Vernetzungstreffen und Vortrag „Voraussetzungen für qualifizierte Antidiskriminierungsarbeit“

Veranstaltungsposter

 

18 Uhr Vortrag in deutscher Sprache mit englischer Flüsterübersetzung
Danach Vernetzungstreffen für Schwarze Initiativen, Gruppen, Leute, und Aktive of Color

Eintritt frei

Veranstaltet von https://www.decolonizebremen.com

Ort: Schwankhalle Bremen , Buntentorsteinweg 112/116, 28201 Bremen ( Kontakt )

 

 

Warum nicht 100% der Menschen „mit Migrationshintergrund“ lust haben, zu wählen

aka Überlegungen zur Bundestagswahl, die Qual der Wahl und warum es Sinn machen kann, eine kleine Partei zu wählen, die keine Chance hat.

 

 

Video-Transkript:

 

Ich habe eine Anfrage bekommen von irgendeinem Vereins… Stiftungs… Dings, gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Migration und Integration und defizitärlabelnde Ausgrenzungsgruppenkonstrukte – ich solle bitte ein Statement abgeben, dass die „Menschen mit Migrationshintergrund“

Print and audio publication: „Diaspora Dynamics: Shaping The Future Of Literature“

Based on my keynote speech at the opening ceremony of the African Literature Conference on “African Futures and Beyond: Visions in Transition”.

This article and AUDIO VERSION are now released online on my web page at noahsow.de/diaspora-dynamics

 

as well as in print in Arndt, Susan, Nadja Ofuatey-Alazard, and Abioseh Porter eds. Future Africa and Beyond. Visions in Transition. Special Issue of Journal of the African Literature Association (peer-reviewed). London/New York: Routledge, 2017.

 

ala-journalThe journal is featuring Wole Soyinka, Teju Cole and many others, so be sure to read it.

 

 

Online version is here on my website.

 

Please feel free to share, comment, discuss :)

 

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10 Jahre AGG – Eine Entwicklungshilfe

Dieser Text von mir erschien im Dossier „Alles schon fair? Mit Recht zu einem inklusiven Arbeitsmarkt!“1, hrsg. von IQ Fachstelle, VIA Bayern e.V.

 

 

 

Deutschland mag nicht von »Rassen« lassen. Entwicklungshilfe zum AGG.

 

Der unten stehende [im Dossier abgedruckte] Text ist entnommen aus dem Kapitel Noch lange nicht passé: »Rasse« und Rassismus in Deutschland der (aktualisierten) E-Book-Version des Buchs »Deutschland Schwarz Weiß«1. Er entstand im Jahr 2007 und wurde erstmals 2008 veröffentlicht. Ein kommentierter Nachdruck erfolgt in diesem Dossier, weil der nun schon zehn Jahre alte Text bis dato nicht an seiner Gültigkeit verloren hat.

 

Interessensverbände der ethnischen Minderheit, die Schwarze Menschen in Deutschland bilden, waren in die Vorbereitungen des AGG nicht eingebunden und zu diesen Zwecken nicht angehört worden. Der Dialog bestand daraus, dass wir – sofern uns Entwürfe und Protokolle über Umwege erreichten – diese revisionierten und die Ergebnisse und Erläuterungen auf unseren eigenen Plattformen veröffentlichten: auf Veranstaltungen, in Dossiers und im Internet. Eine direkte Kommunikation mit der Bundespolitik gab es nicht. Der Dialog, sofern er denn als solcher bezeichnet werden kann, glich der Situation, Zettel unter einer geschlossenen Tür durchzuschieben. Auf den „Zetteln“ befand sich Wissen, das wir verkürzt und vereinfacht zu vermitteln versuchten, während ungewiss blieb, ob die Menschen auf der anderen Seite der Tür dieses Wissen zur Kenntnis nehmen, durchdenken oder direkt in den Papierkorb werfen würden. Recht bald stellte sich heraus, dass wohl letzteres der Fall war. Viele Gespräche in den Communities drehten sich darum, wie traurig und ironisch es sei, dass ein Antidiskriminierungsgesetz ohne Einbindung Schwarzer Forschung und Organisationen ausgearbeitet werden sollte.

 

Institutionelle rassistische Diskriminierung war und ist noch immer eine schwerwiegende Bedrohung und Menschenrechtsverletzung – und ein globales Problem, das unmittelbar mit deutschen Politiken verknüpft ist. Auf der Berliner Konferenz 1884 teilten die Kolonialmächte Afrika unter sich auf, freilich in Abwesenheit afrikanischer Menschen. Für Deutschlands Genozide an den Herero und Nama übernimmt die Bundesrepublik bis heute keine Verantwortung.


  1. Ja, die Vokabel ‚fair‘ ist problematisch.

Mediensatire „Radio Meta“: am 5.3. auf Deutschlandradio Kultur, danach 1 Woche gratis online

Mut zu Mediensatire! Vom 6.-12. MÄRZ spendiert Deutschlandradio Kultur eine Woche gratis-streamen meines einstündigen Hörspiels „Radio Meta“.

Wer noch nicht hineingehört hat (und sich gern über Medien lustig macht), sollte dies dringend nachholen.

 

 

Mehr Ausschnitte und Informationen sind auf noahsow.de/Radiometa .

 

  • Nach der Ausstrahlung ist das Hörspiel dann eine Woche lang gratis online zu hören, aber nur bei mir, via noahsow.de/Radiometa .

 

Serviervorschlag: Pyjamaparty mit Kompliz_innen, und dann -wie früher- das Radio einschalten, oder den Stream.Nutzt diesen Zeitraum, um Euch (und der WG, den Kindern, den Kolleg_innen…) ordentlich Freude und Rache zu bereiten. Ich verspreche, dass das mit diesem Hörspiel klappt.

 

PS: es ist jetzt auch schon als stream hörbar, nur nicht gratis. Wer Audiokunst unterstützen möchte und einen großzügigen Tag hat (und/oder ungeduldig ist), könnte es jetzt schon hören. Das geht ebenfalls auf noahsow.de/Radiometa .

Berlin, 2. Februar 2017: Lecture-Presentation: „Radio Meta – A Major Intervention“

CTM Festival, Festival for Adventurous Music and Art
„Fear Anger Love“ Discourse Programme , Modul VII: “Against Neutrality”

 

Presentation in mostly English language with some German bits.

In this lecture, Noah Sow speaks about the conception and production of the gender-bending satire play „Radio Meta“, which aims at the deconstruction of sexism, racism and bias in the field of pop music and radio. Video clips of the work are shown throughout the talk.

The vocal artist and producer creates four radio stations of different formats, while speaking and singing all of the characters and contents (news, presentations, catastrophic interviews, music titles). With black humor and keen observation, Radio Meta unmasks the social functions of entertainment media.

 

Start: 15:15

Location: Kunstquartier Bethanien, Studio 1, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin

Tickets: 3 € entry / 5 – 7 € day pass at the door (do check out the programme, as the day pass is worth it!)

 

lecture: http://www.ctm-festival.de/festival2017/2017/02/02/radio_meta_a_major_intervention/
programme: http://www.ctm-festival.de/festival-2017/programme/calendar/day/
tickets: http://www.ctm-festival.de/festival-2017/tickets/

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Hamburg, 24.1.17 Input: „Wo sind die nur alle?“ – Voraussetzungen für Öffnungsprozesse und Diskriminierungsabbau in kultureller und politischer Arbeit

Foto: Kallejipp; Quelle: Photocase; Titel: Geschlossene Gesellschaft

Foto: Kallejipp; Quelle: Photocase; Titel: Geschlossene Gesellschaft

 

Dienstag, 24. Januar 19:30 – 22:03

W3, Nernstweg 32-34, 22765 Hamburg

 

„Auch in Kulturarbeit, Aktivismus und politischer Bildung ist gut gemeint nicht automatisch gut gemacht. Es gibt viele Traditionen, wie kulturelle und politische Arbeit in Deutschland unternommen wird. Diese Traditionen – und oft auch automatischen Abläufe – sind genauso gewachsen wie die gesellschaftlichen Zustände, die wir verändern wollen. Werden die Gepflogenheiten unhinterfragt befolgt, verlaufen die gut gemeinten Projekte oft nicht vorteilhaft und im schlimmsten Fall sogar kontraproduktiv.“

 

Die Autorin und Aktivistin Noah Sow klärt in ihrem Inputvortrag darüber auf, welche Voraussetzungen für Öffnungsprozesse und Diskriminierungsabbau bestehen und wo häufige Fallen liegen.

 

Veranstaltet vom W3-Projekt [in:szene] in Kooperation mit umdenken – Heinrich Böll Stiftung Hamburg e.V. Gefördert von der Landeszentrale für politische Bildung e.V.

 

Auf Facebook: https://www.facebook.com/events/388105144866942/
Auf der Webseite der W3: http://www.w3-hamburg.de/wo-sind-die-nur-alle

 

 

Foto: „Geschlossene Gesellschaft“
(Foto: Kallejipp; Quelle: Photocase; Titel: Geschlossene Gesellschaft, Link: photocase.de/kallejipp)
https://www.xing.com/profile/Karsten_Jipp
https://www.facebook.com/kalle.jipp